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Lauenburg Haus verschattet: Möllner legt Widerspruch gegen Penny-Markt-Bau ein
Lokales Lauenburg Haus verschattet: Möllner legt Widerspruch gegen Penny-Markt-Bau ein
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16:57 10.12.2019
Süleyman Erdem (44) aus Mölln ist frustriert und wütend. Der Penny-Markt im Wasserkrüger Weg (rechts im Bild) wurde so erweitert, dass seine Südterrasse und sein Wohnzimmer (links im Bild) völlig im Schatten liegen. Quelle: Florian Grombein
Mölln

Früher kam die Sonne schon morgens ins Wohnzimmer von Süleyman Erdem. Auch seine Terrasse auf der Südseite war ein Platz an der Sonne. Doch wenn der 44-Jährige heute in seinem Wohnzimmer sitzt, ist es düster. Er blickt auf die Wand eines Discounters, dessen Eingangsbereich wenige Meter von seinem Haus im Wasserkrüger Weg etwa zehn Meter in die Höhe ragt.

Die Erweiterung des Penny-Marktes habe er erst bemerkt, als schon die Baumaschinen über den Parkplatz rollten. Laut Bauordnung hätte Erdem seine Bedenken bereits in der Planungsphase äußern müssen. Doch was ihn daran aufregt, ist, dass ihn niemand nach seiner Meinung gefragt habe. Der Bauherr des Marktes hingegen sagt, es gebe kein Recht auf Sonnenschein, das man einklagen könne.

Keine Zeitung gelesen: Eingabe in der Bauleitverfahren verpasst

„Ich bin wütend und fühle mich machtlos“, sagt Hausbesitzer Erdem, „warum hat mich niemand nach meiner Meinung gefragt?“ Der Elektriker habe diese Frage bei der Stadt, im Bauausschuss und beim Landrat gestellt. Die Antwort war stets ähnlich. „Der Bebauungsplan ist rechtskräftig“, erklärt Manfred Kuhmann, Leiter der Möllner Bauverwaltung. Da es sich um ein laufendes Widerspruchsverfahren bei der Kreisbauaufsicht handele, liege der Fall nicht mehr im Verantwortungsbereich der Möllner Stadtverwaltung.

Auch als Erdem vor einigen Wochen den Bauausschuss besuchte, bekam er diese Antwort. In der Niederschrift des Ausschusses heißt es dazu: „Herr Erdem hätte während des öffentlichen Verfahrens der Bauleitplanung Bedenken äußern können.“ Kuhmann riet damals zu einem gemeinsamen Gespräch mit dem Markt, der Bauaufsicht und Erdem.

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Kuhmann und auch die Kreisbauaufsicht verweisen darauf, dass über die Aufstellung des Bebauungsplans im Rahmen der Amtlichen Bekanntmachung in der Zeitung informiert wurde und dass die Pläne wochenlang im Stadthaus ausgelegt worden seien. „Es tut mir leid. Ich lese keine Zeitung, und in den Bauausschuss gehe ich auch nicht“, sagt Erdem verärgert.

Es will ihm nicht einleuchten, dass er als einziger direkt betroffener Anwohner nicht gezielt angesprochen wurde. „Es kommt nicht einmal jemand hier her und schaut sich die Situation an“, ärgert sich Erdem. Er nimmt sich schließlich einen Anwalt und legt Widerspruch ein. Er möchte vor allem anfechten, dass nun auch noch auf der gesamten Länge seines Grundstücks ein drei Meter hoher Schallschutzzaun gebaut werden sollte, den der beschlossene Bauplan vorsieht.

Bauherr: „Kein Recht auf Sonnenschein“

„Wir haben das Objekt nach Maßgabe des entwickelten Bebauungsplans errichtet“, sagt auch Bodo Golz von der Effekta GmbH in Hamburg. Sämtliche Höhenangaben und Abstände sind laut Bebauungsplan hergestellt worden. „Die Erweiterung des Penny-Marktes war in Mölln bekannt. Herr Erdem hat offensichtlich nicht in den Bebauungsplan Einsicht genommen und macht uns nun Schwierigkeiten“, so Golz.

Doch warum werde in dem Fall, wo der einzige direkte Nachbar massiv von dem Bauvorhaben betroffen werde, nicht direkt angesprochen, um Spannungen zu vermeiden? Golz’ Antwort: Es dauere Monate, bis alle Fachabteilungen zugestimmt haben. Denn die Parkplatzfläche musste umgewidmet werden.

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Der Bebauungsplan sei ausgelegt worden, und jeder Bürger habe das Recht, seine Stellungnahme abzulegen. Das habe Erdem schlichtweg nicht getan. „Jetzt kommt er im Nachhinein und sagt, sein Grundstück wird verschattet. Aber Recht auf Sonnenschein kann man nicht einklagen. Das gibt es nicht“, sagt Golz.

Aus dieser Perspektive ist gut zu erkennen, wie dicht der Supermarkt an das Haus des Möllners Süleyman Erdem  (44) herangebaut worden ist.  Quelle: Florian Grombein

Schallschutzzaun „nur noch“ zwei anstatt drei Meter hoch

Der Bebauungsplan habe sehr viel Geld gekostet. Im Nachgang sei man Erdem, der gegen die Zaunhöhe von drei Metern Einspruch eingelegt hätte, sogar noch entgegengekommen. Der Bebauungsplan sei freiwillig so geändert worden, dass der Schallschutzzaun auf Wunsch nur noch zwei Meter hoch werden soll. Nur noch das Bauamt muss das genehmigen. Was Golz ärgert: Zu einem Treffen mit allen Beteiligten bei der Bauaufsicht in Ratzeburg sei Süleymann Erdem gar nicht erst erschienen, obwohl er eingeladen worden sei.

„Ein Bauherr betreibt viel Aufwand, um ein Projekt zu realisieren. Was möchte man dem Bauherren noch abverlangen?“, fragt Kreissprecher Tobias Frohnert. Für Eingaben gebe es die Amtlichen Bekanntmachungen und außerdem gebe es im Nachgang ein Widerspruchsverfahren. Dabei sei es wichtig, stichhaltige Argumente zu bringen. Es sei nicht ersichtlich, welche Rechtsvorschriften verletzt worden seien.

Nachbarliche Rechte ausreichend berücksichtigt?

Der Discounter wird kaum wieder abgerissen werden. Die Frage bleibt, was Erdem in der augenblicklichen Situation erreichen möchte. „Normalerweise müsste ich hier wegziehen. Sie müssten mir das Grundstück abkaufen, damit ich anderswo mein Glück neu aufbauen kann. Dann können sie mit meinem Grundstück machen, was sie wollen“, sagt Erdem.

Was ihn außerdem wurmt: „Wer kann mir denn garantieren, dass der Penny-Markt in ein paar Jahren nicht noch mehr erweitert?“ Süleymann Erdem bleibt jetzt nur noch die Möglichkeit, zivilrechtlich gegen den Bebauungsplan zu klagen. Dann muss bewiesen werden, dass seine nachbarlichen Rechte in der Bauleitplanung nicht ausreichend berücksichtigt worden sind.

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Von Florian Grombein

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