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Lauenburg Mikroplastik auf Kunstrasenplätzen: Lauenburgische Fußballklubs denken um
Lokales Lauenburg Mikroplastik auf Kunstrasenplätzen: Lauenburgische Fußballklubs denken um
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17:33 29.08.2019
Feinkörniges Gummigranulat ist der Füllstoff des 2016 neu angelegten Kunstrasenplatzes an der Riemannstraße in Ratzeburg. Quelle: Joachim Strunk
Ratzeburg

Zahlreiche Fußballvereine haben in den vergangenen Jahren zum Teil massiv investiert. Die Zukunft des Fußballsports sei der Kunstrasen, hieß es stets. Der könne im Gegensatz zum Naturrasen (problematisch bei Regen, Schnee oder Wildschweinbefall) bei jedem Wind und Wetter bespielt werden, sei pflegeleichter und damit auch billiger. Und eine körperschonende Alternative zum Grand- oder Aschenplatz sei der Kunstrasen ohnehin.

EU-Verbot für Mikroplastik?

Je nach Größe und Ausstattung kostet so ein Kunstrasen zwischen 300- und 700 000 Euro. Eine Summe, für die die Klubs oder Kommunen lange „stricken“ beziehungsweise planen müssen, was die Beschaffung der notwendigen Gelder betrifft. Und nun diese Meldung Ende Juli aus Brüssel: Angeblich wolle die EU ein Einbauverbot für Mikroplastik als Füllmaterial von Kunstrasenplätzen durchsetzen.

So sieht es im Nordkreis aus

Sind damit Investitionen der Gemeinden und Klubs von Dutzenden Millionen Euro in den „Sand“ beziehungsweise in verbotenes Kunststoffgranulat gesetzt? So jedenfalls die spontane Befürchtung der Betroffenen.

„Erst mal nur eine Studie“

Für Beruhigung sorgt Torben Heuer, Sprecher der Stadt Geesthacht, auf Anfrage der Lübecker Nachrichten: „Bei der EU wird derzeit eine Studie erarbeitet. Diese beschäftigt sich mit einer Ausarbeitung zu den Ausmaßen des Granulats auf Sportplätzen in der EU.“

Anlass und Erklärung

Auslöserder EU-weiten Bedenken sind die Errichtungen von Sportanlagen in Skandinavien, und zwar an Küstenregionen sowie an Bergsiedlungen, die der freien Witterung ausgesetzt und an die vorhandenen Regenwassersysteme angeschlossen sind, erläutert Torben Heuer, Sprecher der Stadt Geesthacht.

Dort gelange das Granulat durch die starken Winde und massiven Regenfällen zu sechs Prozent der Lebensdauer eines Platzes (8-11 Jahre) in die freie Umwelt. In Geesthacht seien es im Laufe der Lebensdauer dagegen nur zwei bis drei Prozent. „Hinzu kommt, dass unsere Plätze nicht an die öffentlichen Abwassersysteme angeschlossen sind und zusätzlich bewässert werden, dadurch binden wir sozusagen das Granulat auf unseren Plätzen“, so Heuer.

Seitens der EU-Kommission gab es nach den ersten Meldungen am 29. Juli 2019 ebenfalls eine Erklärung: „Die Europäische Kommission plant kein Verbot von Kunstrasenplätzen und arbeitet auch nicht an einem solchen Vorschlag. Richtig ist: Die Kommission prüft im Rahmen ihrer Kunststoffstrategie, wie die Menge an umweltschädigendem Mikroplastik in unserer Umwelt verringert werden kann“. In diesem Zusammenhang führe die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) eine öffentliche Konsultation durch, welche Auswirkungen eine mögliche Beschränkung des Mikroplastik-Granulats hätte.

Dazu sei angemerkt, so Heuer, „dass die in Deutschland geltende Norm 18035-7 sehr viel effizienter geregelt ist und somit den Granulat-Anteil (Mikroplastik) bei Weitem nach unten reguliert. Hinsichtlich der laufenden Studie durch die EU-Kommission wird geprüft, ob das Granulat grundsätzlich bei Neubauten untersagt werden soll. Diese Untersuchung läuft noch und ist erst 2020 beendet, samt Auswertung“.

Übergangsfrist ist geplant

Aller Voraussicht nach werde der Einbau von Gummigranulaten (hergestellt aus alten Autoreifen) untersagt. Ferner überprüfe die Studie, wie die bestehenden Plätze ihre Flächen mit Ersatzstoffen füllen können, und ob diese Möglichkeit bestehe. Heuer: „Es wird eine Übergangsfrist geben, in welchem Umfang steht aber noch nicht fest.“

Das sagt der KFV-Chef

Uwe Brügmann, Vorsitzender des Kreisfußballverbandes (KFV), hat zwar einigermaßen Verwirrung, aber noch keine Panik bei den betroffenen Vereinen im Kreis Herzogtum Lauenburg festgestellt. Hierzulande seien ja bei weitem nicht so viele Orte und Klubs wie etwa in Hamburg oder Lübeck betroffen.

„Für Lübeck tut es mir leid, weil sich dort ja sehr viele Vereine in Kunstrasen investiert haben und allein von der Possehl-Stiftung meines Wissens bei mehr als 40 Plätzen unterstützt wurden“, so der Verbandschef.

Er selbst sehe keine größeren Probleme auf die Vereine zukommen, da zuerst eine Übergangsregelung greifen würde und dann nach und nach – ganz im Regelfall durch langfristige Pflege und Wartung – auch der Belag oder die Befüllung gewechselt werden müssten.

Ähnlich äußert sich Frank Hase, Amtsdirektor in Berkenthin: „Ob das Verbot für Kunststoffgranulat auf Kunstrasenplätzen kommt, ist zurzeit noch fraglich. In Deutschland gibt es Tausende von Plätzen, die betroffen sind.“ Eine genaue Quantifizierung sei derzeit nicht möglich. Allein beim Deutschen Fußballbund seien rund 5000 Kunststoffrasenplätze im Fußballbetrieb gemeldet. Hinzu kommen 1000 Minispielfelder (wie beispielsweise auch an Schulen in Berkenthin oder Schwarzenbek).

Frühzeitig für Kork entschieden

Aktuell wird gerade ein Kunstrasenplatz in Krummesse am Beidendorfer Weg angelegt. Die Spezialfirma Weitzel aus Tornesch, die auch schon den Platz in Mölln 2016 gebaut hat, ist hier verantwortlich.

„Wir haben uns schon im Vorfeld mit der Problematik auseinander gesetzt“, erklärt Krummesses Bürgermeister Hans-Peter Fiebelkorn. So habe das zuständige Planungsbüro auf sich abzeichnende Schwierigkeiten mit Kunststoffgranulat hingewiesen und anderes Füllmaterial empfohlen.

„Mehrkosten überschaubar“

Hans-Jürgen Börstler, Projektleiter und Vorstandsmitglied des Krummesser Sportvereins, ergänzt: „Wir haben uns im Januar für Kork entschieden, da die Preise auch um die Hälfte gefallen waren. Zudem hätten wir für Gummigranulat keine Landesförderung bekommen“. Insofern waren die nunmehr geringfügigen „Mehrkosten für uns überschaubar“. Die Arbeiten haben vor rund zwei Wochen begonnen, Börstler ist zuversichtlich, dass der Platz im Oktober fertig ist.

Auch der Kunstrasenplatz in Berkenthin ist betroffen. Der derzeitige Belag der zweiten Generation – Berkenthin verfügt bereits seit 1988 über einen Kunstrasenplatz – ist auch schon wieder zwölf Jahre alt (bei einer durchschnittlichen „Lebensdauer“ von 15 Jahren), so dass im Falle einer Umsetzung des Verbots wohl eher gleich ein komplett neuer Belag in Frage käme, als aufwendig das Kunststoffgranulat gegen Kork oder anderen Füllstoff auszutauschen, erläutert Frank Hase.

Im Bedarfsfall schnelle Umstellung

Ähnlich die Situation in Geesthacht. Torben Heuer: „Unsere vorhandenen Sportflächen wurden nach der gültigen Norm gebaut , können aber im Bedarfsfall umgestellt werden auf Quarzsandbefüllung oder Kork. Am Sportplatz Silberberg wird zeitnah die Faser ausgetauscht, die Befüllung ist dabei durch Sand vorgesehen“.

Zwei weitere Kunstrasenplätze im Kreisgebiet sind noch „in der Pipeline“. Christine Lehmann, Amtsdirektorin im Amt Hohe Elbgeest: „Bei uns in Planung ist derzeit ein Kunstrasenplatz in Börnsen, der im Jahr 2020 gebaut werden soll und dann den neusten Vorschriften entsprechen wird beziehungsweise die genannte Diskussion berücksichtigt (also Kork oder Quarzsand als Füllmaterial)“.

Eine Kostenfrage

Wolfgang Püst, 1. Vorsitzender des TSV Wentorf-Sandesneben, erklärt: „Auch wir haben die Bedenken gegenüber dem Kunststoffmaterial einbezogen, haben uns aber noch nicht entschieden, ob wir Kork oder Quarzsand nehmen“. Letztlich ist es eine Kostenfrage. Der Platz soll rund 650 000 Euro netto kosten. Wie in Krummesse habe man bereits eine Landesförderung von 250 000 Euro zugesichert bekommen, weitere 100 000 von der Aktivregion Nord. Bauherr ist hier die Gemeinde Wentorf, an den Kosten beteiligt sich desweiteren Sandesneben.

Von Joachim Strunk

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