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Lauenburg Von Liebe, Schmerz, Freude und Verlust
Lokales Lauenburg Von Liebe, Schmerz, Freude und Verlust
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22:03 10.12.2018
Friederike Brüheim in „Oskar und die Dame in Rosa“ nach dem gleichnamigen Roman von Eric-Emmanuel Schmitt, in Dechow aufgeführt als Ein-Personen-Kammerspiel. Quelle: Dorothea Baumm
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Dechow

„Ich habe den Eindruck, dass die Ärzte mich nicht mehr mögen“, sagt Oskar. Und dann setzt er noch einen drauf: „Ich bin eine Enttäuschung.“ Starker Tobak, den Eric-Emmanuel Schmitt seinen Lesern mit „Oskar und die Dame in Rosa“ zumutet. Starker Tobak, den Schauspielerin Friederike Brüheim mit ihrer Adaption des Romanes als Kammerspiel für eine Person den Zuschauern serviert. Starker Tobak, den Irmgard von Puttkamer den Besuchern ihrer Kulturtage Dechow mit dieser Veranstaltung anbot.

Eine Schauspielerin, eine Spendenbox und ein herzliches Dankeschön

Ein Angebot, das auf den ersten Blick gar nicht so recht in die Adventszeit passen will. Aller Orten wird gepunscht, geshoppt, gewichtelt und gestresst. Weihnachten naht, da soll alles schön, bunt und friedlich sein. „Ich weiß nicht, wie das ankommen wird“, hatte Irmgard von Puttkamer noch vor wenigen Wochen gesagt. Dass sie sich dennoch sehr auf den Abend freue, weil sie das Buch so sehr liebe.

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13 Briefe an Gott

Worum geht es in dem Roman? Der Fischer-Verlag kündigt das Taschenbuch so an: „Der zehnjährige Oskar hat Leukämie und weiß, dass er nicht mehr lange leben wird. Die ehemalige Catcherin Madame Rosa bringt ihn auf die Idee, über alles nachzudenken, was ihn bewegt – in 13 Briefen an den lieben Gott. Unsentimental und unerschrocken erzählen Oscars Briefe von Liebe, Schmerz, Freude und Verlust. In nur wenigen Tagen erlebt er auf wundersame Weise ein ganzes Menschenleben.“

Die Schauspielerin als „Dame in Rosa“, dazu drei Stühle, eine Blattsammlung, ein alter Teddy, ab und an Musik und Lichteffekte: Sparsam eingesetzte Mittel, mit denen Friederike Brüheim die Dechower in ihren Bann zog. Quelle: Dorothea Baumm

Ein sperriges Thema, das Schmitt ganz wunderbar verpackt hat. Das Buch rührt zu Tränen und macht sehr, sehr nachdenklich. Wie kann es sein, dass ein sterbendes Kind nicht Angst vor dem Sterben hat, aber daran verzweifelt, dass es sich als Enttäuschung empfindet? Dass es sich mit der Frage plagt, warum es seinen Eltern solche Angst einjagt? Dass es einsam ist in einer Situation, in der ein Mensch von liebenden Menschen umgeben sein sollte?

Friederike Brüheim hat das Stück kongenial auf die Bühne gebracht. „Was für ein Abend“, sagt Irmgard von Puttkamer später. „Ich habe das Publikum im Saal noch nie so andächtig und still erlebt. Es war großartig.“

Politisches Kabarett mit Sebastian Schnoy

Pünktlich zum Frauentag beginnt der Veranstaltungsreigen „Kulturtage Dechow 2019“. Zur Eröffnung hat Irmgard von Puttkamer einen Coup gelandet: Die Dechower dürfen sich auf Sebastian Schnoy freuen. Er gastiert am Freitag, 8. März, mit „Und plötzlich Demokratie“, einem politischen Kabarett anlässlich 70 Jahre Bundesrepublik Deutschland (1949 – 2019).

Großartig auch die Erfahrung, die die Veranstalterin so machen durfte. Ist die Reihe ihrer Veranstaltungen zwar dafür bekannt, dass es ihr immer wieder gelingt, Künstler von Weltrang in das kleine Dechow zu holen, so war es dennoch bislang immer gute Unterhaltung auf höchstem Niveau. Jetzt hat sie erlebt: Ihr Publikum macht auch so ein Programm mit. Schwere Kost, es flossen Tränen – aber alle waren begeistert.

Und noch etwas war an diesem denkwürdigen Abend anders als je zuvor: Irmgard von Puttkamer bat das Publikum gleich zu Beginn um eine Spende zugunsten der DKMS. Sie hat sich eine offizielle Spendenbox schicken lassen, und Gunda Granier gebeten, dabei zu sein und eventuelle Fragen zu beantworten. Motto der DKMS – ehemals Deutsche Knochenmarkspenderdatei – ist der Slogan „Wir besiegen Blutkrebs“.

So einfach ist Typisierung

Granier hat eine Typisierungsaktion im benachbarten Thandorf organisiert, um dem 15-jährigen Sohn eines Kollegen zu helfen. „Viele Menschen denken, sich typisieren zu lassen sei kompliziert oder schmerzhaft“, sagt Irmgard von Puttkamer. „Dabei ist es ganz einfach“, erklärt Granier. Mit einem Wattestäbchen werde ein Abstrich der Mundschleimhaut genommen. Aus dem Abstrich werden Stammzellen gewonnen, die dann in einer weltweiten Datenbank registriert werden.

Die Geschichte von Oskar und seinem persönlichen Engel, der Dame in Rosa – „Oma Rosa“, wie er sie nennt –, hat die Dechower zutiefst berührt. Und so hat diese Veranstaltung perfekt in die Adventszeit gepasst. Advent, so ist es nämlich ursprünglich gedacht, soll eine besinnliche Zeit sein, besinnlich in Vorbereitung auf das nahende Weihnachtsfest. Wer Friederike Brüheims annähernd zwei Stunden dauernde Vorstellung erlebt hat, war in dieser Besinnung. Wie ein Zuschauer beim Verlassen des Saales zu seiner Frau sagte: „Da besinnt man sich doch drauf, was wirklich zählt im Leben.“

Hilfe im Advent: So können Sie helfen

Wer schon einmal das Sterben eines Angehörigen oder eines lieben Freundes erlebt hat, weiß, wie schwer und kräftezehrend es ist, Abschied zu nehmen. In diesem Jahr wollen wir mit unserer Leser-Aktion „Hilfe im Advent“ diejenigen unterstützen, die ehrenamtlich in Hospizvereinen das Wertvollste geben, das sie haben: Zeit und Anteilnahme. Helfen Sie gemeinsam mit unserem Kooperationspartner Kreissparkasse Herzogtum Lauenburg, die Bedingungen für die Ehrenamtler und ihre Klienten in der letzten Lebensphase zu verbessern. Hanno Hannes, Lokalchef Lauenburgische Nachrichten

Das Spendenkonto Verwendungszweck: „Hilfe im Advent“

Kontoinhaber: Hospizverein Ratzeburg-Mölln und Umgebung IBAN: DE26 2305 2750 0081 5525 80

Und um noch einmal die Frage aufzugreifen: Wie kann es sein, dass sich ein zehnjähriges Kind, ach, überhaupt ein Mensch als Enttäuschung empfindet, weil eine Therapie nicht angeschlagen hat? Wie kann es sein, dass ein Mensch im Sterben liegt und mit seinen Ängsten allein gelassen wird? Dass genau das – wovor wir alle Angst haben! – nicht passiert, dafür stehen die Ehrenamtler im Hospizverein Ratzeburg-Mölln und Umgebung und im Freundeskreis Hospiz Geesthacht ein. Helfen Sie ihnen zu helfen: mit einer Spende für „Hilfe im Advent“.

Dorothea Baumm