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Lauenburg Privat-Museum im Müssener Bauernhaus
Lokales Lauenburg Privat-Museum im Müssener Bauernhaus
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11:49 28.02.2019
Annegret und Günter Höltig öffnen ihr Haus in Müssen, um die in mehr als 30 Jahren auf dem Acker gesammelten Fundstücke zu zeigen. Diese Urne ist 300 Jahre  alt.
Annegret und Günter Höltig öffnen ihr Haus in Müssen, um die in mehr als 30 Jahren auf dem Acker gesammelten Fundstücke zu zeigen. Diese Urne ist 300 Jahre alt. Quelle: Silke Geercken
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Müssen

Seine Leidenschaft begann 1981. Da fand Landwirt Günter Höltig aus Müssen beim Anlegen eines Spargelfeldes jede Menge Scherben. Sie stammen aus der römischen Kaiserzeit 300 n. Chr. und gehörten zu einer Urne. Höltig begann, das „Puzzle“ zusammen zu setzen. Sein Interesse für Vor- und Frühgeschichte begann, unterstützt von Ehefrau Annegret. Heute gibt es Hunderte von Exponaten aus alter Zeit, die in Schaukästen in seinem Bauernhaus zu sehen sind. Jetzt kann jeder die Ausstellung besuchen.

Seit 400 Jahren in Familienbesitz

Die Bauernstelle der Höltigs ist seit 403 Jahren in Familienbesitz. Günter Höltig ist in Müssen zur Schule gegangen. Sein geschichtliches Wissen ist jedoch erst in den vergangenen 30 Jahren gewachsen. „Meine Frau und ich haben damals eine Schubkarre voller Scherben vom Feld geholt, die waren beim Pflügen ans Tageslicht gekommen. Ich konnte zunächst nichts damit anfangen, habe sie dann vom archäologischen Landesamt untersuchen lassen“, sagt Höltig. Das Museum Schloss Gottorf hat inzwischen einige Exponate aus Müssen in seiner Ausstellung, viele Funde durfte Höltig behalten oder er bekam Repliken. Unterstützt bei der Einschätzung der Funde wurde der Landwirt von Werner Urban, ehemaliger Lehrer und Hobby-Archäologe aus Schwarzenbek. Die jetzt geplante Ausstellung war eine Idee des Fördervereins Alte Schule Müssen. Der erste Fund entpuppte sich als Urne. Wochenlang hat Höltig die Teile zusammengefügt. Auch der Laichenbrand mit Teilen eines Kiefers wurde neben den Scherben gefunden. „Den wollte ich aber nicht im Haus haben – aus Respekt gegenüber dem Toten“, sagt Annegret Höltig.

Schätze aus der Wikingerzeit

Nicht jeder erkennt die Spuren der Menschen, die vor langer Zeit an jener Stelle gesiedelt haben, wo sich heute das Dorf Müssen entwickelt. Günter Höltig weiß, dass schon sehr viel früher Menschen auf seinem Land gelebt haben. Für ein Spargelfeld wird der Pflug etwa 40 Zentimeter tief in den Boden eingebracht, auf einem Kartoffelacker nur 20. Diese Differenz reicht offenbar aus, um Schätze hervorzubringen, die Historiker auf das Ende der Wikingerzeit, also etwa 1000 n. Chr. datieren. Bei Familie Höltig in der Mühlenstraße kann man viele Steinwerkzeuge und sogar eine Urne aus dieser Zeit besichtigen. Als Günter Höltig die Urnenteile fand, stellte er fest, dass noch ein paar Teile fehlten. Er ging zurück aufs Spargelfeld, genau an die Stelle, wo er sie vor drei Wochen beim Pflanzen gefunden hatte. Er zog mehrere Spargelpflanzen wieder aus der Erde und stieß tatsächlich die fehlenden Teile.

Sichelspitze fünf Jahre später gefunden

Noch mehr Finderglück hatte er mit einer Sichel aus der Bronzezeit (1300 – 1100 v. Chr.), die jetzt im Landesmuseum in Schleswig ausgestellt ist. Als er sie fand, fehlte die Spitze der Sichel. Fünf Jahre später fand er an der gleichen Stelle das fehlende Stück. „Es war einfach Glück, meine Augen sind inzwischen sensibilisiert“, sagt Höltig. Das größte Exponat seiner Sammlung steht in einem Schaukasten im Wohnzimmer. Es diente als Vorratsbehälter und Kühlschrank, war fast vollständig in der Erde vergraben. Die ältesten Funde aus der Steinzeit vor 3000 Jahren sind Steinbeile. Ein Armband aus der Bronzezeit sowie Perlen und Knöpfe aus der Zeit der Wikinger sind weitere Fundstücke.

Termine der Ausstellung

Immer sonnabends, am 2., 9. und 30. März jeweils um 15 Uhr öffnet Familie Höltig in der Mühlenstraße 16 in Müssen ihre Tür und gibt Einblicke in eine umfangreiche Sammlung vor- und frühgeschichtlicher Zeugnisse. Günter Höltig wird von seinen Funden erzählen. Da die Teilnehmerzahl auf 15 begrenzt ist, bittet der Förderverein um Anmeldung unter E-Mail: karl@asmus-home.de oder Telefon 04155/82 33 92.

Förderverein seit 2003

Der Förderverein Alte Schule Müssen wurde 2003 gegründet mit dem Ziel, die 100 Jahre alte Schule vor dem Abriss zu bewahren. Jetzt befinden sich dort Schule und Kita sowie in Räume des Vereins mit 107 Mitgliedern. Der Verein bietet regelmäßig kulturelle Veranstaltungen und Wanderungen an.

Silke Geercken