Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Lauenburg Keine Außengastronomie im Herzogtum Lauenburg: Für viele Wirte wird es eng
Lokales Lauenburg

Keine Außengastronomie im Herzogtum Lauenburg: Das Geld wird knapp

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:34 18.03.2021
Eis darf Armin Bruhn weiterhin verkaufen. Die Terrasse mit Blick auf den Domsee wird aber für's Erste weiterhin verwaist bleiben.
Eis darf Armin Bruhn weiterhin verkaufen. Die Terrasse mit Blick auf den Domsee wird aber für's Erste weiterhin verwaist bleiben. Quelle: Sophie Schade
Anzeige
Herzogtum Lauenburg

Wieso darf man nach Mallorca fliegen – aber ein Kaffee auf der Terrasse der Eisdiele um die Ecke ist verboten? Birgit Schmidt aus Lauenburg an der Elbe hat auf diese Frage keine Antwort. Sie versucht, ihr Café „Von Herzen“ mit Außer-Haus-Verkauf am Laufen zu halten: „Bis zum 1. April ist das gut händelbar, aber danach wird es knapp.“

Mehr als Außer-Haus-Verkauf werden die Gastronomen im Herzogtum Lauenburg ihren Kunden aber vorerst nicht anbieten können. Auf dem Stufenplan für mögliche Öffnungsschritte, der auf der Ministerpräsidentenkonferenz am 3. März beschlossen wurde, tat sich für Café- und Restaurantbetreiber ein kleiner Hoffnungsschimmer auf: Wenn die Sieben-Tage-Inzidenz in einer Region über zwei Wochen lang unter 50 bleibt, kann dort die Außengastronomie wieder öffnen. Im Herzogtum Lauenburg haben die Neuinfektionen mit dem Coronavirus in den vergangenen Tagen wieder deutlich zugenommen, und damit auch die Sieben-Tage-Inzidenz. Am Mittwoch hat Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther angekündigt, dass es angesichts der landesweit wieder steigenden Infektionszahlen vorerst keine weiteren Lockerungen geben wird. Heißt: Keine Änderungen für die Gastronomen.

Home@Metropolregion – der Newsletter für Segeberg, Stormarn, Lauenburg und Hamburg

Alles, was die Region umtreibt – jeden Montag gegen 18 Uhr in Ihr Postfach. Hier anmelden für den kostenlosen Newsletter!

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

„Vor Mai wird das nichts“

„Die Menschen sind dankbarer und demütiger geworden“, sagt Armin Bruhn. Ein leckeres Stück Kuchen am Wochenende oder ein Eis für die Schulkinder, nachdem sie stundenlang im Homeschooling vor dem Bildschirm ausharren mussten: Das geht im Eiscafé Bruhn in Ratzeburg seit vier Wochen wieder – zumindest ein bisschen, über den Außer-Haus-Verkauf. Die Terrasse, von der aus die Gäste freien Blick auf den Domsee haben, bleibt aber weiterhin verweist.

Marlene und Helge Walter sind die Inhaber des Möllner Kult-Restaurants "Amadeus". Quelle: Florian Grombein

Überrascht ist Armin Bruhn von dem Aufschub der Lockerungen nicht: „Ich schätze, das wird vor Mai nichts.“ Selbstverständlich hätte er sich gefreut, wenn er auch im Außenbereich des Cafés wieder Gäste begrüßen dürfte. Aber der Ratzeburger möchte positiv nach vorn blicken: Das Eiscafé Bruhn werde wahrscheinlich gut durchkommen, weil die Kosten gesenkt wurden. Er gibt aber auch zu: „Spaß macht das so nicht.“

Zugang mit Schnelltest und für Geimpfte?

Helge Walter, Geschäftsführer des „Amadeus“ in Mölln hat wenig Verständnis für die Entscheidung aus Kiel. „Die Gastronomie ist nicht das Problem, sondern die Lösung“, davon ist er überzeugt. Die Leute würden zum Beispiel Geburtstage ja trotzdem feiern – nur eben jetzt nicht im Restaurant, wo überprüft werden könnte, ob Abstände und Hygieneregeln eingehalten werden, sondern im Privaten.

Birgit Schmidt ist die Inhaberin des Café „Von Herzen“ in Lauenburg an der Elbe. Quelle: Timo Jann

Die Hygienekonzepte hätten die Gastronomen längst entwickelt, viele hätten außerdem Luftreinigungsanlagen in ihren Räumen nachgerüstet: Unter diesen Voraussetzungen könnte sich Helge Walter eine Wiederöffnung auch der Innengastronomie für Gäste vorstellen, die einen aktuellen, negativen Schnelltest und/oder eine Impfung vorweisen können. Denn finanziell wird die Luft immer dünner: „Wir sind noch nicht an dem Punkt, dass wir für immer schließen müssen, aber die privaten Reserven gehen langsam zur Neige“, sagt Helge Walter über die Situation des „Amadeus“.

Warten auf die November- und Dezemberhilfen

Birgit Schmidt, Inhaberin des Cafés „Von Herzen“ in Lauenburg an der Elbe hat nach wie vor nur eine Abschlagszahlung für die November- und Dezemberhilfen bekommen. In der Summe waren das 20 000 Euro. Klingt viel, aber das Geld ist auch ganz schnell wieder weg, denn allein die Miete für das Café kostet Birgit Schmidt monatlich 7500 Euro. Wenn sich dann der Bundeswirtschaftsminister vor die Kamera stellt und erklärt, dass jetzt das Geld ja kommen würde, könne sie nur den Kopf schütteln. Währenddessen stehen bei ihr Waren im Lager, die sie eingekauft hat, um schnell auf mögliche Lockerungen reagieren zu können. Die alten Bestände waren allesamt abgelaufen. Wahrscheinlich wird es den neuen Lebensmitteln und Getränken nicht viel besser ergehen, wenn ihre Kunden zwar auf Mallorca Urlaub machen dürfen, das Café in der Heimatstadt aber lediglich Außer-Haus-Verkauf anbieten kann.

Von Sophie Schade