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Lauenburg Der „Brückenschlag“ der Feuerwehren
Lokales Lauenburg Der „Brückenschlag“ der Feuerwehren
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06:00 30.09.2019
Andreas Keller (l.) und Wolfgang Farken auf der geschichtsträchtigen Brücke, deren Vorgängerin aus Bohlen, Baumstämmen und Telegrafenmasten an einem Tag – 12. Mai 1990 - von beiden Ortswehren zusammengezimmert wurde. Quelle: Joachim Strunk
Kittlitz/Kneese

Am 9. November 2019 wird der 30. Jahrestag des Mauerfalls groß in Berlin gefeiert. Auch am nordöstlichsten Zipfel des Kreises Herzogtum Lauenburg beziehungsweise am südwestlichen Rand des Kreises Nordwestmecklenburg begehen die Menschen ein 30. Jubiläum.

Die beiden Nachbargemeinden Kittlitz und Kneese beziehungsweise deren Ortsteile Rosenhagen und Dutzow feiern ihr 30. Brückenfest. „Wieso das 30.?“, fragen wir Wolfgang Farken. Der 70-jährige Kittlitzer erklärt: „Unser erstes Brückenfest haben wir am 2. Juni 1990 zur Einweihung gefeiert. Das Zweite haben wir 1991 auf den 3. Oktober gelegt – den Tag der Deutschen Einheit. Deshalb sind wir jetzt, zum 3.10.2019, beim 30. Brückenfest angekommen.“

Konzertierte Aktion zwischen Ost und West

Wie dieser Brückenbau vonstattenging, nämlich durch die gemeinsame Arbeit beider Freiwilligen Feuerwehren und die Unterstützung tatkräftiger Landwirte, LPG-Mitarbeiter und sonstiger Freiwilliger, insgesamt rund 30 Mann, ist schon oft erzählt worden.

Der Kittlitzer Bürgermeister Dr. Otto Stock hatte für das notwendige Material – Bohlen, Bretter und alte Telegrafenmasten – gesorgt, die Feuerwehren für die notwendige Mannschaftsstärke und LPG-Brigadier (Vorarbeiter) Erich Reich für entsprechendes Baugerät. Als sich abzeichnete, dass die Hölzer nicht ausreichen würden, wurden kurzerhand im nahen Wäldchen am Lüneburger Berg ein paar Bäume gefällt.

In einem Tag vollbracht

Innerhalb nur eines Tages, am 12. Mai 1990, war das Werk vollbracht. „Wir sind morgens um 8 Uhr gestartet. Und obwohl es zwischendurch regnete, waren wir um 18 Uhr fertig“, erinnert sich Wolfgang Farken.

Wie aber war es überhaupt soweit gekommen? Gab es denn über die 40 Jahre der deutsch-deutschen Trennung noch so gute Kontakte zwischen den ehemaligen Nachbargemeinden, die einen solchen Enthusiasmus befeuerten? „Nein, überhaupt nicht“, so Andreas Keller. Der heute 64-Jährige war damals stellvertretender Wehrführer von Kneese.

Kontakte gab es 40 Jahre lang keine

Er selbst war einige Jahre zuvor aus Rostock ins Zonenrandgebiet gezogen, arbeitete in Gadebusch. „Meine Kollegen dort wussten gar nicht, wo Kneese liegt. Diese Orte waren ja kaum zugänglich, viele Bevölkerungen weitgehend ausgetauscht“, erzählt er.

Vor 30 Jahren sorgten zwei Nachbarwehren für eine feste Verbindung

Und Farken fügt hinzu: „Nachbarschaftliche oder verwandtschaftliche Kontakte gab es bis 1990 nicht“. Das kam erst mit der Brücke (wieder) zustande. Andreas Keller: „Im ersten Jahr haben wir ja quasi nur gefeiert“.

Die Feuerwehren machten den Anfang

Seit jenem Brückenschlag sind dann aber etliche zwischenmenschliche Beziehungen entstanden und vertieft worden. Farken: „Meine Schwiegersöhne zum Beispiel stammen beide aus dem Osten.“

Und wie kam es zu dem Brückenprojekt? „Schon kurz nach der Grenzöffnung im November ’89 hatten die beiden Feuerwehren miteinander Kontakt aufgenommen“, sagt Farken. Damals musste man noch über Mustin und die B 208 fahren, um sich zu besuchen.

„Völlig überhitzte Baracke“

Im Dezember jenes Jahres besuchte eine Abordnung der Kneeser Wehr ihre Kameraden in Kittlitz. Spontan wurden die ostdeutschen „Brüder“ zur Weihnachtsfeier eingeladen, Keller nahm dankend an. Seitdem verbindet ihn und Farken eine enge Freundschaft.

Anfang 1990 entstand auf beiden Seiten die Idee für einen Brückenbau über den Grenzbach, der den Goldensee und den Dutzower (Schaal-)See verbindet. Wolfgang Farken erinnert sich: „Zu ersten Planungsgesprächen sind wir, Bürgermeister Dr. Otto Stock, Feuerwehr-Schrift- und -Kassenwart Jochen Möller und ich, rüber nach Kneese gefahren.“

30. Brückenfest

Traditionell – nämlich seit 1991 – feiern die Kittlitzer und Kneeser, Gemeinden wie Freiwillige Feuerwehren sowie Einwohner, Nachbarn, Freunde und Verwandte am 3. Oktober ihr Brückenfest.

Die Feier auf der Festwiese in Rosenhagen an der Brücke über den Grenzbach beginnt um 10 Uhr. Mit dabei ist seit 30 Jahren der Feuerwehrmusikzug Tramm.Für Getränke, Bratwurst, Erbsensuppe, Kaffee und Kuchensorgen die Freiwilligen Wehren Kneese und Kittlitz. Auch wird der DRK Ortsverein Mölln mit einem RTW und drei Rettungssanitätern dabei sein. Kinder können sich auf einer Hüpfburg austoben.

In einer „völlig überhitzten Baracke“ traf man auf mehr als 20 Personen: Vertreter der Gemeinde Kneese, des Kreises Gadebusch, des Bezirks, der LPG (Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft), der Grenztruppen und des Zolls sowie der Volkspolizei. „Alle hatten was zu sagen“, so Farken.

„Wer viel fragt, . . .“

Am Ende genehmigten die DDR-Behörden eine kleine Fußgängerbrücke und erteilten die Erlaubnis, dass die Bauleute 30 Meter auf DDR-Gebiet durften. Allerdings: „Wer viel fragt, kriegt viele Antworten“, sagten sich Farken, Keller und Co. – und machten ihr eigenes Ding.

„Wir wollten was Anständiges, was Vernünftiges, wo man mit Autos und Feuerwehrfahrzeugen rüber konnte. Wenn wir das damals nicht gemacht hätten, wer weiß, ob die heutige feste Verbindung jemals oder so schnell gekommen wäre.“

Gesagt, getan. Für die Aktion interessierten sich die DDR-Grenzer nicht (die Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion zum 1. Juli 1990 zeichnete sich bereits ab), lediglich ein 20-jähriger Jüngling wurde mit Wachhund und Pistole zur Beobachtung abbestellt. „Ansonsten ließ sich niemand blicken“, so Farken.

So was erlebt man nur einmal im Leben

Offiziell eingeweiht wurde die Brücke am 2. Juni 1990. Schon um 8 Uhr morgens fanden sich hunderte Teilnehmer von beiden Seiten der Grenze ein. Mit dabei die Bürgermeister der Gemeinden, Dr. Otto Stock aus Kittlitz und Gundula Jahnke aus Kneese, sowie Vertreter der Grenztruppen der DDR und des Bundesgrenzschutzes (BGS), die sich später zu weiteren Gesprächen in einem Mannschaftsbus des BGS einfanden.

„Ich habe diese Ereignisse von damals immer noch lebhaft vor Augen. Es ist, als sei es gestern gewesen. So was erlebt man nur einmal im Leben“, zeigt sich Farken nach wie vor ergriffen.

Und wie er da mit seinem Kameraden Andreas Keller auf der mittlerweile stabilen steinernen Brücke mit metallenem Geländer steht und auf den Grenzbach hinunterblickt, merkt man beiden an: Das wird sie niemals loslassen. Aber das ist auch gut so!

Von Joachim Strunk

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