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Lauenburg „Sanitäre Anlagen in mangelhaftem Zustand“: Lauenburger Schüler kritisieren Verhältnisse für Abiturprüfungen
Lokales Lauenburg „Sanitäre Anlagen in mangelhaftem Zustand“: Lauenburger Schüler kritisieren Verhältnisse für Abiturprüfungen
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16:57 19.04.2020
Bennett Conrads und Zoe Blum sind Schüler der Albinus-Gemeinschaftsschule Lauenburg. Sie müssen jetzt aus dem Stand Abitur schreiben und beklagen eine massive Benachteiligung gegenüber Schülern anderer Bundesländer.
Bennett Conrads und Zoe Blum sind Schüler der Albinus-Gemeinschaftsschule Lauenburg. Sie müssen jetzt aus dem Stand Abitur schreiben und beklagen eine massive Benachteiligung gegenüber Schülern anderer Bundesländer. Quelle: hfr
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Lauenburg

In einem Offenen Brief an die Verantwortlichen im Kieler Bildungsministerium haben Nadine Kummerow, Bennett Conrads, Joel Czipull, Noah Offerman und Zoe Blum aus Lauenburg ihren Protest formuliert, den die LN hier dokumentieren:

„Wir sind Schüler der 13. Klasse der Albinus-Gemeinschaftsschule Lauenburg und haben große Sorgen bezüglich unserer Zukunft.

Im Laufe der letzten Wochen gab es für uns immer wieder unterschiedliche Informationen bezüglich unseres Abiturs. Mal hieß es, die Prüfung würde ausgesetzt werden, dann verschoben und jetzt soll es fast regulär stattfinden. Da die Petition und der offene Brief der Landesschülervertretung seitens der Politik links liegen gelassen wurde, gehen uns langsam die Optionen aus und unsere Hoffnung auf ein gutes Abitur verloren.

„Zukunftspläne und Existenzen gehen verloren“

Aus politischer Sicht mag es nur ein einzelner Abschlussjahrgang sein oder ein Signal, dass man jetzt so schnell alles umsetzten kann, doch für uns ist es viel mehr. Für viele von uns gehen damit Zukunftspläne und Existenzen verloren. Denn es wird am Ende natürlich viele Prüflinge geben, die das Abitur bestehen werden, doch zu welchem Preis? Die meisten werden aufgrund der langen Pause vom 13.03.2020 bis zur ersten Prüfung am 21.04.2020 kaum noch so vorbereitet sein, wie es bei einem normalen Verlauf gewesen wäre. Sicherlich wird dann von vielen das Argument kommen, dass wir uns genauso gut oder sogar noch besser hätten zuhause über diesen langen Zeitraum vorbereiten können, aber dem ist nicht so. In kaum einem Haushalt sind tatsächlich optimale Lernbedingungen gegeben. Die meisten haben Geschwister, die lärmen oder beaufsichtigt werden müssen. Den kleinen Geschwistern ein oder zwei Wochen vor den Prüfungen zu erklären, dass sie doch bitte ruhiger sein müssen ist sicherlich möglich, doch über einen Zeitraum von etwa fünf Wochen ist das eine unlösbare Aufgabe.

„In vielen Familien fehlen Voraussetzungen für E-Learning“

Zusätzlich hat auch nicht jeder Haushalt die nötigen Voraussetzungen wie beispielsweise einen Breitbandanschluss, worüber die digitalen Klassenräume erreicht werden können. Da momentan auch viele Elternteile Homeoffice betreiben und zum Teil nur ein PC oder ähnliches zur Verfügung steht, ist die Lage noch weiter zugespitzt.

Des Weiteren wird in den Medien und der Politik immer wieder betont, wie hoch der Druck sei, der auf der Bevölkerung und den einzelnen Personen lastet. Dabei stellt sich uns die Frage, wieso sollte es bei uns anders sein? Auch wir als Schüler machen uns Sorgen und Gedanken um die aktuelle Situation. Teilweise herrscht auch bei uns eine große Angst vor dem Virus. Da die Situation allgemein sehr belastend ist und viele Familien momentan größere existenzielle Sorgen haben als anstehende Prüfungen, fällt es Schülern nicht leicht sich auf die Prüfungen vorzubereiten. Einige Eltern haben kurzzeitig ihre Arbeit verloren oder sind beruflich im Ungewissen, wodurch ein erweiterter Druck vorherrscht.

Der auch auf uns lastende hohe Druck beschränkt das Aufnahmevermögen und macht es komplizierter sich tatsächlich auf anstehende Prüfungen vorzubereiten. Zusätzlich belastend, wie seitens der Medien bereits festgestellt, sind die häuslichen Situationen. Durch die Eingrenzungen des allgemeinen Lebens herrschen auch dort große Spannungen untereinander, welche sich auch auf das Lernverhalten des Einzelnen stark auswirken können.

„Der Austausch unter den Schülern fehlt“

Abgesehen von der Situation zuhause fehlt auch ganz klar der gemeinsame Austausch. Im Klassenverbund zu lernen ist wichtig, da so zwischen 20 und 30 Schüler versuchen die verschiedenen Aufgaben zu lösen. Damit sind auch viele verschiedene Lösungsansätze gegeben, die zu einer Vielzahl von Fragen führen, die beim Individuellen Lernen nicht aufkommen können. In der Zeit der Prüfungsvorbereitung ist dies äußerst wichtig und wertvoll. Des Weiteren fehlen auch Anregungen und Denkanstöße, welche im Unterricht von den Lehrern gegeben werden. Denn auch wenn Materialien über „Schulcommsy“ bereitgestellt wurden, ist dies nicht annähernd mit zwei Wochen Unterricht gleichzusetzen.

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„Von Chancengleichheit auf Bundesebene ist nichts zu merken“

Die letzten Wochen wurde immer wieder von der „Chancengleichheit” und einem „bundeseinheitlichen” Abitur gesprochen, doch davon merkt man momentan nichts. Wie kann es sein, dass die einige Bundesländer unverzüglich ihre Abiturprüfungen abhandeln müssen, andere wiederum ihre Prüfungen sinnvoller Weise nach hinten verschieben, um den Prüflingen mehr Zeit zur Vorbereitung (auch im Rahmen des Unterrichts) zu geben. Das hat für uns nichts mit einer einheitlichen oder gerechten Lösung zu tun!

„Sanitäre Anlagen sind in mangelhaftem Zustand“

Zusätzlich wird auf gesundheitlicher Ebene auf Schüler aus Risikogruppen geachtet, diese dürfen gesondert in anderen Räumen schreiben. Allerdings wird dabei vergessen, dass einige Eltern der Prüflinge auch gefährdet sein könnten. Für diese Schüler ist kein gesonderter Prüfungsablauf vorgesehen. Somit besteht nicht nur ein erhöhtes Risiko für die Prüflinge, sondern auch für Familien, wodurch die Infektionskette stark ausgeweitet wird. Um auf der gesundheitlichen Ebene zu verweilen kann auf die Hygiene Maßnahmen verwiesen werden. Hierbei ist zum einen anzumerken, dass trotz der unglaublichen Bemühungen der Schulen und Lehrer, an einigen Einrichtungen die sanitären Anlagen, wie Toilettenräume, in einem mangelhaften Zustand sind. So sollen unter anderem unterschiedliche Räume für verschiedene Schüler verwendet werden, jedoch sind nicht alle Toilettenräume gleich ausgestattet. Des Weiteren fehlt der Zugang zu möglichen Schutzmaßnahmen. So besteht beispielsweise keine Möglichkeit Mundschutz oder Handschuhe zu erwerben, welche auch nicht von den Schulen gestellt werden können.

„Wir fühlen uns von der Politik alleine gelassen“

Letztlich fühlen wir uns von der Politik allein gelassen. Ständig wechselnde Informationen, dann kurzfristige Entscheidungen und ein Gefühl der Unsicherheit für viele Schüler. Wie sollen wir als Schüler rechtzeitig aktiv werden, um uns an Politik oder Medien zu wenden, wenn solch wichtige Entscheidungen so kurzfristig getroffen werden? Zusätzlich hat die Politik in dem gesamten Zeitraum kein Forum auf Augenhöhe geboten, was es noch schwerer gemacht hat die politischen Entscheidungen nachzuvollziehen.

„Eine Verschiebung der Prüfungen wäre richtig“

Wir plädieren für eine Verschiebung der Prüfungen, wie es in anderen Bundesländern bereits der Fall ist. So hätten auch wir die Möglichkeit uns im Rahmen des freiwilligen Unterrichts mit Lehrern und Schülern vernünftig und mit den gleichen Chancen, wie sie Schüler in anderen Bundesländern haben, auf das Abitur vorzubereiten. Dadurch könnten wir mit einem guten Gefühl in die Prüfungen gehen.

Abschließend möchten wir darauf hinweisen, dass dies nicht gegen unsere Schule, sondern ausschließlich gegen die politischen Entscheidungsträger, beziehungsweise die politischen Entscheidungen gerichtet ist.

Die Abitur-Termine aller Länder finden Sie hier: Abitur 2020: Prüfungstermine aller Bundesländer im Überblick

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Von ln