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Lauenburg Autor von „Klassenfoto mit Massenmörder“ stellt sich Fragen der Schüler
Lokales Lauenburg Autor von „Klassenfoto mit Massenmörder“ stellt sich Fragen der Schüler
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07:00 16.12.2019
Verantwortung, Schuld und Vergebung damals und heute: Schüler beschäftigten sich intensiv mit dem Buch „Klassenfoto mit Massenmörder“ von Jürgen Gückel. Quelle: Thomas Biller
Mölln

Klassenfoto mit Massenmörder“ lautet der Titel des Buches, das der Journalist Jürgen Gückel nach jahrelanger, akribischer Recherche in diesem Jahr vorgelegt hat. Eine ausführliche Buchvorstellung in den Lübecker Nachrichten sorgte in der Klasse 10 b der Gemeinschaftsschule Mölln (GSM) für intensive Beschäftigung mit den Themen „Schuld“ und „Vergebung“. In mehreren Briefen formulierten die Schülerinnen und Schüler daraufhin ihre Fragen zu diesem Thema, die während des mehrwöchigen Projektes aufkamen. Jetzt gibt es die Möglichkeit, Autor Jürgen Gückel persönlich zu fragen, denn der Schriftsteller reist in den nächsten Tagen nach Mölln.

Auf Spurensuche in seiner eigenen Biografie stieß Gückel auf Unfassbares: Sein früherer Klassenlehrer hatte ein Doppelleben unter der Identität des im Krieg gefallenen Bruders geführt. Der ehemalige Theologe verbarg seine Vergangenheit als SS-Mitglied, Partisanenjäger und Massenmörder bis zu seiner Verhaftung während einer Schulstunde.

Schüler beschäftigen sich mit Extremismus und Faschismus

Auf fast 300 Seiten beschreibt Jürgen Gückel die Geschichte eines Mannes, der mehrfach in seinem Leben Schuld auf sich geladen und schreckliche Gräueltaten begangen hat. Keine einfachen Themen für die Schüler der 10 b. Geschichts- und Klassenlehrerin Karin-Sybill Kohrt traute es ihrer Klasse dennoch zu. Intensiv hatten sich die Schüler im Alter zwischen 14 und 16 Jahren bereits zuvor mit den Themen Faschismus, Extremismus, Rassismus und Verbrechen gegen die Menschlichkeit beschäftigt. „Die Welle“ und „Schindlers Liste“ gehörten zu den zahlreichen Filmen, die gemeinsam gesehen und deren Inhalte diskutiert wurden.

Diskutierten engagiert beim MADS-Projekt mit: Kim Koziol, Gabriel Balik, Lara Neben, Ahmed Haydar und Lara Lühr (von links). Quelle: Thomas Biller

Schweigen wird thematisiert

„Und alle schwiegen“ lautete im September der Titel des Zeitungsartikels zu Gückels Buch. Lehrerin Kohrt thematisierte eben dieses „Schweigen“ und erarbeitete mit ihrer Klasse, wie verhängnisvoll Schweigen sein kann, damals wie heute. Ihr Wunsch: „Mut und Zuversicht sollen die Schüler aus diesem Projekt mitnehmen. Mut zur Wahrheit und zur Meinung und Mut, für andere ein- und aufzustehen.“ Um offene und intensive Gespräche in der Klasse zu fördern, legte Kohrt zu Beginn des Projektes fest, dass die Mitarbeit an dem Projekt explizit nicht benotet wird und auch keine Klausuren dazu geschrieben werden.

MADS –Medien an der Schule

Das Schulprojekt MADShat seit 2018 die Nachfolge von ZiSch – Zeitung in der Schule angetreten. Das Angebot der Lübecker Nachrichten richtet sich an Schüler aller Schulformen der Klassenstufen 7 bis 12. In einem oder zwei Intensivzeiträumen erhalten die Schüler diese Zeitung als Klassensatz in ihre Schule geliefert. Zusätzlich können in dieser Zeit e-Paper und App einbezogen werden. Die Jugendlichen haben Gelegenheit, sich im kritischen Umgang mit Medien zu üben und können für die MADS-Seiten und das Online-Portal selbst recherchieren, schreiben fotografieren oder filmen. Interessierte Pädagogen finden weitere Informationen unter mads-projekt.de

Gemeinsam soll zum Abschluss ein Bericht für das Schülermedien-Projekt „MADS – Medien an der Schule“ der Lübecker Nachrichten geschrieben werden, an dem die 10b teilnimmt, mit großem Engagement. „Ich war begeistert, dass unsere Lehrerin das mit uns machen wollte, weil nicht viele Klassen das gemacht haben“, meint Schüler Gabriel Balik. Klassenkameradin Lara Lühr findet es richtig, dass es für dieses längerfristige Projekt keine Zensuren gibt: „Hätten wir Noten erwarten müssen, wäre vieles anders gewesen. Bei einigen Passagen des Buches musste ich es zwischendurch auch mal zuklappen und durchatmen, weil die Beschreibung der schlimmen Taten sehr intensiv ist.“

Ahmed Haydar erzählt, er hätte sich bei der Lektüre immer wieder bewusst machen müssen, dass Tatsachen beschrieben werden. „Es kam mir so unnatürlich vor, dass es echte Geschichte ist“, sagt Haydar. Für die Autorenlesung haben die Schüler konkrete Fragen vorbereitet: „Ich möchte von dem Autor erfahren, wie es ihm bei der Recherche und den Erinnerungen ging und er sich selbst vielleicht mal gefragt hat, ob er wirklich noch mehr über die Verbrechen erfahren will“, erzählt Lara Neben.

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Von Thomas Biller

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