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Lauenburg Lockströmung für Fische könnte Geesthachter Stauwehr geschädigt haben
Lokales Lauenburg Lockströmung für Fische könnte Geesthachter Stauwehr geschädigt haben
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12:53 06.08.2019
Ursachenforschung und Sicherung am Stauwehr. Quelle: TIMO JANN
Geesthacht

Hat die Lockströmung der Fischtreppe zu dem massiven Abrutsch am Stauwehr geführt? Davon gehen die Experten der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) und der Bundesanstalt für Wasserbau (BAW) derzeit aus. „Das war kein kurzzeitiges Versagen des Dammes, das muss sich langsam entwickelt haben“, erklärte Stefan Lühr, Ingenieur beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) in Lauenburg.

Er plant aktuell eigentlich die Sanierung des Stauwehrs und hatte die massiven Schäden am Freitag bei einem Ortstermin zufällig entdeckt. Und das wohl auch nur, weil gerade Ebbe herrschte. Bei Flut im Tidebereich hätte er die gefährlichen Risse und Absackungen nicht sehen können.

Vier dieser Rinnen, die Lockströmung für die Fischtreppe auslösen, könnten den Schaden am Stauwehr ausgelöst haben, heißt es. Quelle: TIMO JANN

Vier Rinnen könnten Schaden verursacht haben

Die Fischtreppe gilt in Europa als größte Fischaufstiegsanlage ihrer Art. 2010 wurde das vom Energiekonzern Vattenfall als Kompensation von ökologischen Eingriffen in die Elbe durch den Bau des Kohlekraftwerkes in Hamburg-Moorburg errichtete Bauwerk in Betrieb genommen. Die Fischtreppe befindet sich am nördlichen Ufer der Elbe und kreuzt den so genannten festen Überlauf des Wehres.

Damit Fische, die in ihre Laichgebiete elbaufwärts wandern, das Stauwehr überwinden können, war die Aufstiegshilfe nötig. Und damit Fische den Eingang in die Treppe finden, wurden durch den Überlauf vier Rinnen angelegt. Dadurch fließt Wasser elbabwärts und lockt mit seiner Strömung Fische an. Lühr: „Wahrscheinlich hat dieses Wasser den Boden ausgespült.“ So bildete sich ein Kolk, wie die Experten Ausspülungen bezeichnen. Schließlich hielt das Deckwerk nicht mehr und rutschte auf etwa 300 Quadratmetern ab.

Ursachenforschung und Sicherung am Stauwehr. Von einem Arbeitsschiff aus werden Wasserbausteine zur Ufersicherung ausgebracht. Quelle: TIMO JANN

Rinnen verschlossen

Nachdem am Freitagabend aus der Notsituation heraus die Absenkung des Pegels der Oberelbe eingeleitet wurde um den Damm von Wasserdruck zu entlasten, wurden am Sonnabend auch die Zuläufe der vier Rinnen für die Lockströmung mit Bohlen, Planen und Sandsäcken verschlossen. Unklar ist aktuell, was das für den Weiterbetrieb der Fischtreppe bedeutet. Die Rinnen sind mittlerweile komplett mit Kies verfüllt.

Ursachenforschung und Sicherung am Stauwehr. Noch immer wird Kies rangeschafft, um den neuen Damm profilieren zu können. Quelle: TIMO JANN

Vermessungsschiff im Einsatz

Am Dienstag gingen die Sicherungsarbeiten am Damm ungemindert weiter. Noch immer wurde per Radlader Kies rangeschafft und eine neue Dammböschung profiliert. Ein Vermessungsschiff des WSA prüfte die Wassertiefe unterhalb des festen Überlaufs auf mögliche Ablagerungen, die sich dort durch das Abrutschen des Dammes gebildet haben könnten. Auch an Land werden Messpunkte gesetzt, um mögliche Erdbewegungen erkennen zu können.

Ursachenforschung und Sicherung am Stauwehr. Weiterhin sind Experten mit der Sicherung beschäftigt. Quelle: TIMO JANN

„Wie es dann weitergeht, müssen wir sehen“

Lühr ging am Dienstag davon aus, dass ab Mittwochmittag wohl das Aufstauen der Oberelbe wieder beginnen kann. Zunächst von aktuell 3,80 auf 3,90 Meter. Dieses Aufstauen der bis Lauenburg reichenden „Wanne“ werde laut Lühr einen Tag dauern. „Wie es dann weitergeht, müssen wir sehen, aber über vier Meter wird wohl nach dieser Havarie niemand mehr das Aufstauen verantworten“, sagte er.

Zuletzt stand die Elbe bei 4,20 Metern, um der Schifffahrt trotz Niedrigwassers des Flusses gute Bedingungen zu ermöglichen. Wenn das Schiffshebewerk in Scharnebeck dann möglicherweise Donnerstag oder Freitag wieder seinen Betrieb aufnehmen kann, wird es dauern, ehe alle dort festsitzenden Frachter wieder weiterfahren können und der Schiffs-Stau abgebaut ist.

Das Vermessungsschiff Kugelbake sondiert den Bereich unterhalb des Stauwehrs, um mögliche Ablagerungen erkennen zu können. Quelle: TIMO JANN

Von Timo Jann

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