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Lauenburg Kies-Unternehmen zieht Antrag zum Abbau zurück
Lokales Lauenburg Kies-Unternehmen zieht Antrag zum Abbau zurück
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00:54 24.01.2014
Grandes Bürgermeister Heinz Hoch, am Transparent und immer an der Spitze des Widerstandes, freut sich, dass der Abbau abgewendet ist. Quelle: ba
Grande

Es wird keinen Kiesabbau mehr in Grande geben: Das Unternehmen Kieswerk Grande Koops GmbH & Co. KG hat seinen Antrag auf die Errichtung und den Betrieb eines Quarzsandtagebaus in Grande zurückgezogen. Damit geht ein jahrzehntelanger Streit zwischen Unternehmen und Gegnern der Pläne aus Grande, Kuddewörde und den umliegenden Gemeinden zu Ende.

In einem Brief an das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) teilte das Unternehmen mit, dass eine Fortführung des Planfeststellungsverfahrens aus seiner Sicht wirtschaftlich nicht mehr vertretbar sei. Das LBEG habe die Prüfung zu dem Genehmigungsverfahren daher eingestellt, teilte es mit.

Die Kieswerk Grande Koops GmbH & Co. KG wollte auf einer 81 Hektar großen Fläche über einen Zeitraum von etwa 30 Jahren Sand gewinnen. Nachdem zunächst von einem anderen Unternehmer ein Antrag auf Kiesabbau gestellt worden war, hatten Gemeinde und Kreis ihn abgelehnt. Daraufhin durchlief der Antrag zwei Instanzen vor Gericht, und auch das sprach sich gegen die Pläne aus. Der Unternehmer sprang ab, und nun wollte die Koops GmbH die Genehmigung haben. Das Unternehmen konnte nach Probebohrungen schließlich nachweisen, dass es sich bei dem Kies um Quarzsand und damit um einen Bodenschatz handelte. Damit war nicht mehr der Kreis für die Genehmigung zuständig, sondern die Bergbaubehörde in Clausthal-Zellerfeld.

Im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens hatte das LBEG die betroffenen Behörden sowie Naturschutzvereinigungen und die Öffentlichkeit beteiligt. Mehr als 1000 Bürger hatten daraufhin Einwendungen erhoben. So sollten an der Ortsgrenze von Grande zwei große Baggerseen entstehen, wodurch Überflutungen befüchtet wurden. Zudem gab es Angst, das Bauvorhaben könne sich auf den Grundwasserspiegel und damit negativ auf das Naturschutzgebiet rund um das Billetal auswirken. Dazu kamen Sorgen um zusätzlichen Verkehrslärm, die Beeinträchtigungen von Trinkwasserbrunnen und um den Wertverlust von Grundstücken. Mit verschiedenen Aktionen hatten die Gegner unter der Regie von Grandes Bürgermeister Heinz Hoch immer wieder ihren Protest ausgedrückt.

Am 20. und 21. November 2013 hatten alle Einwender beim Erörterungstermin in Trittau die Gelegenheit, ihre Argumente vorzubringen. Unter dem Eindruck der vorgebrachten Stellungnahmen und Einwendungen hatte das LBEG den Erörterungstermin am zweiten Tag unterbrochen, um dem Antragsteller Gelegenheit zur Prüfung zu geben. Der Antrag ist nun vom Tisch.

Für Bürgermeister Heinz Hoch ist das Ergebnis ein Triumph. Er hat sich von Beginn an unermüdlich für seine Gemeinde engagiert. „Der Kampf hat sich gelohnt“, freut er sich, „viele, viele haben dabei mitgewirkt, dass wir das erreicht haben. Das ist ein Erfolg für alle gemeinsam. Das ist ein Sieg auf der ganzen Linie.“ Er freue sich, dass jetzt die Landschaft bleibe, wie sie ist. Auch seien der Gemeinde damit bei der Zukunftsplanung keine Steine mehr in den Weg gelegt. „Grande war durch die Abbaupläne in seiner Expansion in Richtung Westen blockiert“, sagt Hoch. Auch finanziell hatte Grande mit seinen etwa 650 Einwohnern einiges an Lasten tragen müssen. „Allein in den Jahren 2012 und 2013 haben wir 100 000 Euro für Gutachten und Anwälte ausgegeben“, sagt Hoch. Wenn die Witterung milder wird, soll mit allen Gemeinden, die ihn unterstützt haben, gefeiert werden.

Sorge um Naturschutz
Das Bergbaugesetz gilt als veraltet. Kritiker verlangen schon lange, dass es geändert wird, um Naturschutzbelange und Bürgerinteressen besser berücksichtigen zu können. Zuletzt war der Anregung, ein eigenes Bergamt für Schleswig-Holstein einzurichten, eine Absage erteilt worden. Hinter der Forderung steht die Sorge, bei einer späteren Gas-Förderung könnte die Fracking-Methode zum Einsatz kommen.



Das Deutsche Bergrecht leitet sich aus dem mittelalterlichen Gewohnheitsrecht ab. Damals beanspruchten die Könige das Grundrecht auf Silber und andere Metalle im Boden. 1865 wurde das Bergrecht für die preußischen Staaten neu geregelt. Es gilt im Wesentlichen bis heute, auch wenn es 1982 für alle Bundesländer vereinheitlicht und leicht angepasst wurde.

(Quelle wikipedia).
Grüne fordern Bergrechts-Reform
Mit Zufriedenheit hat der Kreisverband Herzogtum Lauenburg Bündnis90/Die Grünen die Entscheidung des Landesbauamtes für Bergbau, Energie und Geologie in Clausthal-Zellerfeld, den Antrag auf Genehmigung zum Quarzsandtagebau in Grande abzulehnen zur Kenntnis genommen.
Dazu erklärt der grüne Kreistagsabgeordnete Klaus Tormählen: „Ich freue mich sehr, dass dieser außerordentlich schützenswerte Lebensraum nun erst einmal vor diesem zerstörerischen Zugriff gesichert ist. Der politische Widerstand und das Engagement der Bürgerinnen und Bürger haben sich gelohnt. Ich gratuliere Bürgermeister Hoch und seiner Gemeinde zu diesem Erfolg.“
Der Bundestagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen, Dr. Konstantin von Notz aus Mölln, ergänzt: „Um eine Genehmigung zum Quarzsandtagebau zu erhalten, hatte der Antragsteller auf das höchst intransparente Bergrecht aus dem letzten Jahrhundert gesetzt. Dieses Vorhaben ist nun dank eines großen Bürgerengagements erst einmal vom Tisch.“ Endgültig müsse das Problem aber in Berlin gelöst werden, wo sich die Koalitionspartner SPD und Union weiterhin vor einer konsequenten Bergrechts-Reform drückten, so von Notz weiter. Ein reformiertes Bergrecht, mit dem auch das hoch umstrittene Fracking-Verfahren rechtlich eingedämmt werden könne, müsse Rücksicht auf das Gemeinwohl und die Umwelt nehmen und die betroffenen Gemeinden auf Augenhöhe einbeziehen.

Bettina Albrod