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Lauenburg Klage: Müssen Senioren das Augustinum Aumühle räumen?
Lokales Lauenburg Klage: Müssen Senioren das Augustinum Aumühle räumen?
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23:14 27.05.2015
Die idyllische Stimmung trügt: Gestern wurde im Wohnstift Augustinum in Aumühle viel über eine Räumungklage diskutiert. Quelle: Grombein
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Aumühle

Aumühler Senioren bekamen am Wochenende einen Riesenschreck: Aus den Medien (Süddeutsche Zeitung und Hamburger Abendblatt) erfuhren sie von einer Räumungsklage. Zwar ist diese, wie die LN jetzt recherchiert haben, mittlerweile ausgesetzt worden. Doch die Angst bleibt. Das Augustinum hat zwischen 2010 und 2013 offenbar elf seiner 23 Seniorenstifte an eine kleine Immobilieverwaltung aus Heide verkauft und anschließend wieder angemietet. Es soll um 700 Millionen Euro gegangen sein. Auf den geänderten Besitzverhältnissen basiert offenbar auch die Räumungsklage.

„Beim Landgericht Lübeck sind insgesamt drei zivilrechtliche Verfahren zwischen der Betriebsgesellschaft Augustinum in Aumühle und einer weiteren Partei anhängig. In einem Verfahren geht es um eine Räumung“, erklärte Stephan Bahlmann, Sprecher des Landgerichts Lübeck gestern. Aus einem Beschluss des Landgerichtes Lübeck, der den LN vorliegt, geht aber hervor, dass die norddeutsche Immobilienfirma weitere elf Landgerichte mit ähnlichen Klagen gegen die Augustinum-Gruppe überzogen hat. Die Verhandlung dieser Verfahren wird allerdings „bis zur Erledigung des Strafverfahrens (...) der Staatsanwaltschaft München I“ ausgesetzt, heißt es in dem Beschluss. Noch allerdings ist die Räumungsklage nicht vom Tisch, auch wenn Matthias Steiner, Sprecher der Augustinum-Gruppe in München, die Bewohner beruhigt.

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„Anders als in verschiedenen Medien berichtet, droht im Augustinum Aumühle keine Räumung“, sagt der der Sprecher der Augustinum-Gruppe, Matthias Steiner. Das Lübecker Landgericht teile den Verdacht, dass die betreffende Transaktion mit Hilfe erheblicher Straftaten zustande gekommen sei, die gegebenenfalls zur Nichtigkeit der Geschäfte führen. „Das Augustinum sieht sich dadurch bestätigt, weiterhin Eigentümer der Immobilie zu sein“, so Steiner.

Der Käufer der Immobilien habe lediglich über 25 000 Euro Eigenkapital verfügt, hieß es in Medienberichten. Um die Kasse zu füllen, habe die Augustinum-Gruppe auch noch ein Darlehen von etwa 700 Millionen Euro gewährt. Das Augustinum habe die Standorte nach dem gängigen Verfahren „sale and lease“ getätigt, erklärte Seiner. „Als wir auf Ungereimtheiten stießen, haben wir unseren ehemaligen kaufmännische Geschäftsführer im Mai 2014 fristlos gekündigt.“Nun sieht sich der christliche Sozialdienstleister getäuscht und erstattete Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft München.

In Aumühle waren der Verkauf und die Räumungsklage gestern großes Gesprächsthema. „Wir sind beunruhigt. Schließlich haben wir unseren Lebensabend in diesem Hause geplant“, sagte gestern ein Bewohner in Aumühle. Und auch im Möllner Augustinum wird diskutiert. Prof. Barbara Böhm, Bewohnerin und Mitglied des Stiftsbeirats in Mölln, erklärte: „Die Nachricht hat viele Bewohner aufgescheucht, sie sind sauer und zornig. Der größere Teil aber ist gelassen, weil das Möllner Haus nicht direkt betroffen ist.“

Ein anderer Hausbewohner erklärte gestern: „Das strotzt so vor Dummheit, das ist nicht mehr zu überbieten. Es kann uns keiner erzählen, dass man einen solchen Verkauf nicht rechtlich auf seine Wasserdichtigkeit prüfen lässt.“

Pflege bundesweit
Im Aumühler Augustinum leben 160 Senioren. 7400 Menschen insgesamt leben in Häusern der Augustinumgruppe bundesweit. Damit ist as Unternehmen einer der größten Dienstleiter im sozialen Bereich. Im Bereich des gehobenen Seniorenwohnens ist das Augustinum einer der Marktführer.



Im Jahr 2013 setzte das Unternehmen etwa 326 Millionen Euro um. In den Wohnstiften mieten Senioren neben den Räumlichkeiten auch Serviceleistungen an. Das Unternehmen betreibt auch zwei Sanatorien, eine Klinik sowie heilpädagogische Einrichtungen, Schulen und Internate.

F. Grombein und J. Strunk