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Lauenburg Klaus Schlie gewinnt die Vertellerpiep
Lokales Lauenburg Klaus Schlie gewinnt die Vertellerpiep
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12:41 07.01.2019
Vörsitter Ralf Hintze (re.) hat die Vertellerpiep an Klaus Schlie übergeben. Der hatte nach Meinung der Jury die beste Geschichte erzählt. Quelle: Jens Burmester
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Mölln

Landtagspräsident Klaus Schlie hat in diesem Jahr bei der Museumshöge die Vertellerpiep gewonnen. Bei der 67. Museumshöge auf der Ratsdiele im historischen Möllner Rathaus hatte er die beste Geschichte vorgetragen. Holger Burmester, der von der Jury auf Platz drei bewertet wurde sowie der zweitplatzierte Horst Gloyer erhielten für ihre Vorträge jeweils eine silberne Erinnerungsplakette.

Der Ehrenvörsitter Hans Reis machte natürlich auch wieder mit. Reis wird im April 90 Jahre alt. Quelle: Jens Burmester

Hans Reis: Mit fast 90 Jahren noch immer gut gelaunt dabei

Traditionell am ersten Sonnabend im Jahr fand auch in diesem Jahr wieder die Museumshöge des Freundeskreises Möllner Museum statt. Es war die nunmehr 67. Höge seit der Gründung durch die zwölf Apostel, zu denen als siebter Apostel unter anderem auch Fortsamtsrat und Ameisenvater Heinz Ruppertshofen zählte. Mit dabei in diesem Jahr war auch Hans Reis, der Ehrenvörsitter des Vereins, der 2017 nach 24 Jahren nicht wieder für das Amt kandidierte und von Ralf Hintze als Vorsitzender abgelöst wurde. Reis wird im April 90 Jahre alt und sang bei allen Musikstücken lautstark mit und hörte bei den vielen plattdeutschen Geschichten aufmerksam zu.

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Der Abend begann wie in jedem Jahr im Eulenspiegelmuseum gegenüber des historischen Rathauses. Mit dem obligatorischen Ruf „Kumm rinn“ wurde jedem Gast nach dessen Klopfen an die schwere Museumstür geöffnet. Die Höge beginnt traditionell mit einem kurzen Grußwort des Vörsitters zu Ereignissen und Anschaffungen aus dem vergangenen Jahr und einem guten Schluck Medizin für alle Teilnehmer, der wie in jedem Jahr von Apotheker Detlef Greve „zusammengebraut“ wurde.

Hans Vokuhl(vli), Egon Sbey und Uwe Diestel singen aus voller Brust mit Quelle: Jens Burmester

Dann ging es zur Ratsdiele des historischen Rathauses. Etwas mehr als 70 Gäste versammelten sich dort und wurden auch hier noch einmal herzlich begrüßt. Unter den Gästen erstmals der neue Bürgervorsteher der Stadt Mölln, Jan-Frederik Schlie, seine Vorgängerin im Amt und Großmutter Liselotte Nagel und Landtagspräsident Klaus Schlie. „Es ist das erste Mal, dass drei Generationen einer Familie an einem solchen Abend dabei sind“, machte Hintze deutlich.

Liselotte Nagel, Möllns ehemalige Bürgervorsteherin darf als einzige Frau an der Veranstaltung teilnehmen. Quelle: Jens Burmester
Peter Meyer aus Gudow trat auch wieder an und erzählte von einem Campingurlaub in Deutschland Quelle: Jens Burmester

Zu Essen gab es traditionell Grünkohl, der vom „Hotel Weißes Roß“ serviert wurde. 32 Kilogramm Grünkohl, 25 Kilo Kartoffeln, 120 Kohlwürste, vier Strang Kasseler und vier große Schweinebacken wurden dafür verarbeitet, so Küchenchef Sönke Schlie.

„Sich högen“ heißt sich freuen. Das taten die Anwesenden – und nicht zu knapp. Spaß machten die neun Geschichten, die es an diesem Abend zu hören gab. Holger Rudi Ragge erzählte aus seiner Kindheit , die sich zumeist in Kehrsen und Lehmrade abgespielt hatte, während Horst Gloyer´s Geschichte von einem Eber handelte. Klaus Schlie erinnerte an die alten Zeiten, wenn in Mölln der Herbstmarkt stattfand, Peter Meyer berichtete vom Sommerurlaub mit dem Campingwagen und Harro Meinert-Petersen erinnerte sich an die Zeiten, da das Essen knapp war und er und seine Familie stets von der Mutter ausreichend beköstigt wurden.

Harro Meibnert-Petersen sprach von Zeiten, da es wenig zu essen gab und dankte seiner Mutter, die immer alle satt bekommen hat. Quelle: Jens Burmester

Steffen Rohweder erinnerte in seiner Geschichte an die Eulenspiegelfestspiele im vergangenen Jahr, er ermunterte aber auch andere Mitglieder des Vereins, hier Geschichten zum Besten zu geben, auch wenn deren Plattdeutsch nicht das Beste sei. Es gehe schließlich um die schönen Geschichten, nicht wer am besten der plattdeutschen Sprache mächtig sei. Die letzten drei Geschichten handelten irgendwie alle von Autos. Holger Burmester hatte offenbar diverse Erfahrungen mit sämtlichen Möllner Autohäusern, und das waren einmal viel mehr als heute, gemacht, Kay Voß erzählte von merkwürdigen Fahrübungen am Hafen und Paul Petersens Geschichte handelte von einem Autokauf noch kurz vor dem zweiten Weltkrieg.

Steffen Rohweder forderte alle Mitglieder auf, sich auch am erzählen von Geschichten zu beteiligen. Quelle: Jens Burmester

Natürlich wurden zwischendurch auch gesungen –von Snuten un Poten, vom Hamburger Veermaster oder vom Jung an de Eck mit´n Tüddelband. Der ehemalige Kriminaldirektor Manfred Sahm musste dann die Vertellerpiep, die er im vergangenen Jahr bekommen hatte, wieder abgeben. Er versprach, dass er es in einigen Jahren noch einmal versuchen werde, die Piep zu bekommen. Zunächst aber gilt für ihn wie für alle anderen Gewinner eine Sperre für fünf Jahre.

Der diesjährige Gewinner Klaus Schlie wird die Vertellerpiep nun erst einmal für zwei Monate in seinem Dienstzimmer im Landeshaus aufhängen. Anschließend soll sie bis zur nächsten Höge in seiner Bibliothek zu Hause einen Platz finden.

Der Verein Freundeskreis Möllner Museum e.V. zählt genau 72 Mitglieder. Ursprünglich haben die sogenannten zwölf Apostel den Verein gegründet. Die Zahl zwölf ist dann verdoppelt worden und auch diese 24 Mitglieder wurden noch einmal verdoppelt, dann kamen noch einmal 24 hinzu. Mehr als 72 Mitglieder darf der Verein laut Satzung nicht aufnehmen. Aber es gibt eine Warteliste, auf der immer etwa 20 Personen stehen. Die werden vom Verein eingeladen, an der Höge teilzunehmen. Nur wenn ein Mitglied austritt oder durch Tod ausscheidet, kann der Platz neu vergeben werden. Der Beitrag kostet 15 Euro im Jahr und erwartet wird zudem eine Spende von mindestens 50 Euro im Jahr.

Jens Burmester