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Lauenburg Stiftung Tausendfüßler: Brücken bauen für benachteiligte Kinder
Lokales Lauenburg

Lauenburg Hilfe im Advent 2020: Spenden für Stiftung Tausendfüßler

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16:57 01.12.2020
Die Tausendfüßler Stiftung hatte 1992 ihren Ursprung. Dass alles rund läuft, dafür Sorgen Geschäftsführerin Anke Kehrmann-Panten, Marina Lorenz, Ulrike Feige, Helena Panten und Daniel Sandersen (v.l.). Quelle: Irene Burow
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Kaltenkirchen/Segeberg

Zeit für Marketing und Spenden sammeln? Da geht den „Tausendfüßlern“ schon mal die Puste aus. Denn die steckt sie lieber in Menschlichkeit. Es gibt auf so vielen Ebenen viel zu tun: Familien, Generationen, Projekte. Und Ideen schmieden. Darin sind sie gut. Obwohl all der Papierkram wichtig ist: Ein Kinderlachen ist hier eben erst mal mehr wert.

Im Kreis Segeberg strahlt das Wirken der Tausendfüßler Stiftung bereits in jeden Winkel aus. Dabei gelten die Mitstreiter als Exoten. Sie sind Macher, aber keine Mitmacher. Sie gehen den Weg, den sie für richtig halten, und das schon mal gegen Widerstände. „Wir sind schräg. Und das ist in Segeberg bekannt“, sagt die Geschäftsführerin Anke Kehrmann-Panten und lacht. Immer im Fokus dabei: Unterstützung für Kinder und Familien. „Wir nehmen in Kauf, dass es schwierig wird. Manchmal muss man eben mutig sein.“

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Das Familienzentrum in Kaltenkirchen haben Eltern der Bürgerinitiative einst mit viel eigenem, sogar körperlichem, Einsatz geplant und gebaut. Quelle: Irene Burow

Tausendfüßler sind Vorreiter für Familienzentren

Unkonventionell waren bereits die ersten Jahre. Die Stiftung basiert auf einer engagierten Elternschaft, die, weil es in Kaltenkirchen an Kindergartenplätzen mangelte, 1992 eine Bürgerinitiative gründete. Der Kindergarten kam, schnell wurde erweitert. Schulkinder wurden betreut und ein weiteres, ehrgeiziges Projekt hatten die Eltern im Sinn: ein Familienzentrum bauen. 1997 stand das Konzept, und fünf Jahre später im Krückauring das ganze Haus. Inklusive zweiter Kita.

Das Pilotprojekt „Brückenbauer“

Die Tausendfüßler haben eine neue Idee. Sie wollen Brückenbauer installieren. Dabei handelt es sich um einen neutralen Helfer, der Kinder sowohl in der Kita als auch in den ersten Schuljahren begleitet. Ein Heilpädagoge soll dafür in zwei Kitas der Stiftung tätig werden. „Es gibt unzählige Angebote in der Kita. Doch sobald die Schule beginnt, bricht alles weg“, erklärt Anke Kehrmann-Panten. Trotz Kooperationen der Bildungseinrichtungen führe der Übergang zu Brüchen bei der Begleitung von Kindern mit Förderbedarf. „Wir leben in einem extrem reichen Land mit unzähligen Studien. Und trotzdem haben einige Kinder keine Chance“, bedauert sie.

Das Pilotprojekt richtet sich an Eltern mit Kindern bis zehn Jahre, die Unterstützung brauchen. Der Lotse ist in den Kita-Gruppen dabei und bietet Hausbesuche an. Dabei vermittelt er gesundheitsfördernde Verhaltensweisen, zum Beispiel im Bezug auf Ernährung, Bewegung und sozialer Kompetenz. Er entlastet andere Pädagogen und stärkt die Eltern. Das Projekt ist zunächst für vier Jahre angelegt.

Im Schnitt sind der Stiftung rund 80 Familien mit schwierigen Verhältnissen bekannt. Die Finanzierung der Frühen Hilfen ist grundsätzlich herausfordernd. Einzelne Angebote werden von öffentlicher Seite nur teilfinanziert oder sind an Projektlaufzeiten gekoppelt. Für das Vorhaben „Brückenbauer“ sind im ersten Jahr rund 72 000 Euro veranschlagt. Rücklagen und Spenden decken bisher jedoch erst etwa die Hälfte ab, deshalb sind die Tausendfüßler auf weitere Spenden angewiesen.

„Nichts davon wurde uns geschenkt“, sagt Anke Kehrmann-Panten. Das Engagement sei eine Haltungsfrage gewesen. Und die sei bis heute geblieben. „Wir haben uns nicht abhalten lassen, sondern immer geschaut, wie wir ins Machen kommen. Unser Markenzeichen ist es, Hinderungsgründe auszuschließen.“ Und so erinnert sich der Vorstand, zu dem auch Ulrike Feige und Dagmar Dümmer gehören, noch lebhaft an eine skurrile Situation. Als Anfang der Nullerjahre Familienzentren flächendeckend zum Thema gemacht wurden, kamen auch in Schleswig-Holstein Träger sozialer Einrichtungen zusammen. Die Ideen platzten damals förmlich aus den Frauen heraus.

Vom Verein zur Stiftung mit 152 Mitarbeitern

Sie blickten dabei jedoch, so erzählen sie, in starre Gesichter der anderen. Die Erfahrenen fragten entgeistert: Und was ist mit der Fachlichkeit? Wie soll denn das finanziert werden? „Wir waren völlig naiv“, sagt Anke Kehrmann-Panten. „Das war schon eine Frechheit, was wir alles wollten. Aber man sieht sich wieder im Leben. Wir sind immer noch da.“

Die Tausendfüßler Stiftung ist Ansprechpartner für viele andere Initiativen, auch über den Kreis hinaus. Quelle: Irene Burow

An der bunten Historie des Vereins sieht man, dass es geht: Die Initiative zählte damals nicht nur zu den Vorreitern der Familienzentren – die anderen Trägern dazu bereitwillig Auskunft gab und gibt. Heute betreibt die Stiftung bürgerlichen Rechts eine ganze Reihe von Einrichtungen mit 152 Mitarbeitern. Vier Kitas gehören dazu, drei Horte, ein Jugendhaus, Gemeinschaftshaus und Familienzentrum. „Wir sind so dicht am Menschen wie die meisten nicht. Milliarden werden in diesem Land für Beratungsangebote ausgegeben. Das ist aber für viele nicht das Richtige“, sagt die Geschäftsführerin. „Und das hat uns immer umgetrieben.“

Der Name der Stiftung wurde von einem Laufverein abgekupfert, passt aber auch zu all den Füßchen, die begleitet werden. Quelle: Irene Burow

„Wir wollen mehr über Werte reden“

Inzwischen gibt es Angebote für Schwangere, junge Eltern, Senioren, Yoga für Erwachsene, Schulsozialarbeit oder Babykurse. 800 Kinder kommen pro Jahr an der Paracelsus-Klinik in Henstedt-Ulzburg zur Welt, 500 Familien erreicht die Stiftung bereits dort. „Andere Träger besuchen Schulungen, um zu erfahren, für welche Projekte es Geld und Fördertöpfe gibt“, sagt Ulrike Feige. „Wir schauen, wo die Bedürfnisse sind. Wir wollen mehr über Werte reden. Und manchmal ist es wichtig, darum zu ringen.“ Dabei gehe es nicht darum, größer zu werden. Sondern die Menschen in verschiedenen Lebensphasen zu begleiten. „Wir würden niemals sagen, wir sind nicht zuständig. Bei uns geht keiner verloren. Die Kommunen wissen, was sie an uns haben. Und das ist toll. “

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Ein Exot in der Stiftungslandschaft

Die Tausendfüßler sind in der Stiftungslandschaft besonders. Denn sie arbeiten nicht wie die meisten anderen mit einem großen Grundstock, aus dessen Erträgen Projekte finanziert werden. Sie arbeiten selbst für ihre Zwecke. Als 2015 aus dem Verein die Stiftung wurde, bestand das Vermögen aus 50 000 Euro sowie dem Grundstück samt Immobilie im Krückauring in Kaltenkirchen. Der Betrieb der Kindergärten wird zum Beispiel in Teilen von Kommunen und Kreis finanziert oder auch durch Elternbeiträge. Doch für die Familienzentren oder Angebote der Frühen Hilfen müssen andere Quellen gefunden werden.

Die Spendenaktion – „Hilfe im Advent“

Mit der Aktion „Hilfe im Advent sollen Menschen unterstützt werden, die für das soziale Miteinander unentgeltlich Großes leisten: die Ehrenamtlichen.

Die diesjährige Leser-Aktion der Lübecker Nachrichten lautet: „Hilfe im Advent – Mach Gemeinschaft zum Geschenk“. Mit Hilfe der Freiwilligenagentur ePunkt aus Lübeck stellen wir Menschen und Projekte vor, die sich uneigennützig im Verein, in der Nachbarschaft oder in anderen Bereichen für die Gemeinschaft stark machen. Der Verein ist mit vielen gemeinnützigen Einrichtungen in der Region eng vernetzt und ein Bürgerkraftwerk für soziales Engagement.

Wir bitten die Leser der Lübecker Nachrichten, helfen Sie mit Ihrer Spende das Ehrenamt zu stärken und damit vielen Menschen Hoffnung, Freude und Zuversicht zu schenken. Jeder Betrag – und sei er noch so klein – zählt.

Hier können Sie spenden:

Empfänger: ePunkt e.V. – Lauenburg IBAN: DE16 2305 2750 0081 6878 81 BIC: NOLADE21RZBBank: KreissparkasseHerzogtum LauenburgVerwendungszweck:

Spende Hilfe im Advent

Spendenbescheinigungen

Für Geldspenden bis zu 200 Euro reicht der Banknachweis als Beleg für Ihre Steuererklärung. Für alle Beträge darüber hinaus stellen wir selbstverständlich eine Spendenbescheinigung aus. Bitte geben Sie gegebenenfalls bei der Überweisung Ihren Namen und Ihre Adresse an, damit wir Ihnen die Spendenbescheinigung zusenden können.

Spenden sind total wichtig. Stiftung klingt immer nach Geld. Aber wir brauchen die Mittel, um erst mal einen Grundstein für ein Projekt zu legen“, sagt Anke Kehrmann-Panten. Gedacht wird dabei nachhaltig: Denn das Ziel ist es, hinterher die öffentliche Hand dafür zu gewinnen – so wie es bereits an anderer Stelle geklappt hat. „Aber wir müssen immer erst anfangen“, sagt sie – mit dem ganz neuen Projekt „Brückenbauer“ in den Startlöchern (siehe Infokasten).

Von Irene Burow