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Lauenburg „Managerin“ des Handwerks geht von Bord
Lokales Lauenburg „Managerin“ des Handwerks geht von Bord
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17:17 26.12.2018
Marion Fuchs geht nach 20 Jahren Geschäftsführertätigkeit für die Kreishandwerkerschaft Herzogtum Lauenburg zum Jahresende 2018 in den Ruhestand. Quelle: Matthias Wiemer
Ratzeburg

Sie verkörpert die starke Frau an der Spitze einer Gemeinschaft von meist ziemlich kräftigen Männer: Marion Fuchs verlässt die Brücke der Kreishandwerkerschaft Herzogtum Lauenburg mit ihren elf Innungen und gibt mit ihrem Eintritt in den Ruhestand das Amt der Geschäftsführerin in die Hände ihrer Nachfolgerin Susanne Bendtfeld. Ein Leben mit dem und für das Handwerk – Marion Fuchs, wenige Tage vor ihrem Ausscheiden im LN-Interview.

LN: Nach 29 Jahren Arbeit in der Kreishandwerkerschaft Herzogtum Lauenburg, 20 davon als Geschäftsführerin, räumen Sie zum Jahreswechsel Ihren Schreibtisch. 20 Jahre Chefin von gestandenen „Handwerksburschen“ – wie haben Sie das geschafft?

Marion Fuchs: Eigentlich bin ich ja nicht Chefin der Handwerker, sondern vielmehr Ansprechpartnerin für alle Belange und Fragen der Mitglieder unserer Innungen, die sich aus der täglichen betrieblichen Praxis ergeben. Mit der Unterstützung unseres Teams auf der Geschäftsstelle hat mir die Erfüllung dieser Aufgaben immer viel Freude bereitet, und die Jahre sind wie im Flug vergangen. Ich habe irgendwie immer Handwerk im Kopf bei den Dingen, mit denen ich mich beschäftige.

Gab es nicht auch Momente, in denen Sie vielleicht als Frau Skepsis oder gar Ablehnung spürten?

Nein, ich habe nie so etwas erfahren. Sowohl vom Ehrenamt als auch aus dem Mitglieder- oder Kollegenkreis wurde mir nicht das Gefühl vermittelt, nicht auf Augenhöhe zu sein.

Was muss eine Frau als Geschäftsführerin mitbringen, um sich in einer Männerwelt wie der des Handwerks zu behaupten?

Für mich ist das nicht schwierig. Die sogenannte „Männerwelt“ im Handwerk hat sich ja auch schon gewandelt. Als ich begann, für das selbstständige Handwerk zu arbeiten, war ich die erste Geschäftsführerin im Kammerbezirk Lübeck. Mittlerweile ist das Verhältnis der Geschäftsführungen der sieben Kreishandwerkerschaften vier Frauen zu drei Männern.

Hat sich hinsichtlich des Geschlechterverständnisses in den Handwerksberufen in den letzten zwei Jahrzehnten etwas verändert?

Heutzutage sind Frauen ebenso willkommen im Handwerk wie die Männer und das in allen Berufen. Das gilt insbesondere in der Ausbildung, da hat sich tatsächlich viel getan in den letzten beiden Jahrzehnten. In unseren Innungen kenne ich einige Frauen, die sehr erfolgreich ihre Handwerksbetriebe führen. Alles um die Ausbildung junger Menschen im Handwerk hat mich schon immer am meisten begeistert. Mitzuerleben, was von allen an der dualen Ausbildung Beteiligten geleistet wird, junge Menschen auf dem Weg vom Lehrling zum tüchtigen Gesellen zu führen und zu begleiten.

Sie haben praktisch alle Handwerksberufe kennengelernt. Welchen davon könnten Sie sich am ehesten für sich selbst vorstellen?

Mein Vater wünschte sich ja, dass seine älteste Tochter einmal – so wie er – den Beruf des Tischlers erlernen würde. Diesen Wunsch konnte ich ihm nicht erfüllen. Heute vor die Wahl gestellt, würde ich mich für den Friseurberuf entscheiden mit dem Ziel, die Meisterprüfung abzulegen und einen eigenen Salon ganz nach meinem Geschmack einzurichten, um nur glückliche und zufriedene Kundinnen und Kunden daraus zu entlassen.

Handwerk hat ja bekanntlich goldenen Boden, aber es gibt auch eine dunkle Seite: Schwarzarbeit. Ist das immer noch ein Problem?

Schwarzarbeit ist nach wie vor ein Thema im Handwerk. Schwarzarbeit leistet, wer Dienst- oder Werkleistungen erbringt oder ausführen lässt und dabei gegen die Vorschriften des Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetzes verstößt. Schwarzarbeit ist also nach wie vor kein Kavaliersdelikt. Unter den Oberbegriff Schwarzarbeit fallen auch die illegale Beschäftigung und die unberechtigte Handwerksausübung. Besonders letztere Variante schadet den ordnungsgemäß in der Handwerksrolle eingetragenen Handwerksmeistern, und Schwarzarbeit schadet letztendlich auch dem Sozialstaat. Die Kreishandwerkerschaft steht in engem Kontakt zu den für die Verfolgung und Ahndung von Schwarzarbeit zuständigen Behörden und leitet Anzeigen an diese weiter.

Sie gehen jetzt von Bord. Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Handwerks im Lauenburgischen?

Dem lauenburgischem Handwerk soll auch in Zukunft der hohe Stellenwert in unserer Gesellschaft zukommen, den es verdient. Allen Handwerksbetrieben in unseren Innungen wünsche ich weiterhin volle Auftragsbücher, gute Fachkräfte sowie ehrgeizige und motivierte Auszubildende. Für unsere Kreishandwerkerschaft wünsche ich mir von unseren Handwerksmeisterinnen und Handwerksmeistern die ungebrochene Treue zu den Innungen mit allen gebotenen Dienstleistungen und Vorteilen dieser wertvollen lokalen Handwerksorganisation.   

Bitte ergänzen Sie: Durch meinen Beruf bin ich am wenigsten dazu gekommen, . . .

 . . . meine Berufstätigkeit für das Handwerk ließ mich nichts vermissen.

An den vielen meistens netten Jungs im Handwerk hat mich immer genervt, dass. . .

. . . eigentlich gar nichts.

Was die Menschen so landläufig über das Handwerk denken, ist . . .

. . . kann nur positiv gemeint sein.

Nach meiner Berufstätigkeit werde ich als Erstes . . .

. . . mal sehen, wie sich der neue Lebensabschnitt so anfühlt.

Zur Person:

Marion Fuchs stammt aus dem „schönsten Dorf im Lauenburgischen“, wie sie selbst sagt, Salem. Nach einer kaufmännischen Ausbildung und sehr frühen Eheschließung bildete sie sich kontinuierlich weiter und kam 1989 zur Kreishandwerkerschaft. Die Mutter eines Sohnes spricht mehrere Sprachen und – ganz wichtig für eine gute Kommunikationsbasis mit Handwerkern: auch Plattdeutsch. Hobbys: Theater, Radfahren, Schwimmen, Natur erleben. Und Kino. Ihre Lieblingsschauspielerin ist Meryl Streep, deren Filme (z. B. „Jenseits von Afrika“, „Die Eiserne Lady“), sie sich am liebsten in unsynchronisierter Fassung anschaut.

Matthias Wiemer

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