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Lauenburg Familien gründen Start Up für eigene Work-Life-Balance
Lokales Lauenburg Familien gründen Start Up für eigene Work-Life-Balance
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11:03 23.11.2019
Schwarzenbek

Sie wollten nicht länger 80 Kilometer täglich zum Arbeitsplatz nach Hamburg und zurück fahren, mehr Zeit für ihre Kinder haben und dennoch berufstätig und innovativ sein. Aus diesen Wünschen entstand im Januar 2018 die „CROMIND Technologies GmbH“ mit Sitz in Schwarzenbek, dem Heimatort von Isabella Stegmann Pineda (35) und Jasmin Mulzer (36). Die beiden Mütter von insgesamt fünf Kindern haben sich vor drei Jahren in einem Café kennen gelernt. Jetzt sind sie Freunde und Arbeitskolleginnen einer Firma für Hard- und Softwareentwicklung mit eigener Produktpalette.

Von Brasilien nach Schwarzenbek

Der Weg nach Schwarzenbek führte über Brasilien und Hamburg. In Sao Paulo an einer deutschen Schule hatten sich Isabella Stegmann Pineda und ihr Mann Mark (32) kennen gelernt. Mark, der einen deutschen Großvater hat, wollte in Deutschland studieren, Maschinenbau und Ingenieurwesen. Seine deutsche Frau Isabella, gelernte Speditionskauffrau, die in Brasilien aufgewachsen war, ging mit. Das Paar lebte und arbeitete in Hamburg. Mark war zuletzt als Qualitätsmanager für ein großes Industrieunternehmen tätig, seine Frau in leitender Position bei der Spedition Kühne und Nagel. Als 2014 und 2016 die ersten beiden der insgesamt drei Kinder geboren waren, stand für das Paar fest: Unsere Work-Life-Balance stimmt nicht mehr. Wir brauchen mehr Zeit für unser Familienleben. „Ich war nur 50 Tage im Jahr im Büro, die übrige Zeit mit dem Auto zu Kunden in Norddeutschland unterwegs“, sagt Mark.

Viele Ideen, wenig Gehör bei den Chefs

Der Maschinenbauer hatte viele Ideen im Kopf, wie Prozesse in der Firma optimiert werden könnten, fand aber wenig Gehör bei seinen Vorgesetzten. Das brachte ihn auf die Idee, sich selbstständig zu machen, zusammen mit seinem ehemaligen Kollegen Johann Schmidt gründete er CROMIND. Inzwischen gibt es fünf Mitarbeiter in Deutschland, zwei in Belgrad, zwei in Brasilien. Zum Team in Schwarzenbek gehört Jasmin Mulzer, Mutter von zwei Kindern. Sie ist in Hamburg aufgewachsen, hat Nahost-Wissenschaften und Politologie studiert, spricht Arabisch und Französisch, hat für das Bundesministerium für Bildung und Forschung gearbeitet und ist viele Jahre zwischen Leipzig und Tunis gependelt. Im Studium hatte sie ihren Mann, einen Schwarzenbeker Architekten, kennengelernt. Das Paar zog 2014 nach Schwarzenbek, und mit den zwei Kindern wuchs der Wunsch, mehr zu Hause bei der Familie zu sein. Dennoch wollte die 36-Jährige einer anspruchsvollen Tätigkeit nachgehen. Als Jasmin die Stegmanns in einem Café und auf Spielplätzen näher kennenlernte, war sie noch für das Jugendaufbauwerk in Geesthacht tätig, leitete Bildungsmaßnahmen für Flüchtlinge. Jetzt ist sie bei CROMIND im Business Development und für die Entwicklung und Umsetzung neuer Geschäftsideen verantwortlich.

Messsystem für chemische Industrie

„Willkommen bei deinem innovativen Technologiepartner. Begleitung von der Idee zum Prototypen.“ So stellt sich das kleine Schwarzenbeker Unternehmen auf seiner Homepage vor. Was heißt das genau? Neben der Hard- und Softwareberatung und der Unterstützung kleiner und mittlerer Betriebe bei der Digitalisierung ist die Entwicklung eigener Produkte das dritte Standbein von CROMIND. So hat das Team zum Beispiel ein Messsystem für die chemische Industrie entwickelt, für die Schifffahrtsindustrie ein Testgerät zur Messung des Säuregehalts im Öl konzipiert und ein System zur Messung der Wasserqualität an den Stränden Brasiliens entwickelt. „Es reagiert viel schneller als herkömmliche Messmethoden in Laboren, denn mit dem Gerät ist eine Live-Messung möglich“, sagt Ingenieur und Maschinenbauer Mark Stegmann Pineda. Für Kinder hat die Schwarzenbeker Firma ein Lernspielzeug entwickelt, das analoge Bildung und digitale Technik vereinbart. „Die Idee entstand bei uns am Wohnzimmertisch beim Spielen mit den Kindern“, sagt Isabella. Die junge Firma CROMIND hat bisher etwa ein Dutzend Kunden von ihrer flexiblen, agilen Arbeit überzeugen können, darunter Unternehmen mit Millionen-Umsätzen. „Wir können viel schneller arbeiten als die Entwicklungsabteilungen der großen Firmen. Unser Produkt braucht von der Idee bis zur Realisierung nur drei Monate“, sagt Mark Stegmann. „Wir wollen, dass Mitarbeiter und Kunden zufrieden sind.“

Von Silke Geercken