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Lauenburg Michel (20) aus Sirksfelde sucht einen Stammzellspender
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Michel (20) aus Sirksfelde sucht einen Stammzellspender

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07:34 05.08.2021
Die Diagnose Aplastische Anämie hat Michel Grot (20) aus Sirksfelde mitten aus dem Leben gerissen. Auf Dauer kann er nur mit einer Stammzellspende überleben.
Die Diagnose Aplastische Anämie hat Michel Grot (20) aus Sirksfelde mitten aus dem Leben gerissen. Auf Dauer kann er nur mit einer Stammzellspende überleben. Quelle: hfr
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Sirksfelde

Mit kleinen roten Punkten auf der Haut fing es an. Michel will gerade so richtig ins Leben starten. Er steckt mitten in der Ausbildung zum Elektriker, steht kurz vor der Zwischenprüfung. Doch dann, es war im Mai, entdeckt Michel diese kleinen roten Punkte auf der Haut. Er vermutet eine Allergie, auch sein Arzt verschreibt ihm zunächst ein Antiallergikum. Doch die Flecken werden immer dunkler und größer. Eine Blutuntersuchung soll Aufschluss geben. Michel lernt gerade für seine Zwischenprüfung, als er den Anruf mit dem Ergebnis bekommt – und kurze Zeit später im Rettungswagen Richtung Krankenhaus liegt.

Michel Grot aus Sirksfelde leidet an Aplastischer Anämie, einer schweren Erkrankung des blutbildenden Systems. Seine Blutwerte sind extrem schlecht, im Krankenhaus geht man zunächst von einer schweren Virusinfektion aus. Fünf Tage erhält er eine Cortisontherapie, doch auch diese zeigt keinen Erfolg. Ein Ganzkörper-MRT bleibt ebenfalls ergebnislos. Erst eine Knochenmarkpunktion bringt eine eindeutige Diagnose. Nur ein passender Stammzellspender kann dem 20-Jährigen das Leben retten.

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„Dachte, ich kann mein Testament schreiben“

„Eine solche Nachricht ist ein absoluter Schock. Darauf kann man sich nicht vorbereiten. Drei Tage vorher habe ich noch auf dem Fußballfeld gestanden, ich fühlte mich absolut fit. Und dann soll ich von einem auf den anderen Tag todkrank sein? Das ist weder begreifbar noch aushaltbar. Im ersten Moment dachte ich – das war‘s jetzt. Ich kann mein Testament schreiben“, erinnert sich Michel. Neben dem Fußball bei der SG Wentorf-Sandesneben/Schönberg engagiert er sich seit vier Jahren bei der freiwilligen Feuerwehr, liebt gutes Essen, Kino und ausgiebige Wanderungen.

Im Moment aber muss Michel vor allem kämpfen: Dreimal in der Woche muss er in die Klinik und bekommt dort Blutinfusionen, die seine Blutwerte glücklicherweise bislang stabil halten. Gern würde er jetzt wieder auf dem Fußballfeld stehen, zumal das Training dank der Corona-Lockerungen wieder möglich ist. Aber dafür fehlen die Energie und die Nerven: Alle Konzentration gilt dem Kampf gegen die Krankheit. Seine Eltern und Kater „Kurti“ weichen nicht von seiner Seite. Auch seine engen Freunde tun alles, damit es ihm möglichst gut geht.

Großer Schock für die Eltern

Michel schaut trotz seiner Erkrankung immer erst auf andere. Das merkt man daran, dass nach der Diagnose seine größte Sorge nicht ihm selbst, sondern seinen Eltern gilt. Sie wollen ihr einziges Kind nicht verlieren. Deshalb fällt es ihm schwer, mit ihnen über seine Krankheit zu sprechen. Zu eng und innig ist die Bindung. Mit seinen Freunden hingegen hat er gelernt, über seine Situation zu sprechen. Michel geht damit offensiv um und versucht auch aufzuklären: „Diese Krankheit kann jeden treffen. Dafür muss man sich nicht schämen. Im Gegenteil – jeder kann helfen“ – nämlich mit einer Stammzellspende.

Zahlen und Fakten

Aplastische Anämieist eine seltene Krankheit des blutbildenden Systems. Der Körper hat dann zu wenig Blutzellen und außerdem einen geringen Gehalt blutbildender Zellen im Knochenmark. Die Krankheit kann angeboren oder erworben sein und in allen Altersgruppen auftreten. Durch die Behandlung, etwa mit einer Stammzellentherapie, kann ein großer Teil der Betroffenen geheilt werden.

19 617 Menschen aus dem Herzogtum Lauenburg haben sich bislang bei der DKMS als potenzielle Spender registrieren lassen. 250 von ihnen haben bereits Stammzellen.

Nachdem man ihm anfänglich sagte, dass es drei potenzielle Spender für ihn gäbe, mussten die Ärzte diese Aussage wieder zurücknehmen. Nur neun von zehn Merkmalen stimmten überein. Das Risiko, dass Michels Körper die Stammzellen abstößt, wäre zu groß. „Das war ein extremer Rückschlag“, berichtet Michel. „Es gibt keine Perspektive und ich weiß nicht, wo die Reise hingeht. Um mich zu stabilisieren, habe ich jetzt Hilfe bei einem Psychoonkologen gesucht. Die sind auf solche Fälle spezialisiert und ich nehme jede Hilfe an, die ich bekommen kann. Denn ich bin einfach nicht bereit, aufzugeben. Für mich gibt es viele Gründe zu kämpfen.“

Aufruf zur Registrierung

Aber allein kann er den Kampf nicht gewinnen. Nur ein passender Stammzellspender kann sein Leben retten. „Michel ist der tollste Sohn und Freund, den man sich vorstellen kann. Er hat noch so viele Träume: er möchte seinen Meister machen, ein halbes Jahr durch Australien reisen und später unbedingt eine Familie gründen. Er liebt Kinder über alles. Deshalb bitten wir alle: Helft uns. Lasst euch registrieren. Michels Herz muss weiter schlagen“, erklärt Christine, Michels Mutter, im Namen der ganzen Familie und all seiner Freunde.

Wer gesund und zwischen 17 und 55 Jahre alt ist, kann Michel und anderen Patienten helfen und sich über www.dkms.de/michel die Registrierungsunterlagen nach Hause bestellen. Auch Geldspenden helfen Leben retten, da der DKMS für die Neuaufnahme eines jeden Spenders Kosten in Höhe von 35 Euro entstehen.

Von Sophie Schade

04.08.2021
04.08.2021
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