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Lauenburg Motorradfahren ist ihr Lebenstraum
Lokales Lauenburg Motorradfahren ist ihr Lebenstraum
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09:40 09.07.2013
Roswita Friedrichsen will sich mit ihren 55 Jahren in der Männerdomäne der Motorradfahrer durchsetzen. Quelle: Alessandra Roeder
Alt-Mölln

Auf der Nebenstraße vor der Mühle in Alt-Mölln dreht ein schwarzes, tiefgelegtes Motorrad seine Runden, auf ihm eine kleine Person in voller Bikermontur und Helm.

Schließlich hält das Motorrad, langsam steigt sein Fahrer von der Maschine und streift sich den Helm ab. Zum Vorschein kommt unter blonden kurz frisierten Haaren ein Frauengesicht.

Roswita Friedrichsen (55) erfüllt sich ihren Lebenstraum: Sie will Motorrad fahren lernen. Die Ratzeburgerin hatte bereits ihre zweite Fahrstunde bei Fahrlehrer Tino Saschenbrecker (39).

Zum Thema: Im Herzogtum Lauenburg sind immer mehr Bikerinnen auf Tour

Mit Mitte 50 Motorrad fahren lernen und das auch noch als Frau? Roswita Friedrichsen musste aus ihrem Umfeld einige blöde Sprüche einstecken. „Oh Gott, was willst du denn als Frau mit einem Motorrad auf der Straße. So viele Gummibäume gibt es gar nicht, wie man da aufstellen müsste“, stichelte ihr Schwager. Doch die Motorrad-Fahranfängerin lässt sich nicht beirren: „Ich will diesen Schein unbedingt haben und werde das durchziehen.“ Frauen sind ihrer Ansicht nach sehr gut auf einem Motorrad aufgehoben. „Die haben mehr Respekt vor der Maschine, Männer sind zu leichtsinnig“, wirft sie ein. Auch Fahrlehrer Tino Saschenbrecker bestätigt diese These: „Die Einstellung ist bei Frauen besser, sie nehmen das Motorradfahren als etwas Anspruchsvolles wahr.“ Den Traum auf einem Motorrad zu fahren, hat die 55-jährige schon seit ihrer Jugendzeit. Mit 16 Jahren war sie in einer Motorradgang und wollte unbedingt mit ihren Jungs zusammen die Straßen unsicher machen. Doch damals war es für sie nicht möglich, sich ihren Wunsch zu erfüllen. „Die Maschinen waren zu groß für mich, ich kam nicht mal mit den Füßen an den Boden“, erklärt die 1,60 Meter große Motorrad-Fahranfängerin. Doch seit einigen Jahren gibt es tiefergelegte Maschinen, die es auch den kleineren Menschen (bis 1,58 Meter) ermöglichen, Motorrad zu fahren.

Später wollte ihr ehemaliger Partner Roswita Friedrichsen lieber nicht auf einer Maschine durch die Gegend jagen lassen. Ihr jetziger Mann hat selber ein Motorrad und mehr Verständnis für ihre Leidenschaft. Die vielen gemeinsamen Ausflüge erweckten in der Motorradliebhaberin noch mehr das Bedürfnis, nicht nur als Beifahrerin dabei zu sein, sondern auch selber am Lenker zu sitzen. „Ich habe mir gesagt, du machst das jetzt diesen Sommer oder du wirst es nie wagen“, sagt sie euphorisch.

Friedrichsen beschreibt sich selbst als sehr temperamentvoll. Die angehende Bikerlady hat auch durch ihren Beruf die nötige Coolness erworben. „Ich arbeite im Gefängnis, da darf man nicht ängstlich sein.“ Die 55-jährige geht mit ihrer zwanzigjährigen Berufserfahrung auch bei Prügeleien dazwischen. Beim Autofahren sei sie sehr selbstbewusst, doch vor dem Motorradfahren habe sie Respekt. „Ich will nicht mit 150 Sachen durch die Gegend rasen, sondern erstmal Sicherheit beim Umgang mit der Maschine lernen“, sagt sie.

Wenn sie den Schein hat, wird die zukünftige Motorradfahrerin sich sofort ihre eigene Maschine kaufen, längere Touren plant sie jedoch vorerst lieber nicht. „Erstmal will ich die nähere Umgebung mit meinen Mann erkunden.“ Ihre beiden Kinder sind sehr stolz auf das Vorhaben ihrer Mutter. Ihr Sohn wollte, dass seine Mama ihn das nächste Mal mit dem Motorrad in Leverkusen besucht und ihre Tochter überlegt nun auch, den Motorradschein zu machen. Roswita Friedrichsen ist bereit alles zu geben, um endlich die Freiheit auf der Maschine zu spüren. „Ich bin nicht der Typ der den Kopf in den Sand steckt und werde für meinen Traum kämpfen“, kündigt sie an.

Männer sind leichtsinnige Motoradfahrer, Frauen passen besser auf sich und Andere auf.“Roswita Friedrichsen (55), Motorrad-Fahranfängerin

Alessandra Röder