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Lauenburg Naturschützer schlagen Alarm: Ohne Fischtreppen am Geesthachter Stauwehr sterben Arten
Lokales Lauenburg Naturschützer schlagen Alarm: Ohne Fischtreppen am Geesthachter Stauwehr sterben Arten
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09:13 04.12.2019
Umweltverbände fordern zeitnahe Reaktivierung der zugeschütteten kleinen Fischaufstiegsanlage am Stauwehr Geesthacht. Quelle: TIMO JANN
Geesthacht

„Die Elbe muss passierbar sein!“ Diese Forderung haben die Umweltverbände Nabu, BUND, WWF, Grüne Liga und DNR am Dienstag in einem Schreiben an die zuständigen Behörden in Bund und Länder gerichtet. Hintergrund ist die seit überraschend festgestellten Bauschäden massiv eingeschränkte Passierbarkeit des einzigen Stauwehrs an der Elbe in Deutschland. Wanderfische können das Wehr bei Geesthacht kaum noch überwinden, denn am südlichen Elbufer wurde eine kleine Fischtreppe komplett zugeschüttet, die große Aufstiegshilfe am nördlichen Ufer ist wegen zugeschütteter Lockströmungen für die Fisch kaum noch auffindbar.

Jürgen Vollbrandt, Heike Kramer und Jens Gutzmann (von links) vom Geesthachter Naturschutzbund haben die Forderungen an die Behörden ausgearbeitet. Quelle: TIMO JANN

„Es ist keine Frage, dass das beschädigte Stauwehr schnellstmöglich instandgesetzt werden muss, um die Sicherheit des Bauwerks zu gewährleisten. Aber bei diesen Arbeiten muss auch die Passierbarkeit für Fische wiederhergestellt werden. Sollte das erst in fünf Jahren oder noch später erfolgen, sind alle Bemühungen zur Wiederansiedlung von Fischen in der Elbe vergeblich gewesen“, erklärt Heike Kramer, die Vorsitzendes des Naturschutzbundes in Geesthacht.

Tausende Tonnen Füllmaterial stabilisieren Damm

Wie berichtet, war zunächst Anfang August ein abgerutschter Damm am Stauwehr festgestellt worden. Experten vermuten, dass fünf Rinnen, durch die Wasser den Damm überspült und unterhalb des Wehres für Fische eine Lockströmung zur Aufstiegshilfe erzeugten, den Schaden verursacht hatten. Mit mehreren Tausend Tonnen Füllmaterial konnte der Damm stabilisiert werden, derzeit laufen Restarbeiten, um den Damm gegen Eisgang und Sturmflut zu sichern. Im September wurde dann am südlichen Elbufer eine beschädigte Spundwand entdeckt, die einzustürzen drohte. Die 40 Zentimeter aus der Flucht gedrückte Wand stützt das Gelände, auf dem einer der Pfeiler der Elbbrücke steht. Um einen Einsturz zu verhindern, wurde die kleine Fischtreppe kurzfristig mit Bigbags und Kies verfüllt.

Unter anderem mit Bigbags wurde die Fischaufstiegsanlage verschlossen, um die Gefahr eines Einsturzes zu bannen. Quelle: TIMO JANN

„Unterhalb des Stauwehrs kam es dadurch im Oktober zu einem Rückstau von Wanderfischen, während oberhalb der Staustufe die zu erwartenden Fischmengen nicht eintrafen“, beschreibt Jens Gutzmann vom Nabu Geesthacht die prekäre Situation. Die Umweltverbände sehen in den Beobachtungen ihre Befürchtungen bestätigt, dass Laich- und Lebenszyklen einzelner Fischarten wie Lachse und Meerforellen gefährdet sind. Für beide Arten hatte es zuletzt mit erheblichem finanziellen und personellem Aufwand Wiederansiedlungsprojekte gegeben. „Die Erfolgsaussichten sind fraglich, wenn sich die Situation nicht schnell bessert sind die Maßnahmen tot“, sagt Gutzmann.

„Gewässer muss durchgängig sein“

Bei einem Ortstermin mit dem zuständigen Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) hatten sich die Umweltverbände direkt informiert. „Man geht von einem Zeitraum von bis zu 15 Jahren für die geplanten Instandsetzungsarbeiten am Wehr aus. Dann würde die Fischpopulation in der Elbe zusammenbrechen“, so Heike Kramer. „Wir brauchen eine schnelle Reaktivierung der Lockströmung, ein temporäres Angelverbot und eine optimierte Wiederherstellung der kleinen Fischtreppe“, macht Jürgen Vollbrandt vom Nabu Geesthacht deutlich. 90 Prozent des Laichgebietes der Fische liegen hinter dem Geesthachter Stauwehr und gelten jetzt als abgekoppelt.

„Die Wasserrahmenrichtlinie verlangt, dass Gewässer durchgängig sein müssen, um auch beim Fischbestand einen guten ökologischen Zustand zu erreichen“, erklärt Thomas Behrends von der Landeswasserstelle beim Nabu Schleswig-Holstein. Die Öffnung des unterhalb des Wehres abgeschotteten Rönner Werders ist eine weitere Forderung des Naturschutzbundes. Der etwa zwei Kilometer lange Seitenarm der Elbe würde einen neuen Tideauen-Lebensraum erschließen, außerdem stellt er die frühere natürliche Wanderstrecke der Fische dar. Spätestens zum September 2020 müsste der Fischaufstieg neu hergestellt und auffindbar sein, fordern die Umweltverbände schnelle Entscheidungen. Dann könnte die nächste Laichsaison gesichert werden.

Um die etwa vier Meer Höhenunterschied am Stauwehr auf dem Weg in ihre Laichgebiete überwinden zu können, brauchen Wanderfische zwingend funktionierende Aufstiegshilfen. Quelle: TIMO JANN

Durch den Ausfall des Stauwehrs während der Sicherung des abgerutschten Dammes im August konnte das Schiffshebewerk in Scharnebeck im Zuge des Elbe-Seiten-Kanals (ESK) über eine Woche lang aufgrund von Niedrigwasser nicht arbeiten. Der Binnenschiffsverkehr von und nach dem Hamburger Hafen auf der Elbe kam damit zum Erliegen.

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Von Timo Jann

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