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Lauenburg Lärm und Blei im Wald: Schießstand im Fokus
Lokales Lauenburg Lärm und Blei im Wald: Schießstand im Fokus
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06:00 23.06.2019
Der Schießstand der Kreisjägerschaft in Mölln in der Straße Auf dem Herrenland ist durch Stacheldraht abgesperrt.   Quelle: Florian Grombein
Mölln

Jäger leisten einen wichtigen Beitrag für das Ökosystem im Wald – das betonen auch immer wieder Förster und sogar einige Naturfreunde. Doch beim Thema Bleimunition werden Umweltschützer oft hellhörig. Das ist jetzt im Forstausschuss und im Hauptausschuss der Stadt Mölln deutlich geworden. Als die Stadt den Pachtvertrag kündigen wollte, beantragten die Grünen, den Schießstand der Kreisjägerschaft in Hinblick auf belasteten Bode und den Lärmschutz zu überprüfen. Der Pachtvertrag wurde auf Antrag der FDP für ein Jahr verlängert. Doch die Schließung des Platzes ist noch nicht vom Tisch. Die bohrende Frage: Wer müsste am Ende die Entsorgung des tonnenschweren Bleis bezahlen? Jäger oder Stadt – oder gar beide?

Vertrag sollte nach zehn Jahren nicht verlängert werden

„Die Stadt hat den Vertrag mit der Kreisjägerschaft gekündigt, weil sich dieser sonst automatisch um zehn Jahre verlängert hätte“, sagt Möllns Bürgermeister Jan Wiegels. Damit wäre der Vertrag zum 30. September 2019 ausgelaufen. Die FDP hatte beantragt, den Pachtvertrag um ein Jahr zu verlängern, weil die Jägerschaft eine gesellschaftlich unverzichtbare Rolle erfülle. Die Grünen hatten gefordert, dass Lärm und Bodenbelastung geprüft werden sollen (zu den Anträgen). Der Pachtvertrag wurde schließlich um ein Jahr verlängert, um die offenen Fragen in Ruhe zu klären, erklärt Wiegels weiter. Dabei gehe es insbesondere um die Bodenbelastung durch die seit den 1930er Jahren verwendete Bleimunition und die Lärmemissionen, die nach Auffassung der Stadt dringend klärungs- beziehungsweise verbesserungsbedürftig seien. „Insbesondere das unmittelbar neben dem Schießstand liegende Hotel Waldhof auf Herrenland ist von den Lärm des Schießstandes massiv betroffen und spricht sich deshalb dafür aus, den Schießbetrieb an dieser Stelle einzustellen“, erklärt Wiegels.

Kann Kalk Abhilfe schaffen?

Ob, wie und zu welchen Kosten eine Entsorgung des Bodens vorgenommen werden kann ist eine der zu klärenden Fragen, sagte Bürgermeister Jan Wiegels. Etwa eine Kalkung des Bodens sei im Gespräch. Der Grundwasserflurabstand liege laut Kreisverwaltung auf dem Möllner Schießstand bei deutlich über zehn Metern Tiefe.In Kombination mit regelmäßigen Bodenuntersuchungen und gegebenenfalls Kalkungsmaßnahmen werde der pH-Wert des Bodens in einem Bereich gehalten, der das Lösungsvermögen von Schwermetallen wie Blei minimiere, heißt es.

Lärm als Problem für Hoteliers, Besucher und Touristen?

Der Umgang mit der Jägerschaft sei in vielen Jahre stets respektvoll gewesen und man habe bei den Schießzeiten auch Absprachen getroffen, berichtet Francesca Rosenberger, Inhaberin des Waldhotels auf LN-Anfrage. Im Hinblick auf die Entwicklung ihres Hotelbetriebes sei das heute aber nicht mehr zeitgemäß. Auf Dauer Vertrage sich der Hotelbetrieb nicht mit einen Schießstand in unmittelbarer Nähe. Ihre Meinung habe sie auch im betreffenden Forstausschuss kundgetan. Auch im übrigen Stadtgebiet sei der Lärm durch den Schießstand, je nach Windrichtung, mehr oder weniger deutlich zu hören, berichtet Jan Wiegels. Unter touristischen Gesichtspunkten sei dies kritisch zu betrachten. Die Kreisjägerschaft habe angeboten, bei einem Weiterbetrieb des Schießstandes erhebliche Investitionen in die Lärmreduzierung vornehmen zu wollen.

Tonnen giftigen Bleis im Wald auf 30 000 Quadratmetern

Doch der Lärm ist mich das einzige Problem. „Eine Kontamination des Bodens durch die bis heute verwendete Bleimunition liegt ohne Frage vor“, so Wiegels. Es gehe um mehrere Tonnen Blei, die dort auf einer Fläche von mindestens 30 000 Quadratmetern im Boden lägen. „Dem Fachdienst Abfall und Bodenschutz, der die Aufgaben des Landrates als untere Bodenschutzbehörde wahrnimmt, sind die an jedem Wurfscheibenschießstand üblichen und natürlich auch hier vorhandenen Bleibelastungen seit über 25 Jahren bekannt“, erklärt auch Karsten Steffen, Sprecher der Kreisverwaltung. Nach einem Betriebszeitraum von mehr als 60 Jahren befänden sich viele Tonnen (Megagramm) Bleischrot im betreffenden Niedergangsgebiet.

Der Grundwasserflurabstand liege auf dem Möllner Schießstand jedoch bei deutlich über zehn Metern Tiefe. „Eine akute Grundwassergefährdung ist zurzeit nicht gegeben. Es ist aber eine Dauerbeobachtung des pH-Wertes erforderlich, um sicher zu stellen, dass diese Beurteilung auch weiterhin zutrifft“, erklärte Steffen nach Informationen des Fachdienstes Bodenschutz.

Wer müsste eine Entsorgung finanzieren?

Wer bei einer möglichen Abwicklung eine Entsorgung zahlen müsse, ist zumindest nicht glasklar. Die untere Bodenschutzbehörde habe im Rahmen der Gefahrenabwehr immer ein Auswahlermessen, wer als Pflichtiger zu Sicherungs- und Sanierungsmaßnahmen herangezogen werden kann, so die Kreisverwaltung. Dabei gehe es um die Effizienz von Gefahrenabwehrmaßnahmen und nicht um Verschuldensfragen. Pflichtiger könne insofern immer der Verursacher als sogenannter Handlungsstörer oder auch der Grundstückseigentümer als sogenannter Zustandsstörer sein. Das sei in allen Verwaltungsgesetzen der Länder gleichermaßen grundsätzlich und im Bundesbodenschutzgesetz speziell so geregelt.

Ähnliche Diskussionen um mit Blei belastete Böden gab es auch im Jahre 2016 um einen Schießstand des Jagd- und Schießsportclubs Ratzeburg am Hundebusch in Ratzeburg (Die LN berichteten). Das Prekäre dort: Die Baugenehmigung für die Einrichtung war vor weit über 30 Jahren abgelehnt worden. Etwa Bundespolizisten sollen dort dennoch in ihrer Freizeit geschossen haben. Später wurde die Einrichtung geschlossen.

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Florian Grombein

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