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Lauenburg Müll-Chaos bei der AWSH vor dem Ende
Lokales Lauenburg Müll-Chaos bei der AWSH vor dem Ende
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20:10 23.07.2018
Die Linke fordert eine „Rekommunalisierung der Müllabfuhr“ und hängt entsprechende Postkarten an nicht abgeholte Tonnen. Quelle: Foto: Hfr
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„Im Moment haben wir einen Rückstand von nur noch ein bis zwei Werktagen. Vor einigen Wochen waren es noch fünf bis sechs Werktage“, sagt Olaf Stötefalke, Sprecher der Abfallwirtschaft Südholstein.

Damit nähere man sich deutlich den Terminen im regulären Abfallkalender, so der AWSH-Sprecher.

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Und das hat auch Auswirkungen auf das Krisenmanagement der kommunalen Abfallgesellschaft. „Es scheint inzwischen sinnvoller zu sein, die Behälter zum regulären Abfuhrtermin an die Straße zu stellen und sie dort gebenenfalls ein bis zwei Tage länger stehen zu lassen, als die Hinweise aus der App zu nutzen“, sagt Stötefalke. Denn durch das teilweise deutlich schnellere Aufholen des Rückstandes als erwartet, sei es für die Kunden enorm wichtig, die App jeden Abend zu aktualisieren. „Wir pflegen dort jeden Abend die aktualisierten Termine ein und die liegen inzwischen häufig deutlich vor den noch zwei Tage zuvor veröffentlichten Prognosen“, heißt es von der AWSH. Das Problem ist inzwischen also nicht mehr, dass sie Müllabfuhr immer später kommt, sondern inzwischen häufig früher als im Rückstandplan prognostiziert. Wer sich da nicht jeden Abend vergewissere, laufe Gefahr, der Abfuhrtermin zu verpassen.

Begünstigt wird das Aufholen des Rückstandes offenbar durch die Urlaubszeit. Wie auch in früheren Jahren üblich, stünden deutlich weniger Tonnen an der Straße. Die Teams aus Ladern und Fahrern würden deutlich mehr aufholen können. „Wir waren bisher mit unseren Prognosen sehr vorsichtig. Aber derzeit gehen wir davon aus, dass ab Mitte August wieder der reguläre Abfuhrkalender eingehalten werden kann“, sagt Stötefalke.

Die Linke hat inzwischen eine Kampagne zur Rekommunalisierung der Müllabfuhr gestartet. So habe man „in den letzten Tagen einige Tausend Klinkenanhänger an die seit Tagen nicht abgeholten Mülltonnen im Kreisgebiet gehängt“, sagt Michael Schröder, Kreistagsabgeordneter und Ratzeburger Stadtvertreter. „Schöne Worte von den Landräten und von der Geschäftsführung der AWSH werden in absehbarer Zeit nicht zu einer Besserung der Situation führen“, so Schröder weiter.

Deutliche Zweifel hegt der Kommunalpolitiker auch an der Grippewelle, die vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung vor einigen Monaten als maßgebliche Ursache für die „höchste Krankenstandsquote seit 1996“ ausgemacht wurde und in Krankenhäusern nicht nur dafür sorgte, dass besonders viele Influenza-Patienten behandelt werden mussten, sondern auch für einen dramatischen Engpass beim Personal. Das Kieler Gesundheitsministerium sprach bereits im März von 280000 erkrankten Schleswig-Holsteinern. Die Linke sieht das offenbar anders. „Grippewellen hat es immer schon gegeben und treffen andere Unternehmen genauso, ohne dass es anderswo zu Leistungsrückständen von mehr als einer Woche kommt“, sagt Schröder.

Auch die Erhöhung der Anzahl der Bioabfallbehälter sei „nicht aus heiterem Himmel gekommen, sondern wurde von der AWSH aus guten Gründen über mehrere Jahre gezielt angestrebt“. Daher wäre für die Müllabfuhr jetzt eine Rekommunalisierung „der einzig richtige Schritt. Sollte sich die GEG noch mal berappeln und zu einer ordnungsgemäßen Leistungserbringung zurückkehren, müssten jetzt die erforderlichen Schritte in die Wege geleitet werden, damit der Kreis beziehungsweise die AWSH die Leistungen mit Auslaufen der Verträge Ende 2020 übernehmen kann.“

Linke will Übernahme

Würden die Probleme weiter bestehen, könnte der Kreis dem Unternehmen eine „freundliche“ Übernahme anbieten. „Das Unternehmen könnte drohende Regressansprüche abwenden und hätte gleich jemanden, der den gesamten Fuhrpark übernimmt“, so Schröder.

Neu sind die Ideen der Linken in dieser Richtung allerdings nicht. Entsprechende Szenarien werden durchaus bereits seit Wochen durchgespielt – mit Wissen der AWSH.

Holger Marohn

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