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Lauenburg Marc Fiebig geht: „21 Jahre Kino haben mich geprägt“
Lokales Lauenburg Marc Fiebig geht: „21 Jahre Kino haben mich geprägt“
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19:04 25.09.2019
Dr. med. Marc Fiebig udn seine Ehefrau Josephine. Quelle: HFR
Mölln

„Liebe Freunde, liebe Partner, liebe Unterstützer des Kino in Mölln, vor einigen Monaten stand ich auf der Bühne des Augustinums und habe unserem zahlreich erschienenen Publikum wie üblich die kommenden Filme im Kino in Mölln angekündigt. Als ich mich im Anschluss daran für die bis dahin erfolgreichste Spielzeit in inzwischen 21 Jahren Kino bedankte, traf mich eine Erkenntnis wie der Schlag und ich sprach sie, völlig ungeplant, auch laut aus: „Die Anzahl der Jahre, in denen ich bereits Kino mache, ist inzwischen größer als die Anzahl derer, in denen ich es nicht mache.“

Erlebnisse im Kino reichen für mehrere Drehbücher

Das Publikum beantwortete diese tatsächlich spontane und vielleicht etwas zu persönliche Äußerung mit langem Applaus. Auch ich war zunächst sehr beschwingt und fröhlich. Aber die Erkenntnis hat seit jenem Abend in mir gearbeitet. Wenn ich zurückblicke auf 21 Jahre Kino, dann schaue ich auf Thriller, Drama und Komödie - und zwar vor allem hinter der Leinwand. Denn was ich in all der Zeit mit meinen Freunden Torben Schiller und Martin Turowski, mit meinem Mentor Eduard Wehmeier, mit der Kulturreferentin des Augustinums Frau Dr. Bansbach und in den letzten Jahren auch mit meiner kinobegeisterten Ehefrau Josephine erlebt habe, reicht für mehrere packende Drehbücher.

Und jedes davon würde von einem Produzenten abgelehnt, weil der Inhalt zu unwahrscheinlich, zu grotesk und zugleich mit viel zu vielen Happy Ends daher käme. 21 Jahre Kino haben mich geprägt. Ohne den spontan ergriffenen Schüler-Job als Kartenabreißer im Burghteater, ohne den wilden Ritt, der seitdem meinen Alltag bestimmte mit Investoren-Eklat im Burgtheater, Notvorführungen im Kleinen Kellertheater, Kino in Mölln, Open-Air-Kino, Doku-Dienstagen, brennenden Projektoren, gerissenen Leinwänden, Stromausfällen, Digitalisierung, Programmpreisen und unzähligen weiteren spannenden Episoden wäre mein Leben ein anderes gewesen. Ich wäre ein anderer gewesen.

Neben dem Kino Medizin studiert

Dass ich in dieser Zeit mit meinem Mitstreiter Torben Schiller „nebenher“ noch ein Medizinstudium bewerkstelligen konnte gehört zu den unwahrscheinlichen Details des Drehbuchs. Ebenso wie die Geschichte, in der wir - das sichere Aus vor Augen - mit der Hilfe von Privat- und Firmenspenden, Stiftungs- und Fördermitteln, sowie Unterstützung von Stadt, Kreis, Land und Bund den rettenden sechsstelligen Betrag aufbrachten, um das Kino in Mölln zu digitalisieren und zugleich das modernste Freiluftkino Deutschlands zu schaffen.

Wir alle sind in dieser Zeit noch weiter zusammen gewachsen. Eduard Wehmeier, „Edu“, hat in all der Zeit immer wieder das Kunststück vollbracht uns zu elektrisieren und gleichzeitig zu erden. Ich glaube nicht, dass diese ganze Geschichte der, wie er sie nannte, „Lauenburgischen Filmkultur“, ohne ihn möglich gewesen wäre. Nach der Freiluftkino-Rekordsaison 2016 saßen wir mit Edu in seinem Garten zusammen. Er hatte für uns gekocht und ließ in einem seiner berühmten Monologe die für alle sehr bewegende Saison mit all ihren Herausforderungen, Widrigkeiten und Überraschungen Revue passieren. Er traf mit seinen Worten einen Nerv bei allen Anwesenden und hatte zum Schluss, für ihn völlig unüblich, eine Träne im Auge. Er schloss mit den Worten „Wir haben hier etwas ganz besonderes geschaffen“.

„Kino auf dem Höhepunkt. Mehr geht nicht“

Zwei Wochen später hatten wir die Nachricht von Edus plötzlichem Tod erhalten. Auch deswegen wirkt diese Garten-Szene bis heute bei mir nach. Wir hatten wirklich Außergewöhnliches geschafft in all den gemeinsamen Jahren. Aber ich merke inzwischen auch: mehr geht nicht. Das Kino in Mölln ist auf dem Höhepunkt seines Erfolgs, das Burgtheater gewinnt reihenweise Programmpreise, das Freiluftkino ist eine norddeutsche Kulturinstitution und der Ratzeburger Filmclub ist mittlerweile der mitgliederstärkste Verein seiner Art in ganz Deutschland. Ich selbst gehe nun mit Dankbarkeit dafür, dass ich an dieser Geschichte mitschreiben durfte und dass ich immer Menschen um mich hatte, die den Mut hatten, die absurdesten Einfälle mit mir umzusetzen.

Meine Idee, mit einem mobilen Kino durch die schönsten Orte der Schaalsee-Region zu touren, wäre ohne Persönlichkeiten wie den Lösungs-Finder Martin Turowski, den Dicke-Bretter-Bohrer Eduard Wehmeier und den Kino-Alleswisser Torben Schiller wohl nie Wirklichkeit geworden. Ich bin dankbar, dass meine Mitstreiter mich bei ungewöhnlichen Einfällen wie dem „Doku-Dienstag“ stets bestärkt haben und dass ich die Möglichkeit hatte, mich auch kreativ stets ausleben zu dürfen, wie z.B. bei dem inzwischen ikonischen Freiluftkino-Logo mit Sonnenuntergang, Möwe und Windrad.

Abschied von Belastung aus zwei Vollzeitjobs

Mein Entschluss, die Kinobranche zu verlassen, ist mir sehr schwer gefallen. Aber nach 21 Jahren ist er richtig und notwendig. Ich habe stets alles in meinem Leben hundertprozentig gemacht. Die Doppelbelastung aus zwei Vollzeitjobs hat mir in den letzten Jahren gezeigt, dass 200% für weitere 21 Jahre sicher nicht durchzuhalten sind. Ganz zu schweigen davon, dass ich auch meiner Familie damit irgendwann nicht mehr gerecht werden würde. Die Geschichte des Kino in Mölln und der Lauenburgische Filmkultur wird fortgeführt werden. Und ich werde stets dankbar auf die Rolle zurückblicken, die ich darin spielen durfte. Ich möchte mich bei Ihnen allen für die jahrelange Unterstützung bedanken, ohne die all dies nicht möglich gewesen wäre. Daher heißt es nun ein letztes Mal für mich an euch ,Viele Grüße aus dem Kino’.“

Von Marc Fiebig

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