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Lauenburg Klares Wasser bis auf den Grund
Lokales Lauenburg Klares Wasser bis auf den Grund
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08:29 25.07.2018
Die Badestelle an der Schlosswiese am Ratzeburger See. Quelle: Unk
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Ratzeburg

„Montag und Dienstag wurden Wasser- und Sichtproben an den Badestellen im Kreis genommen. Die Ergebnisse werden heute und am Donnerstag vorliegen“, erklärte Tobias Frohnert, Pressesprecher des Kreises Herzogtum Lauenburg auf Anfrage der Lübecker Nachrichten. Die jüngste Untersuchung habe „den Zustand ,ausgezeichnet’, also eine 1 im Schulnotensystem“ ergeben.

Im Mai hatte es an ein paar Tagen mal eine Warnung des Gesundheitsamtes vor giftigen Blaualgen gegeben. Dazu Frohnert: „Blaualgen sind in allen Badegewässern im Kreis vorhanden und im Normalfall unkritisch. Problematisch wird es immer dann, wenn es zu einer Massenvermehrung kommt. Dies ist in der Regel dann der Fall, wenn es warm, sonnig und windstill ist.“

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Seit der letzten Badewarnung wegen Blaualgen habe man jedoch Glück gehabt, „dass die Wind- und Strömungsverhältnisse dafür gesorgt haben, dass es keine punktuellen Massenvermehrungen gab. Dies kann sich aber gerade bei Blaualgen immer sehr schnell ändern. Teilweise entwickeln sich solche Belastungen innerhalb von einigen Stunden.“

Schwerpunkte dabei sind meist Buchten, in die Wind und Strömung Blaualgen drücken können, so dass dort eine Konzentration entsteht. Das hängt, so Frohnert, aber immer von der Windrichtung ab und könne auch in einigen Stunden variieren.

Die fiesen Bisse der „Entenwürmer“

Malte Allrich, Technischer Leiter der DLRG in Ratzeburg, konnte diesbezüglich auch allenfalls von einer kleinen Zerkarien-Plage berichten. Zerkarien sind auch als „Entenwürmer“ bekannt, kleine Insekten, die sich im Gefieder von Wasservögeln wohl fühlen, mit ihnen in dicht bewachsenen Uferzonen umherziehen und von hier aus auch unvorsichtige Badegäste befallen. Die Bisse ähneln Mückenstichen, lassen sich laut Allrich aber nach dem Bad durch eine schnelle Dusche entfernen. Süßwasserduschen sind an den Badestellen an der Ratzeburger Schlosswiese und am Aqua Siwa vorhanden. Zuständig für die Kontrolle der (Bade-)Wasserqualität ist beim Kreis der Fachdienst Gesundheit in Ratzeburg. Die wird zu Beginn der Badesaison und dann während der Saison im Abstand von drei bis vier regelmäßig Wochen überprüft. „Dazu wurde ein Labor beauftragt, das Wasserproben entnimmt und dabei auch eine visuelle Prüfung vornimmt. Zudem gehen die Kontrolleure Meldungen von Badestellenbetreibern oder Badegästen über Auffälligkeiten an den Badestellen nach“, ergänzt Tobias Frohnert. Doch des einen Freud – nämlich das der Urlauber und Badegäste, die sich über das klare, saubere Wasser in unseren Seen freuen –, ist des anderen Leid. In dem Falle der Binnenfischer. Holger Rinck, Fischer und Geschäftsführer des bekannten Fisch-Restaurants „Maräne“ in Groß Zecher am Schaalsee, erklärt lapidar: „Es hat alles sein Für und Wider!“ Er könne die Existenz der Blaualge allgemein bestätigen – allerdings hauptsächlich in den Flachgewässern. Der Schaalsee mit seinen „tiefen Löchern“ beträfe das nicht: „Hier gibt es genügend Sauerstoff“.

„Man guckt bis auf den Grund, sieht aber keinen Fisch mehr“

Für ihn wie auch seinen Restaurantkollegen und Schaalseenachbarn Hans-Otto Eggert aus Dargow sei der Schaalsee zum Teil „viel zu sauber“. Es fehle am Plankton als Futter für die Fische. Rüdiger Jobmann, Fischerkollege vom Großen Ratzeburger See, erklärt dies anschaulich: „In einem klaren Glas Wasser kriegen Sie auch keinen Fisch groß“. Es bräuchte eben ein gewisses Maß an Nährstoffen, um die Fische „aufzupäppeln“.

Dies sei insbesondere am Ratzeburger und auch am Schaalsee in den vergangenen 15 bis 20 Jahren jedoch kontinuierlich zurück gegangen. „Das ist wie im Bodensee“, meint Rinck. „Man guckt bis auf den Grund, aber sieht keinen Fisch mehr.“ Für Urlauber sei das wunderbar, für diejenigen, die davon leben müssten, sei das eher von Nachteil, pflichtet ihm Jobmann bei. Der erinnert sich noch an seine Kindheit, als es in Ratzeburg oder am Ostufer des Sees Schlachtereien gab, die die Schlachtreste im See „entsorgten“. Entsprechend groß und fett seien damals auch die Fische gewesen.

Von Joachim Strunk

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