Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Lauenburg Kinderstadt „Tillhausen“ in Mölln eröffnet
Lokales Lauenburg Kinderstadt „Tillhausen“ in Mölln eröffnet
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:15 02.07.2019
Gute Stimmung herrschte gestern von Anfang an in der kleinen Zeltstadt am Ufer des Möllner Schulsees. Mancher machte sogar einen Handstand vor Freude. Quelle: Norbert Dreessen
Anzeige
Mölln

Fünf Städte gibt es im Herzogtum Lauenburg – normalerweise. Seit gestern sind es nämlich sechs Städte, denn am Nachmittag öffnete „Tillhausen“ seine Tore. Zum elften Mal werden am Ufer des Schulsees in Mölln 300 Bewohner, betreut von 150 Helfern, zehn sicher ereignisreiche Tage zusammen verbringen.

Aufregende Anreise

Um 14 Uhr begann die Anreise der acht- bis 14-jährigen Kinder und Jugendlichen aus Nah und Fern, die nun Tillhausens Einwohnerschaft bilden und in großen Zelten gleich neben dem Luisenbad wohnen. Viele von ihnen sind zum ersten Mal dabei und fuhren entsprechend aufgeregt nach Mölln. Etliche Mädchen und Jungen haben aber schon Tillhausen-Erfahrung und konnten den „Neuen“ gleich ein paar gute Tipps geben.

Anzeige

Die große Aktion unter dem offiziellen Namen „Stadtspiel - Kinder gestalten ihre Welt“ ist wieder eine Kooperationsveranstaltung des Kreisjugendrings Herzogtum Lauenburg und der Stadt Mölln. Erstmals wurde dieses bunte und fröhliche Projekt 1999 auf die Beine gestellt und wird seitdem alle zwei Jahre wiederholt. Die Nachfrage ist stets riesig, die Zahl der Plätze aber leider begrenzt.

200 Kinder sind die Einwohner

Um 16 Uhr begann am Dienstag die offizielle Eröffnung. Auf dem zentralen Platz mitten im weitläufigen Gelände fanden sich 280 Kinder aus dem gesamten Herzogtum Lauenburg, 20 junge Gäste aus dem polnischen Kreis Slupsk und die 150 Betreuer ein. Hier gab es kurze Reden von Jens Pechel, dem Vorsitzenden des Kreisjugendrings, von Möllns Bürgermeister Jan Wiegels und von Möllns Bürgervorsteher Jan Frederik Schlie. Er vertrat seinen Vater, den schleswig-holsteinischen Landtagspräsidenten Klaus Schlie. Der ist zwar erneut Schirmherr des Stadtspiels, konnte aber diesmal nicht selbst erscheinen.

Jan Frederik Schlie vertritt seinen Vater

Er kenne „Tillhausen“ bestens, sagte der Bürgervorsteher. Schon zum achten Mal sei er dabei, denn Schlie ist seit Langem in der DLRG aktiv, und diese Organisation übernimmt stets die Badeaufsicht und versorgt Teilnehmer, wenn sie über kleinere Wehwehchen klagen.

Als Gastgeschenk brachte Schlie eine Glocke mit, die nun in der Tillhausener Mini-Kirche einen Platz finden soll. Bürgermeister Wiegels übergab danach ein großes Trampolin, das von vielen Kindern sofort ausprobiert wurde. Überhaupt dürfte sich bei keinem der Stadtspiel-Teilnehmer Langeweile einstellen. Spiel und Spaß kommen an den zehn Tagen bestimmt nicht zu kurz, aber jeder Tillhausener wird auch für zwei Stunden täglich einer Arbeit seiner Wahl nachgehen. 50 Berufe stehen zur Wahl, wobei das Jobangebot von der Tischlerei über die Marmeladenherstellung bis zur Ideenschmiede in der Werbeagentur reicht. „Es gibt Berufe, die nie fehlen dürfen, aber es entstehen immer wieder auch neue“, erklärt Projektleiterin Ute Ostendorf.

Preise für das Stadtspiel

Das Stadtspiel ist inzwischen deutschlandweit bekannt und wurde bereits mehrfach mit wichtigen Preisen ausgezeichnet. 2013 gab es zum Beispiel den Heinz-Westphal-Preis, verliehen vom Bundesjugendring und dem Bundesfamilienministerium. Über 180 Projekte hatten sich beworben, die Aktion aus dem Herzogtum Lauenburg gewann. Die Jury lobte, der Kreisjugendring leiste mit seiner Kinderstadt „einen bemerkenswerten Beitrag zur politischen Bildung von Kindern und Jugendlichen“. Das Projekt Tillhausen sei „weit mehr als ein Rollenspiel, es ist ein Beitrag zur Stärkung der Demokratie in einer jungen Altersgruppe“.

Das wird sich nicht zuletzt am kommenden Sonnabend zeigen, wenn die Bewohner der kleinen Zeltstadt ihren eigenen Bürgermeister wählen. Die Kandidaten werden sich vorher in einem Wahlkampf ihren „Bürgern“ vorstellen – wie es sich in einer wahren Demokratie gehört. Herbert Grönemeyers Lied „Kinder an die Macht“ wurde zwar schon 1986 veröffentlicht, hat aber zumindest bei diesem Projekt nichts an Aktualität verloren. Möllns Bürgermeister Wiegels freut sich bereits auf das Treffen mit seinem Kollegen.

Norbert Dreessen

Brandserie im Lauenburgischen - Zündelnder Feuerwehrmann: Kameraden sind geschockt
02.07.2019
Lauenburg Hinter alten Mauern: Elisabeth-Kirche in Brunstorf - Wo der Engel vom Himmel schwebt
02.07.2019
Anzeige