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Lauenburg Landwirte fordern mehr Unterstützung durch Habeck
Lokales Lauenburg Landwirte fordern mehr Unterstützung durch Habeck
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09:37 29.07.2015
Der Seedorfer Landwirt Stephan Struve mit einem 20-Liter-Kanister Glyphosat, das für ihn ein wichtiger Bestandteil des Ackerbaus ist. Quelle: Strunk
Seedorf

Mit seiner Ankündigung, Gebühren auf Pflanzenschutzmitteln erheben zu wollen, macht sich der Kieler Umwelt- und Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) keine neuen Freunde bei den Bauern. Viele vermuten, er fahre eine PR-Offensive in eigener Sache, um seinen Wechsel in die Bundespolitik zu forcieren.

„Mittlerweile geht er jede Woche in die Medien. Zuerst waren es Pestizide im Grundwasser, schützenswerte Riffe vor Fehmarn, dann Nitratbelastung in Gewässern und jüngst die Ablehnung der direkten Agrarförderung. Man könnte meine, er will sich für Berlin ,hübsch‘ machen“, erklärt Stephan Struve, Seedorfer Landwirt und stellvertretender Kreisvorsitzender der CDU im Herzogtum Lauenburg.

„Keine Effekte auf die Einträge ins Grundwasser“ sieht Struve in Habecks Gebührenandrohung. Denn die meisten der jetzt festgestellten Mittel seien schon seit Jahren und Jahrzehnten aus dem Verkehr gezogen. Habecks Umweltministerium hatte Untersuchungsergebnisse präsentiert, wonach zwischen 2010 und 2014 an 144 von insgesamt 387 Grundwassermessstellen im Land (= 37 Prozent) Pestizide oder deren Abbauprodukte nachgewiesen wurden. Bei 66 dieser Messungen handelte es sich sogar um giftige Substanzen.

Er habe sich ausführlicher mit diesen Untersuchungen beschäftigt, erklärt Struve gegenüber den LN, und herausgefunden, dass es sich bei den nachgewiesenen Pflanzenschutzmitteln und deren Abbaustoffen zum Teil um Mittel handelt, die seit langem nicht mehr angewendet werden. Dass diese Mittel nun an einigen Messstellen registriert wurden, „das liegt an den Böden. Auf sandigen sickert das Oberflächenwasser und mit ihm eventuelle Schadstoffe schneller in den Grundwasserbereich, auf lehmigen Böden dauert es nicht selten zehn bis 20 Jahre“, erklärt Struve.

Schon lange sei bekannt, dass Herbizide — Spritzmittel zur Bekämpfung von Unkräutern wie Atrazin, das Rübenherbizid „Rebell“ oder Basagran — schädlich seien. Fast ebenso lange seien diese daher aus dem Verkehr gezogen.

Zudem habe Habeck nicht erwähnt, dass bei 63 Prozent der Wasserproben keine Mittel und bei 30 Prozent nur Mengen unterhalb des Grenzwertes von 0,1 Mikrogramm pro Liter gefunden wurden.

Was den Einsatz von Glyphosat betrifft — ein Kontaktherbizid, das ins Blattwerk eindringt und dadurch die (ungewollten) Pflanzen absterben lässt —, sei erhebliche Zurückhaltung bei den Landwirten zu beobachten. Lediglich eine der Messproben habe Glyphosat-Rückstände enthalten. Zudem sei dieses Mittel bekannt für seinen leichten und schnellen Abbau.

Ganz auf dieses Mittel könnten die Landwirte nicht verzichten, da es sehr wirksam sei — in der Vorbereitung der Flächen vor der Aussaat und in der Nachbearbeitung, wenn Ausfallgetreide und Unkraut auf den abgedroschenen Stoppelfeldern mit Glyphosat gespritzt wird. Im Schnitt würde Glyphosat nur einmal jährlich auf 60 bis 70 Prozent der Fläche angewendet. Dass Pflanzen bei häufiger Anwendung resistent würden, sei bislang nicht zu beobachten.

„In Schleswig-Holstein bearbeiten konventionelle landwirtschaftliche Betriebe 1,03 Millionen Hektar Nutzfläche, was einem Anteil von 96,7 Prozent gegenüber ökologischen Betrieben mit deren 37000 Hektar bearbeiteter Fläche entspricht“, sagt Struve und kommt auf Habecks Gebührendrohung zurück. „Ich erwarte, dass sich der zuständige Minister für diese Landwirtschaft einsetzt und nicht über Gebühren nachdenkt, die sie im internationalen Wettbewerb benachteiligt“, schimpft Struve.

Bienen-Schutz
Zum Schutz vor massenhaftem Bienensterben hat das Bundeslandwirtschaftsministerium jetzt eine Eilverordnung erlassen. Demnach ist der Handel mit und das Aussäen von Wintergetreide-Saatgut, das mit Pflanzenschutzmitteln „gebeizt“ wurde, ab sofort verboten.



Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU): „Mit der Verordnung schützen wir die Bienen vor insektizidhaltigem Staub. Das nützt sowohl den Bienen als wichtigem Teil der Natur als auch den Bauern, die auf die Bestäubung ihrer Pflanzen durch die Bienen angewiesen sind.“

Joachim Strunk