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Lauenburg Lob für Atomaufsicht von Atomkraft-Gegnern
Lokales Lauenburg Lob für Atomaufsicht von Atomkraft-Gegnern
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18:29 13.12.2018
Das Kernkraftwerk Krümmel soll abgerissen werden. Doch das ist ein langer Weg. Quelle: Timo Jann
Krümmel/Reinbek

Zwei Tage lang wurde im Reinbeker Sachsenwaldforum hoch konzentriert diskutiert. Nun ist die Erörterung zum Rückbau des Kernkraftwerkes Krümmel beendet. Es war die letzte Chance der Bürger, auf das Genehmigungsverfahren Einfluss zu nehmen. Dennoch sind die Kritiker zufrieden.

Der zweite Tag der Erörterung zum Rückbau des Kernkraftwerkes Krümmel. Quelle: E-Mail-LN-Lauenburg

„Ich habe am Ablauf keine Kritik. Wir konnten unsere Einwendungen so breit darstellen, wie wir wollten“, sagt Dr. Bernd Redecker. Redecker war als einer der Vertreter des Lüneburger Aktionsbündnisses gegen Atomkraft (LagAtom) einer der Hauptredner der Einwender. Sein Bündnis hatte auch im Beteiligungsverfahren eine Mustereinwendung erstellt, die viele der Kritiker für ihre Stellungnahmen genutzt hatten.

Abwarten wie die Genehmigung aussieht

Ausdrückliches Lob gab es von Redecker für die Genehmigungsbehörde, die Abteilung für Strahlenschutz und Reaktorsicherheit im Kieler Energiewendeministerium, mit ihrem Leiter Prof. Dr. Jan Backmann. „Es war eine super Gesprächsführung“, sagt Redecker. Natürlich sei im Vorfeld schon klar gewesen, dass im Zuge der Erörterung keine Entscheidungen fallen werden. Aber die Genehmigungsbehörde habe an mehreren Stellen deutlich gemacht, dass sie unsere Kritik teilt. Das gelte unter anderem für die geforderte zeitlich befristete Genehmigung für den Betrieb des Lagers für schwach- und mittelradioaktiven Abfall am Zwischenlager (LasmAaZ).

Der zweite Tag der Erörterung zum Rückbau des Kernkraftwerkes Krümmel. Quelle: E-Mail-LN-Lauenburg

„Aber sogar Vattenfall hat an der einen oder anderen Stelle etwas zurückgenommen, was sie ursprünglich beantragt hatten“, sagt Redecker. „Jetzt müssen wir sehen, wie die Genehmigung am Ende aussieht.“ Bis es so weit ist, werden aber noch etwa eineinhalb Jahre vergehen.

800 Tonnen Atomschrott in die USA

Auch Atomkraftgegnerin Bettina Boll ist zufrieden. „Im Vergleich zu den damaligen Erörterungen zum Bau des Standortzwischenlagers war das ein Unterschied wie Tag und Nacht“, sagt Boll vor allem bezogen auf den Stil der gesamten Diskussion. „Letztlich vertraue ich auch den Mitarbeitern von Vattenfall, dass sie ihre Arbeit gut machen werden. Schließlich wohnen viele von ihnen doch selbst mit ihren Familien selbst in der Nähe.“

Sorgen bereitet ihr allerdings, dass etwa 800 Tonnen verstrahlter Stahlschrott, zum Teil vom Reaktordruckbehälter in die USA transportiert und dort eingeschmolzen werden sollen. „Das liegt mir echt auf dem Magen. Hier wird unser Atommüll zum Wertstoff erklärt und kann einfach exportiert werden“, sagt Boll. Aber offenbar gelte die Abfallhierachie auch für den Atommüll.

Nicht alles „überzeugt auf den ersten Blick“

Dr. Ingo Neuhaus, technischer Geschäftsführer der Vattenfall Europe Nuclear Energy, zeigte sich nach der Anhörung ebenfalls zufrieden. „Es war eine sehr sachliche und konstruktive Anhörung. Alle Seiten konnten ihre Standpunkte erläutern“, sagt Neuhaus und kündigt an: „Wir wollen auch nach diesem Erörterungstermin den konstruktiven Dialog mit unseren Nachbarn fortsetzen.“

In den kommenden Monaten wird die Kieler Atomaufsicht nun die Unterlagen von Vattenfall zum Rückbauantrag detailliert prüfen. Dazu gehört auch die Prüfung, in wieweit Einwendungen der Bürger zu Nachforderungen oder sogar zu Änderungen der Abbauverfahren oder Auflagen führen. Denn der Atomkonzern muss nun jede einzelne Behauptung in seinem Sicherheitsbericht mit Belegen „hinterfüttern“. Schon im Vorfeld hatte Backmann angekündigt, dass nicht alles, was Vattenfall so vorgelegt habe, „auf den ersten Blick“ überzeuge.

Atomrechtlicher Rückbau dauert bis zu 15 Jahre

Wie lange dieses Verfahren nach dem Erörterungstermin bis zur Rückbaugenehmigung noch dauern wird, stehe noch nicht fest. Bei Brunsbüttel waren es dreieinhalb Jahre. „Aber Vattenfall hat aus dem Verfahren natürlich gelernt und kann jetzt auf entsprechende Erfahrungen zurückgreifen“, sagt Backmann. Daher könne man sich durch aus vorstellen, dass bei Krümmel nun alles etwas schneller gehe.

Für den Rückbau des Kraftwerkes bis zur normalen Bauruine sind zehn bis 15 Jahre veranschlagt. Dann wird das Rest-Kraftwerk aus der Verantwortung des Atomgesetzes entlassen – und der eigentliche Abriss kann beginnen.

Holger Marohn

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