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Lauenburg Möllner Mutter möchte für einen Kitaplatz klagen
Lokales Lauenburg Möllner Mutter möchte für einen Kitaplatz klagen
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13:00 29.10.2019
Franziska Lerch (31) aus Mölln möchte gegen die Kreisverwaltung klagen, weil sie in Mölln keinen Kita-Platz bekommt. Die alleinerziehende Mutter macht eine Ausbildung zur Erzieherin und fühlt sich machtlos und im Stich gelassen. Quelle: Florian Grombein
Mölln/Ratzeburg

„Ich bin wütend und fühle eine gewisse Ohnmacht“, sagt Franziska Lerch. Eigentlich möchte sich die gelernte sozialpädagogische Assistentin ganz ihrer Ausbildung zur Erzieherin widmen. Doch sie findet in Mölln partout keinen Kitaplatz. Die vorhandenen Listen der Stadt mit Kindertagesstätten und auch mit Tagesmüttern habe sie bereits alle durch. Alle Beteiligten seien sehr bemüht gewesen. Und auch wenn sie in schwachen Momenten am Telefon den Tränen nahe war, habe man Verständnis geäußert. Doch das hilft ihr wenig. Und wer aktuell online in die zentrale Kitadatenbank „www.kitaportal-sh.de“ schaut und die Stadt Mölln eingibt, erhält zwar zehn Treffer für Einrichtungen, liest jedoch stets den Zusatz „alle Plätze belegt“.

Ein Screenshot des Kitaportals zeigt: In Möllner Kitas sind wie in den meisten anderen Städten auch zur Zeit alle Plätze belegt. Quelle: Grombein, Florian

84 Kinder warten in Mölln auf einen Platz

In Mölln gibt es nicht genug Kitaplätze für alle. In den Jahrgängen 2017 und 2018 leben dort derzeit 304 Kinder im Krippenalter und es stehen 128 Krippenplätze zur Verfügung, teilt die Stadtverwaltung auf Anfrage mit. Zur Zeit stehen 46 Kinder auf der Warteliste, die bis zum 31. Dezember 2019 einen Krippenplatz beantragt haben. Noch gravierender ist es bei Elementarplätzen. Es gibt insgesamt 470 Betreuungsplätze und auf der Warteliste stehen 38 Kinder. In Mölln leben etwa 530 Kinder, die Anspruch auf einen dieser Elementarplätze hätten.

So wie Mölln geht es den meisten Kommunen im Land. Landesweit fehlen laut Schätzungen des Landeselternbeirats immer noch 25 000 Kita-Plätze bei 120 000 betreuten Kindern im Norden insgesamt. Das Sozialministerium geht von einem weiter steigenden Platzbedarf aus. In den Krippen gibt es im Land Schleswig-Holstein derzeit schätzungsweise Platz für 33,7 Prozent aller Kinder unter drei Jahren. Die Bertelsmann-Stiftung hingegen geht sogar von einem Bedarf von 49,4 Prozent aus.

Bisher keine Klagen für einen Kitaplatz bekannt

Auf die Frage, ob Eltern schon Rechtsmittel deswegen eingelegt hätten, sagte Bürgermeister Jan Wiegels: „Uns ist kein solcher Fall bekannt. Beklagter wäre aber auch der Kreis Herzogtum Lauenburg als Träger der örtlichen Jugendhilfe, nicht die Städte und Gemeinden“, berichtet Wiegels. Es sei beabsichtigt, die Kapazitäten sukzessive dem Bedarf anzupassen. Der zuständige Schul-, Sport- und Jugend- und Sozialausschuss (SSJS) der Stadt befasse sich derzeit damit. Verwaltung und Politik haben dabei im Blick, dass Mölln vor etwa dreieinhalb Jahren beschlossen hat, Kinder aus Umlandgemeinden nicht mehr aufzunehmen. Damit könnte sich die Situation in den kommenden Jahren verbessern, wenn die ortsfremden Kinder die Möllner Einrichtungen verlassen haben und eingeschult worden sind.

Das Kitaportal

Das Kita-Portalermöglicht Eltern eine Online-Suche nach einem freien Betreuungsplatz für Ihr Kind am Wohn- oder Arbeitsort. Eine tagesaktuelle Auswertung zeigt die verfügbaren Plätze an. Nachdem sich Benutzer registriert haben, können sie Ihr Kind in den Wunsch-Kitas online voranmelden. Die verbindliche Anmeldung erfolgt anschließend vor Ort in der Kita.Quelle:
www.kitaportal-sh.de.

Kindern wird Recht auf Bildung verwehrt

Franziska Lerch hat sich mit vielen Eltern verständigt, die unter diesem Mangel leiden. Das hat sie noch mehr darin bestärkt, etwas dagegen zu unternehmen. „Ich werde jetzt Rechtsmittel einlegen. Ich werde im Eilverfahren Klage gegen die Kreisverwaltung einreichen“, sagt die 31-Jährige. Mit diesen Zuständen werde schließlich Kindern ein Recht auf Bildung verwehrt. Für sie bedeute es viel Stress, die Betreuung ihrer Tochter trotz Vollzeitausbildung zu organisieren. Gehetzt komme sie nach Hause, weil sie wisse, dass ihre Mutter mit der Betreuung alleine sei. Das Lernen nach der Schule sei dadurch auch nur sehr eingeschränkt möglich. Doch am meisten tue ihr Tochter Gesa leid. Die 31-Jährige musste das Kind aus der vorherigen Kita nehmen, weil es dort strafrechtliche Vorwürfe gegen einen Mitarbeiter gab. Die Dreieinhalbjährige möchte unbedingt wieder in den Kindergarten und Freunde treffen. Außerdem sei es eine Belastung für ihre Mutter, die im Augenblick notgedrungen für die Betreuung einspringe.

Landesweit fehlen 25 000 Kitaplätze, schätzt das Sozialministerium in Kiel. In Mölln geben betroffene Eltern aber auch die Verwaltung Auskunft über den Stand.

Die angehende Erzieherin findet, dass die gesamte Gesellschaft unter diesem Problem leidet. Während Lebenshaltungskosten immer weiter anstiegen, seien die Löhne nicht ausreichend gewachsen. Mehr Frauen wollten und müssten heutzutage arbeiten gehen. Sie hat sich mit ihrem Anliegen auch in Möllner Facebook-Gruppen an andere Betroffene gewandt und viel Zustimmung bekommen. In Gesprächen hat sie andere Mütter über die Möglichkeit informiert, den Klageweg zu gehen.  

Doch es gibt Hoffnung. Am Ende der Recherche erreicht die Redaktion die Nachricht, dass ein Kitaplatz in Mölln frei geworden ist. Nun darf sie zum Vorstellungsgespräch kommen. Doch sie wird sich gegen einige andere Bewerber durchsetzen müssen. Anders als bei einem Bewerbungsgespräch um einen Job, steht Gesa und Franziska Lerch ein Kita-Platz eigentlich rechtlich zu. Doch gerecht findet die junge Mutter das schon lange nicht mehr. An ihrem Plan zu klagen, hält sie weiter fest.

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Von Florian Grombein

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