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Lauenburg Immer mehr Väter kümmern sich um ihre Babys
Lokales Lauenburg Immer mehr Väter kümmern sich um ihre Babys
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18:25 28.01.2019
Moritz Brandt (damals 29) mit seiner Tochter Lotta (4 Monate) im März 2010.
Groß Weeden

Mittlerweile ist Lotta neun und geht in die dritte Klasse der Grund- und Gemeinschaftsschule Berkenthin. An ihre Babyzeit kann sie sich nicht mehr ganz so gut erinnern: „Eigentlich nur ans Essen und ans Schlafen“, meint sie augenzwinkernd.

Ihr Papa Moritz Brandt aus Groß Weeden dagegen hat diese Zeit noch frisch vor Augen. Denn das war für ihn eine Phase, die stark im Kopf geblieben ist und an die er sich gerne zurückerinnert. „Noch mal machen? Sofort!“, sagt er klar und deutlich.

Väteranteil im Kreisüberm Landesschnitt

So wie er denken mehr und mehr Männer im Herzogtum Lauenburg so und nehmen nach der Geburt ihres Kindes eine Auszeit vom Job. Das lässt sich statistisch an der Zahl der Elterngeld-Bezieher festmachen.

Wie die handwerkliche Krankenversicherung IKK classic jetzt bekannt gab, erhielten 2017 insgesamt 3989 Menschen im Kreis Elterngeld, davon 3134 Mütter und 855 Väter. Der Anteil der Herren lag damit bei 21,4 Prozent. Ein Jahr zuvor waren es mit 754 Vätern (von insgesamt 3837 Elterngeldbeziehern) 19,7 Prozent.

Hintergrund

Elterngeld ist eine staatliche Leistung für junge Familien. Es schafft einen finanziellen Ausgleich, falls die Eltern weniger Einkommen haben, weil sie nach der Geburt zeitweise weniger oder gar nicht mehr arbeiten. Die Transferzahlung gibt es auch für Eltern, die vor der Geburt gar kein Einkommen hatten. Elterngeld gibt es in drei Varianten:

Basiselterngeld kann bis zu zwölf Monate in Anspruch genommen werden. Wenn beide Elternteile diese Leistung beantragen und einer von ihnen nach der Geburt weniger Einkommen hat als davor, sogar bis zu 14 Monate. Der Zeitraum kann zwischen den Eltern aufgeteilt werden. Sie können gleichzeitig oder abwechselnd Elterngeld beziehen. Allerdings muss jeder von ihnen mindestens zwei und maximal zwölf Monate beantragen.

Das ElterngeldPlus verdoppelt den Leistungszeitraum, halbiert aber die monatliche Bezugshöhe. Für Eltern, die während des Bezuges Teilzeit arbeiten, gelten besondere Regelungen.

Mit dem Partnerschaftsbonus können unter bestimmten Voraussetzungen vier weitere ElterngeldPlus-Monate genutzt werden.

Die Höhe des Basiselterngeldes orientiert sich am Durchschnittseinkommen vor der Geburt. Es beträgt monatlich mindestens 300 Euro und maximal 1800 Euro. Es muss beantragt werden. Alle wichtigen Infos, Antragsformulare und Elterngeldstellen vor Ort auf der Website des Bundesfamilienministeriums: www.familienportal.de Quelle: IKK classic

Mit diesem Anstieg lag der Anteil der lauenburgischen Väter sogar über dem prozentualen Landesschnitt von 20,7 Prozent. Den höchsten Väteranteil beim Elterngeldbezug in Schleswig-Holstein verzeichnete 2017 der Kreis Stormarn mit 24,7 Prozent. Die meisten Väter haben das Elterngeld über einen Zeitraum von zwei Monaten bekommen (67,7 Prozent aller Elterngeld-Väter im Land). Im November 2010 wurde Lotta geboren. Damals hatte die junge Mutter Janine noch einen befristeten Arbeitsvertrag, der bald auslief. Danach bestand die Möglichkeit, entfristet eingestellt zu werden. Eine längere Mutter- oder Elternzeit hätte dem damals aber wohl entgegengestanden. Und da Moritz einen unbefristeten Job im öffentlichen Dienst hatte (und nach wie vor hat), „haben wir nicht lange überlegt“.

Moritz Brandt (38) mit Tochter Lotta (9) und Ehefrau Janine (35). Quelle: Joachim Strunk

Sechs Wochen vor und acht Wochen nach der Geburt hatte Janine Brandt ohnehin Mutterschutz, danach ging sie wieder arbeiten. Und Moritz Brandt übernahm für acht Monate das Zepter an Wiege, Herd und Wickeltisch.

Keine Zeit fürNebensächlichkeiten

„Eigentlich hatte ich viele Pläne, was ich in der Zeit alles noch ,mal so nebenher’ erledigen könnte – in Haus und Garten. Aber daraus wurde nicht so viel“, muss er heute noch über seine Naivität lächeln. Denn Babybetreuung ist ein Fulltime-Job.

In der Zeit, wenn das Kleine schläft, müssen viele Dinge erledigt werden. Allein das Essen zubereiten und Wäsche waschen sind zeitraubend. „Ich hatte schon den Anspruch und Ehrgeiz zu zeigen, dass ich alles vernünftig hinkriege“, erklärt Moritz. Was Janine bestätigt: „Moritz hat schon vorher besser und lieber gekocht als ich“.

Was ihm und wohl allen anderen „Kollegen“ anfangs etwas seltsam vorkam: „Beispielsweise wenn ich mit Lotta im Wartezimmer des Kinderarztes saß, und ringsum waren nur Mütter mit ihren Kindern.“ Das Ungewohnte bestand wohl gegenseitig. „Ich hatte das Gefühl, dass einige mit Skepsis, andere eher mit Bewunderung guckten.“

Neu lernen mussten auch Ärzte und Arzthelferinnen. „Als wir erstmals beide mit Lotta zum Arzt gingen, wurde Moritz die Tür vor der Nase zugemacht, nachdem ich mit unserer Tochter eingetreten war“, erinnert sich Janine.

Moritz’ anfängliche Scheu vor handfesten Zugriffen bei dem kleinen Wesen nahm ihm der Kinderarzt mit der Demonstration des liebevoll kräftigen Zupackens. „Sehen Sie – da geht nichts kaputt!“

Moritz Brandt (damals 29) mit seiner Tochter Lotta (5 Monate) im April 2010. Quelle: Privat

Die Zeit mit seiner Tochter war für Moritz eine unvergleichliche Erfahrung. „Sie hat es mir leicht gemacht, sie war ein richtiges ,Einsteigerkind’ für Anfänger-Väter. Sie hat nicht übermäßig geweint, war kaum krank und blieb beim Wickeln immer ruhig auf dem Tisch liegen“, erinnert er sich.

Durch diese Zeit habe nicht nur er eine ganz besondere Bindung an sein Kind entwickelt. „Auch Lotta hat ein absolut gleichberechtigtes Verhältnis zu uns“, sagt Janine. Sie sei weder ein Papa- noch ein Mamakind.

Insofern war die Elternzeit (und das Elterngeld) für beide Elternteile und auch für das Kind eine prägende und positive Erfahrung. „Möglicherweise war es für uns, die wir beide im öffentlichen Dienst angestellt sind, noch etwas leichter als vielleicht für Eltern, die in der freien Wirtschaft tätig sind“, vermutet Moritz. Aus Gesprächen mit Bekannten und Freunden hat er diesbezüglich hin und wieder von Problemen gehört.

„Insgesamt“, ziehen Janine, Lotta und Moritz Brandt ihr Fazit, „war es eine tolle Zeit, die einem niemand mehr nehmen kann.“

Mehr Infos zum Thema Kinderbetreuung im Norden lesen hier

Joachim Strunk

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