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Lauenburg Kotbeutel-Test: Tüte ist nicht gleich Tüte
Lokales Lauenburg Kotbeutel-Test: Tüte ist nicht gleich Tüte
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12:02 18.04.2015
Ratzeburg

Hundekot auf Wegen, Wiesen und Plätzen ist ein ständiges Ärgernis. Mit der kostenlosen Verteilung von zusammen fast 900000 Hundekotbeuteln versuchen die Städte im Kreis Herzogtum Lauenburg sowie das Amt Büchen dagegen anzukämpfen. Doch Tüte ist nicht gleich Tüte. Die Lübecker Nachrichten haben daher einmal den Hundekotbeutel-Check gemacht. Mit durchaus überraschenden Ergebnissen.

Allein 200 000 Beutel verteilt die Stadt Ratzeburg pro Jahr mit Hilfe von 60 Beutelspendern im gesamten Stadtgebiet. „Wir haben gerade auf rote Beutel umgestellt“, sagt Stadtsprecher Mark Sauer.

Ein durchschnittlicher Verbrauch von 261 Beuteln je gemeldetem Hund in der Stadt. Doch immer wieder würden Beutel einfach aus dem Behälter gerissen oder zweckentfremdet. Außerdem klagen die Ratzeburger immer wieder über mit Hausmüll vollgestopfte öffentliche Müllheimer, so dass dort für die HuKotbeutel kein Platz mehr ist.

Das Amt Büchen arbeitet sogar mit zwei verschiedenen Beutelqualitäten. Die direkt im Bürgerservice des Amtsgebäudes ausgegeben Plastiktüten sind etwas dicker als die in den 20 Spendern. „Gerade die Beutel, die bei einer Hundeanmeldung mit ausgegeben werden, werden von Neubürgern gelobt“, sagt Ingmar Juhl. Im Vergleich zu Beuteln, die in anderen Städten und Gemeinden ausgegeben werden, „seien Büchener Beutel viel dicker und stabiler“, so Juhl.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Kommunen setzt Mölln statt auf Plastiktüten auf faltbare Papptaschen mit Tragegriff aus Recyclingkarton. Die Beutel sind packpapier-braun und mit Begegnungsanweisung beschriftet. „Wir verwenden ausdrücklich keine Kunststoff-Sammelbeutel von der Abreiß-Rolle, weil diese zu einfach auch für den privaten Gebrauch mitgenommen werden“, sagt Bürgermeister Jan Wiegels.

Außerdem verzichte die Stadt damit auch auf Produkte, die aus endlichen Rohstoffen hergestellt sind. Das Problem: Die postkartengroßen Faltkartons passen nicht nur in praktisch keine Jackentasche, sondern erfordern zur Bedienung auch zwei Hände. Und die Luxus-Hundekot-Handtaschen haben ihren Preis: 25 Cent je Beutel zahlt die Stadt Mölln.

Da aber gerade einmal 3000 Papptaschen pro Jahr genutzt werden, also theoretisch drei pro angemeldeten Hund, halten sich die Kosten für den Möllner Stadtsäckel mit 875 Euro im Jahr in Grenzen. Der eigentliche Erfolg der Aktion ist allerdings fraglich. Auf einer knapp 600 Meter langen Gassirunde um den Beutelspender herum konnten jüngst 136 Hundekot-Tretminen gezählt werden.

Ganz auf Kotbeutel-Spender verzichtet die Stadt Schwarzenbek. Dort werden die Beutel ausschließlich an der Information im Rathaus ausgegeben. Trotz dieser Hürde verbrauchen die Schwarzenbeker Hundebesitzer etwa 120000 Plastikbeutel im Jahr. Spitzenreiter beim Hundekotbeutel-Verbrauch ist Geesthacht.

460000 Tüten werden pro Jahr aus den Spendern gezogen. Heruntergebrochen bedeutet das einen Verbrauch von 306 Beuteln pro Hund und Jahr. „Leider werden die benutzen Beutel immer wieder einfach in der Umgebung entsorgt“, sagt Stadtsprecher Torben Heuer. Aus diesem Grunde verteile die Stadt seit vergangenem Jahr kompostierbare Tüten aus Maisstärke.

Eines gemein haben allerdings alle Kommunen: Die Kosten für die Beutel belaufen sich durchweg nur auf einem Bruchteil — zwischen 0,3 und drei Prozent — der Einnahmen aus der Hundesteuer.

Amt Büchen
Art: braune Plastikbeutel aus „High density Polyethylen“ (HDPE) in zwei Stärken
Ausgabe: 22 Spender sowie im Bürgerbüro
Verbrauch pro Jahr: etwa 15000 Stück, Tendenz laut Verwaltung stark steigend aufgrund der Aufstellung von Spendern in Büchen. 13 Beutel je gemeldetem Hund.

Kosten: ca. 1,3 Cent bzw. 1,7 Cent je Beutel, gesamt etwa 700 Euro pro Jahr
Hundesteuer: 109000 Euro
Bewertung: Die klassische Beutelvariante gibt es in Büchen sogar in zwei Qualitäten — und die Nutzer merken es sogar.
Lauenburg
Art: schwarze Plastikbeutel aus „High density Polyethylen“ (HDPE), Stärke 15my
Ausgabe: 20 Spender
Verbrauch pro Jahr: etwa 15000, 21 Beutel je Hund und Jahr
Kosten: ca. 1,6 Cent pro Beutel, ca. 240 Euro pro Jahr
Hundesteuer: 83000 Euro
Bewertung: Die Basisversion. Allerdings scheinen die Lauenburger nicht sehr verbrauchsfreudig zu sein
Ratzeburg
Art: rote Plastikbeutel aus „High density Polyethylen“ HDPE
Ausgabe: 60 Spender
Verbrauch pro Jahr: etwa 200000, 261 Beutel je Hund und Jahr
Kosten: ca. 1 Cent pro Beutel, ca. 2000 Euro pro Jahr
Hundesteuereinnahmen: 98000 Euro
Bewertung: Solide Variante, die angenommen wird. Das Problem: Sie landen aufgrund voller Mülleimer oft im Knick. Da sind sie wenigstens gut zu sehen.
Schwarzenbek
Art: schwarze Plastikbeutel
Ausgabe: nur an der Rathausinformation
Verbrauch pro Jahr: ca. 120000 Beutel, 156 pro Hund
Kosten: 1,7 Cent pro Beutel, 2000 Euro im Jahr
Hundesteuereinnahmen: 93500 Euro
Bewertung: Schwarzenbek verzichtet als einzige Stadt komplett auf das Aufstellen von Beutelspendern. Dafür ist der Verbrauch erstaunlich hoch.
Geesthacht
Art: schwarze Beutel aus Maisstärke, biologisch abbaubar
Ausgabe: 45 Spender
Verbrauch: etwa 460000 Beutel, 306 Beutel je Hund und Jahr
Kosten: 1,1 Cent pro Beutel, ca. 5100 Euro pro Jahr
Hundesteuer: 140000 Euro
Bewertung: Praktisch, günstig und biologisch abbaubar. Hört sich gut an. Mal sehen, was der Langzeittest ergibt.
Mölln hat den Mercedes unter den Hundekot-Transportbehältern
Art: hellbraune Falttüten aus Papier und Pappe mit Henkeln und aufgedruckter Bedienungsanleitung
Ausgabe: acht Spender im Stadtgebiet
Verbrauch pro Jahr: etwa 3500, drei Beutel je Hund und Jahr
Kosten: 25 Cent pro Tragetasche, etwa 875 Euro pro Jahr zzgl. Personalkosten
Hundesteuereinnahmen: 109000 Euro
Bewertung: Mölln hat zwar mit Abstand die schicksten Hundekottaschen, nur leider sind die absolut unpraktisch und zudem teuer. Und dann werden sie auch noch kaum genutzt.

Holger Marohn