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Lauenburg Mit Pirol und Hirsch: Gudow feiert 825 Jahre
Lokales Lauenburg Mit Pirol und Hirsch: Gudow feiert 825 Jahre
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13:52 17.08.2019
Detlev Werner von Bülow präsentierte einen britischen Film über die Einnahme von Gudow 1945. Quelle: Matthias Schütt
Gudow

Das neue Wappen, das sich Gudow zum 825. Geburtstag geschenkt hat, ziert ein Pirol. Der Vogel ist eine Hommage an die Adelsfamilie von Bülow, die hier seit Jahrhunderten als Gutsbesitzer die Geschicke der Gemeinde mitgestaltet. Dabei wäre auch ein anderes Wappentier infrage gekommen: der Hirsch. Gudow liegt in einer der wenigen Regionen Schleswig-Holsteins, in denen es überhaupt noch nennenswerte Bestände an Rotwild gibt. Und so nahm die Leidenschaft für Jagd und Natur einen breiten Raum ein, als die Gemeinde am Freitagabend mit einem bunten Programm ihr Jubiläumswochenende einläutete.

Zu feiern waren gleich drei Feste: die 825 Jahre der Gemeinde, 145 Jahre Männerchor Concordia (in dem die Frauen aber inzwischen die Mehrheit stellen) sowie 25 Jahre Seniorentanzgruppe. Mit diesen beiden Vereinigungen war auch klar, wer die Unterhaltungsteile des Abends gestalten würde. Dazu kamen noch die „Lustbläser“, eine Gruppe von neun Jagdhorn-Musikanten, die verschiedene Signale aus der Welt der Jägerei präsentierten.

Wo die Hirsche Namen bekommen

„Tolle Natur, Wälder und Seen“ nennt Bürgermeisterin Simone Kelling als die Pfunde, mit denen die Gemeinde wuchern kann und viele junge Familien anzieht. Verkehrstechnisch gut angebunden zum Beispiel nach Hamburg, lebt man in Gudow selbst noch ganz in der Idylle – dort, wo man die Hirsche noch mit Namen kennt.

Das jedenfalls berichtete Jagdpächter Alexander Milz in seinem Diavortrag über einheimische und zugewanderte Tierarten. Im Mittelpunkt stand das Rotwild. Über Jahre, so Milz, werden die Hirsche beobachtet und mit Namen versehen. „Sie erhalten dadurch ein individuelles Gesicht, werden als Partner respektiert.“ Geschossen werden sie erst ab dem zehnten Lebensjahr. Um 150 Tiere schätzt er den Bestand in der unmittelbaren Umgebung. Früher waren sie leicht zu entdecken. Heute indes ziehen sie sich vermehrt in die Wälder zurück, seit der Wolf zurückgekehrt ist.

Als der Krieg zu Ende war . . .

Aus 825 Jahren Dorfgeschichte präsentierte Detlev Werner von Bülow abschließend noch ein besonderes Dokument: einen acht Minuten langen Film eines britischen Kriegsberichterstatters über die Besetzung Gudows durch alliierte Truppen am 2. Mai 1945. Warum das Schicksal des Provinzdorfes überhaupt für die Siegermächte von Interesse war, erklärt sich aus einem großen Lager britischer und amerikanischer Kriegsgefangener, die an diesem Tag befreit wurden.

Das Wappen von Gudow

Vier verschiedene Symbole zeigt das zum Jubiläum vorgestellte Wappen mit den Grundfarben Blau und Gelb: Die vier Lindenblätter stehen für die vier Ortsteile Gudow, Kehrsen, Segrahn und Sophienthal, die Zinnen für die Raubritterburg sowie für weitere nachweisbare Überreste aus dem Mittelalter.

Der Pirol ist das Wappentier der Familie von Bülow. Die Mutter Gottes steht für die „Madonna auf dem Mond“, eine Skulptur in der St.-Marien-Kirche, die um 1430 in Lübeck geschaffen wurde. Es handelt sich um eine seltene Darstellung der sogenannten Mondsichelmadonna, die auf die biblische Offenbarung des Johannes zurückgeht.

So trafen in dem kleinen Dorf befreite Gefangene unmittelbar auf deutsche Soldaten, die als Gefangene fortgeführt wurden. Nur durch einen kuriosen Zufall, so erzählt von Bülow, ist Gudow an diesen Film gekommen. Vor einigen Jahre habe Archivar Christian Lopau in London beim Imperial War Museum angefragt, ob man dort eventuell Dokumente aus unserer Region zur Verfügung stellen könne. „Eigentlich nicht, war die Antwort“, so von Bülow. „Außer diesem kleinen Film aus einem ’certain village called Gudow’“. Das auf diese Weise auch international Beachtung fand. Von Bülow steht im Kontakt mit einer Dame aus den USA, die sich für nächstes Jahr bei ihm angemeldet hat. Ihr Vater war einer der amerikanischen Gefangenen.

Von Matthias Schütt

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