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Lauenburg Wie wir uns auf den großen Stromausfall vorbereiten
Lokales Lauenburg Wie wir uns auf den großen Stromausfall vorbereiten
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08:39 15.11.2019
Kein Telefon, kein Geld, kein Internet, kein Supermarkt, kein Wasser und kein Benzin: Davor was passiert, wenn der Strom großflächig ausfällt, haben Kreisverwaltung und Stadt Mölln bei einer Einwohnerversammlung gewarnt. Hier Torsten Wendland, Chef des Ordnungsamtes, bei seinem Vortrag. Quelle: Florian Grombein
Mölln

Keine Panikmache, aber eine dringende Sensibilisierung sei der Hintergrund der Veranstaltung. Das betonten die Experten von Stadt Mölln und Kreis immer wieder, als es am Mittwochabend bei der Einwohnerversammlung in Mölln um das Thema „Blackout – Was passiert, wenn der Strom ausfällt?“ ging.

„Dass der Strom in ganz Europa ausfällt, wollen wir uns gar nicht vorstellen“, erklärte Torsten Wendland, Leiter des Fachbereiches Ordnung und damit zuständig für Gefahrenabwehr in der Stadt. Obwohl Deutschlands Stromversorgungen auf dem Kontinent zu den sichersten gehöre, könne es durch extreme Wetterlagen, Bauarbeiten oder technische Defekte zu tagelangen Ausfällen führen. Züge könnten nicht mehr fahren und Aufzüge blieben stecken. Außerdem funktionierten Geldautomaten und auch das elektronische Zahlen nicht mehr. Hinzu komme, dass Tankstellen kein Benzin liefern und die Wasserversorgung, deren System auch über elektrische Pumpen läuft, über kurz oder lang ausfalle. In den Wohnungen funktionierten Telefone, Haushaltsgeräte und bald auch die Heizungen nicht mehr.

Stromausfälle der Vergangenheit

In den vergangenen Jahren gab es laut Kreisverwaltung im Norden nicht viel doch einige sehr erhebliche Stromausfälle. 2006 in Papenburg. Es waren europaweit 10 Millionen Haushalte für zwei Stunden ohne Strom. 2005 kam es im Münsterland zu einem Stromausfall von dem 250 000 Haushalte für zwischen drei und fünf Tagen ohne Strom waren.

Im Juni 2018 waren in Lübeck 146 000 Haushalte für vier Stunden ohne Strom. In Flensburg mussten in diesem Jahr 62 000 Haushalte für drei bis fünf tage ohne Strom auskommen.

Bund empfiehlt: Vorräte für 14 Tage

Deshalb empfiehlt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, dass Bürger einen Nahrungs- und Wasservorrat für 14 Tage anlegen. Kerzen, Gaskocher und warme Kleidung sollte ebenfalls ausreichend vorhanden sein. Wendland erklärte, dass bereits Pläne für solche Katastrophen erstellt worden seien, die allerdings längst noch nicht ausreichten. Vorerst habe man die Stromversorgung über Stromerzeuger im Feuerwehrgerätehaus sichergestellt. Bürger, die einen Notruf absetzen wollten, müssen in diesem Fall in den St.- Florians-Weg in Mölln laufen, um persönlich Kontakt aufzunehmen.

Diesmal ging es bei der Einwohnerversammlung in der Mensa auf dem Möllner Schulberg um Stromausfälle.

 

Der Kreis richtet im Katastrophenfall Notunterkünfte im Norden und im Süden des Kreises ein, um die medizinische Versorgung und die Versorgung mit Nahrung im Notfall zu gewährleisten. Thomas Erbert, beim Kreis Herzogtum Lauenburg im Fachdienst Ordnung zuständig für Katastrophenschutz, rät dazu, sich die App „Nina“ herunterzuladen, über welche jeweilige Nachrichten über solche Fälle verbreitet würden. Außerdem sei es ratsam, batteriebetriebene Radiogeräte zu besitzen. Das Thema sei durch einige Stromausfälle bundesweit wieder ganz oben auf der Tagesordnung. „Wir wollen keine Panik verbreiten. Doch ein terroristischer Anschlag auf die Infrastruktur hätte gigantische Folgen“, erklärte Erbert.

Wie verwundbar bin ich?

Jeder müsse sich deshalb fragen, wie verwundbar er selbst sei. Besonders problematisch sei es, dass Menschen, die im Heimbereich auf medizinische Geräte wie Beatmung angewiesen wären, in große Gefahr gerieten. Und auch im Krankenhaus in Ratzeburg sei eine Notstromversorgung nur für 24 Stunden gewährleistet. In der Geesthachter Klinik halte der Notstrom immerhin für 48 Stunden. Zum Notfallplan des Kreises gehöre, dass alle Feuerwehren beim Katastrophenfall besetzt werden. Klar ist jedoch, dass die Hilfskräfte nicht allen gleichzeitig helfen können. „Wir müssen Prioritäten setzten, wer zuerst gerettet wird.“ Das gelte etwa dann, wenn im ganzen Gebiete diverse Aufzüge feststeckten. Die Einsatzkräfte des Rettungsdienstes sollen sich beim Kreisfeuerwehrverband in Elmenhorst sammeln. Denn auch die digitalen Melder würden mit Strom betrieben. Im Katastrophenfall sollen kreisweit drei Tankstellen mit Notstromaggregaten am Laufen gehalten werde: Je eine im Norden, in der Mitte und im Süden des Kreises.

Einmal Spülen geht noch

Die Fragen der Bürger, es waren 47 stimmberechtigte Bürger in die Mensa auf dem Schulberg gekommen, waren vielfältig. Läuft das Wasser weiter, wie lange werden die digitalen Melder der Feuerwehr halten, wie sieht es mit der Gefahr von Hackerangriffen aus. Die Frage nach dem Wasser beantwortete Bürgervorsteher Jan Frederik Schlie mit Humor: „Einmal werden Sie noch spülen können.“ Erbert erklärte, dass den Versorgern vor allem das Abwasser Gedanken mache. Denn es könne sein, dass die Keller der Bürger durch den Stromausfall quasi zu Puffern für das Schmutzwasser werden könnten.

Mehr Informationen zum Thema gibt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe.

Von Florian Grombein

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