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Lauenburg Lauenburgs Wehr will mehr Brandschutz
Lokales Lauenburg Lauenburgs Wehr will mehr Brandschutz
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19:26 27.01.2020
Lars Heuer (links) ist der Chef der Lauenburger Feuerwehr, Dennis Lühr sein Stellvertreter. Beide fordern dringend Verbesserungen für die Bedingungen, unter denen sich die ehrenamtlichen Retter engagieren. Quelle: TIMO JANN
Lauenburg

Deutliche Ansage von Lauenburgs Feuerwehrchef Lars Heuer an Politik und Verwaltung, dringend etwas zu tun: Heuer zählte bei der Mitgliederversammlung zahlreiche Missstände auf, die die Sicherheit im Katastrophenschutzzentrum (K-Zentrum) an der Reeperbahn beeinträchtigen. Der Wehrführer ließ das Licht im Saal ausschalten und berichtete dann, wie es im Keller wegen einer mangelhaften Elektroversorgung zu einem Brand kommen würde, dass sich der Rauch aufgrund fehlender Brandschutztüren bis ins Obergeschoss ausbreiten würde und dort die Menschen orientierungslos seien, weil Fluchtwegbeschilderungen und Panikschlösser an Türen fehlten.

Politik ist das Problem bekannt

„Das K-Zentrum ist unser größtes Problem“, sagte Heuer und richtete einen dringenden Appell an die Verwaltungsspitze, die in Person von Bürgermeister Andreas Thiede und Amtsleiter Reinhard Nieberg anwesend war. Aber auch an Christian Stockfisch (CDU), Martin Scharnweber (SPD) und Thorsten Pollfuß (Grüne), der direkt nach den Grußworten verschwand, gerichtet mahnte Heuer zur Eile. „Die Problematik ist uns bewusst“, so Scharnweber. „Es ist bekannt, dass hier etwas getan werden muss“, sagte Stockfisch. Der Vertreter der Grünen sagte gar nichts und Thiede führte aus, dass er auch jeden Tag zur Arbeit gehe und die Feuerwehr baulich nicht das einzige Problem wäre. „Es wird gemacht, was am notwendigsten ist, erklärte Thiede.

Neue Anzüge im Test

Einige Feuerwehrleute aus Lauenburg erscheinen derzeit in anderer Optik an den Einsatzorten und zur Ausbildung. „Wir testen aktuell moderne Schutzbekleidung. So wollen wir herausfinden, welche Hosen und Jacken für unsere Anforderungen besonders gut geeignet sind“, erklärte Wehrführer Lars Heuer

Tragen die Retterderzeit eigentlich dunkelblaue Schutzanzüge, fallen die modernen Varianten mit roter Farbe deutlich besser ins Auge. Getestet werden zwei Modelle der Hersteller S-Gard und Texport. Eine Arbeitsgruppe hatte diese beiden Modelle aus einer Vielzahl von Angeboten ausgewählt. S-Gard tragen auch die Feuerwehrleute in Geesthacht, Schwarzenbek und Ratzeburg, auf Texport setzt beispielsweise die Feuerwehr Norderstedt.

160 000 Euro sind im städtischen Haushalt für die Beschaffungneuer Schutzkleidung vorgesehen. Angedacht ist in dem Zusammenhang, dass die vorhandene Schutzkleidung, die noch gut ist, als Poolkleidung behalten werden soll. Die können dann Einsatzkräfte tragen, wenn ihre eigenen Sachen gereinigt werden müssen und in der Zeit weitere Einsätze anstehen. Moderne Anzüge verfügen über spezielle Membranen im Aufbau, die beispielsweise heißen Wasserdampf stoppen und so Verbrühungen der Retter verhindern sollen. tja

Timo Naujoks (links) in einem Anzug von S-Gard und Bendix Bollhorn in einem Anzug von Texport gehören zu den Lauenburger Feuerwehrleuten, die derzeit neue Schutzkleidung testen. Quelle: Timo Jann

Doch die Feuerwehrunfallkasse als Versicherung der Feuerwehr, deren adäquate Ausstattung eine Pflichtaufgabe der Stadt ist, könnte wegen der vielen Sicherheitsrisiken schon bald mit der Stilllegung des Betriebs im K-Zentrum drohen. Denn es fehlt auch an Absauganlagen für Auspuffgase und geeigneten Umkleideräumen. Auch eine Trennung schwarzer und weißer Bereiche, wo zwischen sauberen, privaten und verdreckten, dienstlichen Kleidungsstücken unterscheiden wird, gibt es nicht. Alles Dinge, die längst nicht mehr zeitgemäß sind. „Mit der Entstehung eines Brandes ist jederzeit zu rechnen, und dann“, mahnte Heuer.

Masterplan gibt es seit zwei Jahren

Die Politik hatte bereits vor zwei Jahren einen „Masterplan“ für das K-Zentrum beschlossen. Dort sind neben der Feuerwehr auch das Technische Hilfswerk und das Deutsche Rote Kreuz untergebracht. Ein Garagentrakt für die Feuerwehr wurde bereits angebaut, dennoch recht der Raum nicht aus. Der „Masterplan“ soll nun Lösungen aufzeigen, ob ein Umbau oder ein Neubau die beste Lösung für die Zukunft wäre. Doch konkrete Ergebnisse lassen auf sich warten. Und bei den ehrenamtlichen Rettern der Stadt wächst der Frust über die Bedingungen, unter denen sie sich engagieren müssen.

Aufwandsentschädigung für Feuerwehrleute?

Dazu zählt auch, dass sie quasi noch Geld für ihr Ehrenamt mitbringen müssen. Fahrtkosten bei Einsätzen und Übungen zum Gerätehaus, private Kleidung, die während der Einsätze leidet und weitere Dinge. Landesbrandmeister Frank Homrich hatte gerade eine Aufwandsentschädigung für Feuerwehrleute ins Spiel gebracht und dabei angeregt, sich an Entschädigungen ehrenamtlicher Politiker zu orientieren, die beispielsweise Sitzungsgeld erhalten. Eine Kerbe, in die auch Heuer schlägt. „Wir wollen uns unser Ehrenamt nicht bezahlen lassen, aber eine Entschädigung wurde dazu dienen, die Kosten der Mitglieder auszugleichen“, sagte der Wehrführer. Kreisweit zahlt bisher nur die Stadt Geesthacht ihren Feuerwehrleuten vier Euro pro absolviertem Einsatz. Thiede kündigte an, dass die Stadt hier keine Einzellösung anstrebe, er wünscht sich eine gemeinsame Lösung und sprach von „mehreren Optionen“. „Dann wird das ja nie was“, ging ein Raunen durch die Reihen.

Im Jahr 2019 absolvierten Lauenburgs Feuerwehrleute 153 Einsätze. Dabei retteten sie 50 Menschen aus Notlagen.

Ehrungen

Zahlreiche Feuerwehrleutewurden während der Versammlung geehrt und befördert. Unter anderem Thomas Hampicke und Jan-Hendrick Junge. Sie erhielten für 25-jährigen aktiven Dienst das Brandschutzehrenzeichen in Silber.Die Auszeichnung in Goldfür 40 Jahre ging an Peter Krosta und Wolfgang Vogt. Zu Löschmeistern wurden Jessica Schmidt, Dominic Gutsch und Lars Nörenberg befördert.

Von Timo Jann

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