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Lauenburg Keine Vertiefung des Elbe-Lübeck-Kanals?
Lokales Lauenburg Keine Vertiefung des Elbe-Lübeck-Kanals?
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20:13 06.08.2019
Binnenschiffe auf dem Elbe-Lübeck-Kanal wie hier an der Schleuse Witzeeze können derzeit nur mit geringem Tiefgang den Kanal befahren. Quelle: Holger Marohn
Lauenburg/Berlin

Ausbleibende Niederschläge im Sommer sorgen immer öfter für Niedrigwasser auf den natürlichen Wasserstraßen Deutschlands. Eine mögliche Folge des Klimawandels, die auch die Binnenschiffer vor Herausforderungen stellt. Denn aktuelle Schiffe wie das Großmotorschiff mit einem Tiefgang von bis zu 2,80 Meter haben dann häufig einfach nicht einmal mehr die Handbreit Wasser unter dem Kiel.

Sogar über Staustufen auf dem Rhein soll laut CDU-Bundestagsabgeordnetem Norbert Brackmann schon nachgedacht worden sein, wenn auch die Idee aufgrund zu erwartender fehlender Akzeptanz wieder verworfen wurde. Doch der Koordinator der Bundesregierung für die maritime Wirtschaft hat noch ganz andere Ideen. Und das hätte Auswirkungen auf den im Bundesverkehrswegeplan 2030 (BVWP 2030) als vordringlich eingestuften Ausbau des Elbe-Lübeck-Kanals.

Die Ausbaukosten

Die Kosten für den Ausbau des Elbe-Lübeck-Kanals werden im Bundesverkehrswegeplan 2030 mit 838 Millionen Euro veranschlagt. Basis ist der Preisstand 2014 für Baukosten.

Nach groben Schätzungen werden alleine für die Vertiefung des Kanalbettes 450 Millionen Euro benötigt. Dabei soll eine schiffbare Tiefe von 2,50 Metern durchgängig hergestellt werden. Derzeit sind es in weiten Teilen des Kanals nur 2,10 Meter.

Für den Ersatzbau der sechs noch aus der Kaiserzeit stammenden Schleusen sind 45 bis 50 Millionen Euro je Schleuse veranschlagt, also zusammen rund 300 Millionen Euro.

Die Begradigung der S-Kurve bei Güster könnte etwa 48 Millionen Euro kosten.

Außerdem müssen noch acht bundeseigene Brücken erneuert und auf die aktuellen Durchfahrtshöhen angepasst werden. Kosten zusammen etwa 40 Millionen Euro.

Für alle Kosten gilt der Preisstand von 2014. Durch die allgemeine Barwertentwicklung, die derzeit stark steigenden Baukosten sowie mögliche Planänderungen könnten die Kosten auch noch steigen.

Mehr als die Hälfte der Kosten einsparen

So soll der Elbe-Lübeck-Kanal laut Bundesverkehrswegeplan ausgebaut werden. Quelle: jowegrafik

„Wir müssen eventuell komplett neu denken“, sagt Brackmann. Eine Folge der häufiger werdenden Niedrigwasser auf den deutschen Flüssen könnte sein, dass möglicherweise Schiffe mit einem geringeren Tiefgang benötigt würden. Breiter und länger statt tiefer wäre dann das Motto, um weiterhin größere Ladungsmengen transportieren zu können.

Für den derzeit in Planung befindlichen Ausbau des Elbe-Lübeck-Kanals bedeutet das: Sollte sich diese Meinung durchsetzen, wäre möglicherweise die Vertiefung vom Tisch. Und das hält der Ansprechpartner für die Schifffahrt bei der Bundesregierung nicht mehr für ausgeschlossen. Von den auf 835 Millionen Euro mit Preisstand 2014 im BVWP angesetzten Baukosten könnten damit mehr als die Hälfte eingespart werden.

Die Vertiefung des Kanals war für viele 2016 völlig überraschend neben dem erhofften Neubau der Schleusen und Brücken ebenfalls in den vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplanes aufgenommen worden. Es wird noch heute von einem nächtlichen Coup der beiden schleswig-holsteinischen Mitglieder des Haushaltsausschusses, Bettina Hagedorn (SPD) und Norbert Brackmann (CDU), gesprochen.

Kein Begegnungsverkehr zu erwarten

„Was in jedem Fall benötigt wird, sind moderne und auf die Maße des Europaschiffes angepasste Schleusen auf dem Elbe-Lübeck-Kanal“, sagt Brackmann. Denn bis auf die vor einigen Jahren erneuerte Schleuse Lauenburg stammen die anderen sechs noch aus der Bauzeit des Kanals von 1895 bis 1900. Bauliche Maßnahmen am Kanal selbst könnten sich damit weitgehend auf die Entschärfung der S-Kurve bei Güster beschränken.

Hier in Höhe des Lanzer Sees gibt es eine von zwei natürlichen Ausweichstellen im Kanalverlauf. Quelle: Timo Jann

Auch eine Verbreiterung des Kanals hält Brackmann derzeit und aufgrund der Prognosen nicht für zwingend erforderlich. „Selbst bei den kühnsten Prognosen für die Entwicklung des Kanals ist ein Begegnungsverkehr auf freier Strecke nicht zu erwarten“, sagt Brackmann. Denn neben den Begegnungsmöglichkeiten an den sieben Kanalschleusen gebe es mit dem Lanzer See und dem Möllner Ziegelsee zwei weitere natürlich Ausweichstellen.

Automatisierte Schiffe

Der Ausbau des Elbe-Lübeck-Kanals ist politisch umstritten. Vor allem die mögliche Vertiefung und Verbreiterung der künstlichen Wasserstraße wird aus ökologischen Gründen kritisiert. Auch gibt es Kritik an der Wirtschaftlichkeit des Projektes. Mit deutlich geringeren Kosten würde diese steigen.

Doch nicht nur breitere und längere Schiffe könnten bei gleicher Ladungsmenge einen geringeren Tiefgang ermöglichen. Auch beim Eigengewicht der Schiffe selbst ließe sich sparen. So laufen bereits ähnlich wie bei Bussen mit Schiffen erste Tests mit autonomem Fahren. Sollte das funktionieren, könnte auf späteren Binnenschiffen teilweise auf die Wohnungen für das Bordpersonal verzichtet und damit Gewicht und Platz eingespart werden. Beides stünde dann für Ladung zur Verfügung.

Mehr Informationen

Hier gibt es weitere Informationen zu dem Thema:

November 2013: IHK kämpft für den Kanalausbau

September 2016: Klares Bekenntnis zum Ausbau

September 2016: Schulterschluss für den Ausbau

Oktober 2016: So soll der Kanal ausgebaut werden

April 2017: Naturschützer fordern Stop (BUND-Pressemitteilung)

Juni 2017: Kanalbauer nehmen arbeit auf

Juli 2017: Faktencheck zum Kanalausbau

Juli 2017: Es wäre unseriös zu sagen (Podiumsdiskussion)

November 2018: Mehr Personal für den Ausbau

Von Holger Marohn

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