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Lauenburg Mölln: Bekannte Experten beleuchten Künstliche Intelligenz
Lokales Lauenburg Mölln: Bekannte Experten beleuchten Künstliche Intelligenz
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17:50 29.03.2019
Gut besucht: Chefredakteur Dirk Kuchel von Computerbild ( v. l.), der Kulturportal-Redakteur Helge Berlinke, der Medienwissenschaftler Roberto Simanowski, Jörg-Rüdiger Geschke, Vorstandsmitglied der Stiftung Herzogtum Lauenburg, und der Bundestagsabgeordnete Konstantin von Notz diskutieren im Stadthauptmannshof  über Künstliche Intelligenz. Etwa 60 Gäste verfolgen die Veranstaltung. Quelle: GROMBEIN
Mölln

Der Fortschritt hat schon so manche Dystopie zerstört. Denn George Orwell konnte zwischen 1946 und 1948, als er seinen Roman 1984 über einen Überwachungsstaat schrieb, wohl nur ahnen, dass die Technik einmal dazu ausreichen würde. So stiegen die Experten der Vortragsreihe über Künstliche Intelligenz (KI) in der Stiftung Herzogtum Lauenburg am Donnerstag auch über Science-Fiction in die Diskussion ein. Denn in „I,Robot“, „Terminator“ oder auch schon Kubricks Fantasy-Klassiker „2001: Odyssee im Weltraum“ fangen Maschinen an, eigene, zum Teil fatale Entscheidungen zu treffen.

Während Medienwissenschaftler Roberto Simanowski davor warnte und mehr ethische Bildung über Medien und Algorithmen forderte, setzte sich der Bundestagsabgeordnete und Jurist Konstantin von Notz trotz aller medialen Affinität dafür ein, Tech-Konzerne wie Facebook oder Google mit Gesetzen in die Schranken zu weisen. Computerbild-Chefredakteur Dirk Kuchel bekannte sich von Berufswegen zu den positiven Seiten der KI und zeigte sich angesichts des Versuchs, Wissenschaft und Konzerne diesbezüglich zu regulieren, etwas resigniert.

Termine der KI-Reihe

21. März – 7. April Ausstellung Fotokünstler Harald Popp, Künstlerhaus Lauenburg

28. März – Kulturtalk „Künstliche Intelligenz“, Stadthauptmannshof, Mölln

28. März – „Wohl und Wehe der Künstlichen Intelligenz“, Ausstellung mit Bildern von Christian Leptien und Jürgen L. Neumann, Herrenhaus, Stadthauptmannshof

2. April – „Digitalisierung – Herausforderung für den demokratischen Verfassungsstaat“, Vortrag Prof. Dr. Utz Schliesky, Stadthauptmannshof, Mölln

14. Mai – „The Circle“, Filmvorführung Burgtheater Ratzeburg, im Anschluss Diskussion mit Ole Märtens(Kreis Herzogtum Lauenburg) und Ulf Kassebaum (Diakonie Ratzeburg)

29. Oktober – „China im digitalen Aufbruch“, Vortrag von Klaus Schlie, GeesthachtMuseum im Krügerischen Haus (Geesthacht)

 

„Ich habe total Lust, alles auszuprobieren. Mein Haus ist digital vernetzt“, sagte Kuchel. Er sehe positive und negative Seiten dieses Fortschritts. Doch mit KI ließen sich Krebszellen aufspüren. Positive Beispiele wurden kaum thematisiert. Die denkbaren Negativ-Beispiele, mit denen es vor allem von Notz und Simanowski schafften, dass etwa 60 Zuhörer im Stadthauptmannshof zwei Stunden an ihren Lippen hingen, waren vielfältig. Es ging um Militärroboter, die über den Tod entscheiden, oder um autonome Fahrzeuge und die Haftungsfrage, wenn KI töte. Der öffentliche Raum einiger chinesischer Städte sei komplett überwacht. Von Algorithmen ausgewertete Geodaten und die Identifizierung mittels biometrischer Daten diene dazu. Wer dort alten Menschen über die Straße helfe oder auf die Straße spucke, dessen sozialer Status wachse oder falle.

Simanowski zitierte eine Theorie, die besage, dass jede technische Möglichkeit auch genutzt werde, egal wie sie ethisch behaftet sei. Oppenheimers Wasserstoffbombe, dass er vor seiner Erfindung warnte und schließlich deren Abwurf in Japan dienten als Beleg. „Technik ist erstmal neutral. Die Frage ist, was wir daraus machen“, sagte von Notz. Fragwürdig wäre es jedoch, wenn ein Aktivitätstracker am Handgelenk irgendwann einen günstigeren Versicherungstarif beschere. Nach dem Vortrag besuchten die Zuschauer im gleichen Gebäude bei Wein und Schnittchen die Ausstellung von Christian Leptien und Jürgen L. Neumann zum Thema, die noch länger zu sehen ist. Weitere Termine zur KI-Reihe der Stiftung unter www.kulturportal-herzogtum.de.

Florian Grombein

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