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Lauenburg Möllner Pastoren: Predigt zu Weihnachten braucht lange Vorbereitungszeit
Lokales Lauenburg Möllner Pastoren: Predigt zu Weihnachten braucht lange Vorbereitungszeit
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14:09 23.12.2018
Pastor Matthias Lage bereitet sich auf seine Predigt für die Weihnachtszeit bereits Anfang November vor. Auch St. Nicolai ist an Heiligabend wie üblich gut besucht. Quelle: GROMBEIN
Mölln

Den Begriff „U-Boot-Christen“, der abschätzig Menschen bezeichnet, die nur einmal im Jahr in die Kirche gehen, mag das Möllner Pastorenehepaar überhaupt nicht. Für Matthias und Hilke Lage ist jeder im Gottesdienst gern gesehen – egal ob Weihnachten oder an jedem beliebigen Sonntag im Jahr. Dennoch ist der Gottesdienst an Heiligabend ein wichtiger. Ja, die Kirche ist voll und die Botschaft muss sitzen. Mehr Gäste, mehr Verantwortung – heißt das auch mehr Lampenfieber?

Lampenfieber macht wacher und glaubwürdiger

„Heute kommt es drauf an. Heute feiern wir wirklich alle zusammen“ – das geht beiden Pastoren tatsächlich durch den Kopf. Denn die christliche Botschaft von der Geburt Jesu und auch die gesellschaftliche Botschaft, mit der Pastoren aktuelle Herausforderungen aufgreifen, hören mehr Menschen als sonst. Und wie sieht es aus mit dem Lampenfieber, das auch Künstler haben, wenn sie öffentlich sprechen? „Das ist immer da“, sagt Hilke Lage. Egal ob 50 Menschen oder 500 zuhören. „Und das ist auch gut so. Es ist eine positive Anspannung.“ So werde man wacher und auch glaubwürdiger, sagt Hilke Lage. Ihr Ehemann berichtet, dass Weihnachten naturgemäß eine besondere Atmosphäre herrsche. „Die Erwartungen sind mit Händen greifbar“, sagt Matthias Lage. Da gäbe es die frohen Erwartung der kleinen Kinder, die ernsteren Gedanken der Erwachsenen und derjenigen die sich möglicherweise an das Weihnachten ihrer eigene Kindheit erinnerten. „Ich habe das Gefühl, dass die Menschen Hoffnung darauf haben, dass wir ihnen eine gute Botschaft überbringen“, so Matthias Lage.

Predigt planen spätestens im November

Und wie bereitet man die Predigt für so einen wichtigen Gottesdienst vor? Spätestens im November beginne er damit, sagt Lage. Dann lasse er die Geschehnisse des vergangenen Jahres Revue passieren. Sicher gehe es um die Weihnachtsgeschichte aus der Sicht von Lukas. Um diese Geschichte, die jeder seit der Kindheit kenne. „Das ist sehr irre. Ich bin immer wieder begeistert, wie viel in dieser Geschichte steckt“, sagt Matthias Lage. Und es sei jedes Jahr aufs Neue eine Herausforderung, diese Geschichte in der Gegenwart zu erzählen. Gibt es Vorgaben vom Kirchenkreis, worüber man in der Predigt sprechen sollte – etwa, wenn es politisch wird? Oder anders: Wie frei ist ein Pastor?

„Wir sind nur unserem Glauben, unserem Gewissen und dem Evangelium verpflichtet“, sagt Hilke Lage. Was muss dieses Jahr gesagt werden? Für sie gehöre dazu, dass sie diese Bibelgeschichte mit der heutigen Lebenswirklichkeit zusammenstricke. Im vergangenen Jahr habe es sie sehr beschäftigt, dass Politiker wie Trump oder Orbán so „großsprecherisch“ auftraten. Darauf habe sie die Figur des stillen Joseph aus der Weihnachtsgeschichte, der alles tue, um Leben zu schützen und zu bewahren, dagegen gesetzt.

Die Sprache der Zuhörer treffen

Wenn man eine Geschichte immer wieder aufs neue intellektuell interpretiert, hat man dann nicht Schwierigkeiten, noch die Sprache der Zuhörer zu sprechen? Vor dieser Schwierigkeit stehen ja auch Politiker. „Das ist auf jeden Fall die Herausforderung“, sagt Matthias Lage. Das werde auch den Pastoren in der Ausbildung als Erstes vermittelt. Es hänge auch von der Zeit des Gottesdienstes ab. Matthias Lage etwa kann sich bei seinem nachmittäglichen Gottesdienst mit Krippenspiel um 14.30 etwa auf eine sehr kurze Predigt beschränken. Hilke Lage wiederum wird um 23.30 Uhr viele Erwachsene in nächtlicher Atmosphäre vor sich haben, die Zeit zum Nachdenken haben. „Wenn im Gottesdienst 500 Menschen sitzen, kann ich nicht jedem aus der Seele sprechen“, weiß Hilke Lage. Gerade bei den Spätgottesdiensten blieben Leute stehen und gäben ihr sowohl positive als auch negative Rückmeldungen.

Gottesdienst ist immer live

Ist bei einem Gottesdienst schon einmal etwas schief gelaufen, das in Erinnerung geblieben ist? Einmal sei die Weihnachtsgeschichte von unterschiedlichen Rednern und plötzlich in ganz falscher Reihenfolge wiedergegeben worden. Das sei irritierend aber auch lustig gewesen, berichtet die Pastorin. „Total schön“ sei gerade jetzt vorm Fest der Gottesdienst für Schüler der Steinfeld-Schule für Menschen mit Handicap gewesen. „Das habt ihr richtig gut gemacht“, hörte er und schaute in strahlende Gesichter. Hilke Lage: „Es ist immer live. Es passiert zwangsläufig etwas Unvorhergesehenes.“

Florian Grombein

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