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Lauenburg Neue Chefin: Marina Greßmann übernimmt die Löwen-Apotheke
Lokales Lauenburg Neue Chefin: Marina Greßmann übernimmt die Löwen-Apotheke
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16:25 25.04.2019
Marina Greßmann wird die neue Chefin der Löwen-Apotheke in Mölln und damit Nachfolgerin von Detlev Greve. Seit ihrer Gründung anno 1637 hatte diese Apotheke bisher 23 Inhaber. Quelle: Norbert Dreessen
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Mölln

 Mit fünf Apotheken – davon gleich vier in der Altstadt – ist die Stadt Mölln wirklich gut versorgt. Detlev Greve, Chef der Löwen-Apotheke an der Hauptstraße, hatte allerdings Probleme, einen Nachfolger zu finden, als sich der 76-Jährige entschloss, aus Altersgründen in den Ruhestand zu treten. „Ich habe mehrere Jahre gesucht, bis ich jemanden gefunden habe, dem ich meine Apotheke gern anvertraue“, erzählt Greve. Wäre ihm das nicht gelungen, hätte er den Betrieb wahrscheinlich aufgegeben, fügt er hinzu.

Aus Sehnsucht zurück in den Norden

In diesem Haus an der Marktstraße fing alles an: Hier wurde 1637 die erste Apotheke in der Stadt Mölln eröffnet. Quelle: Norbert Dreessen

Doch dann erschien Marina Greßmann in Mölln. Die 52-Jährige stammt aus Kappeln und besaß zuletzt eine Apotheke in Berlin. Die Sehnsucht nach ihrer Heimat Schleswig-Holstein war aber so groß, dass sie gern wieder nach Norddeutschland wechseln wollte: „Mölln kannte ich bis dahin nicht, aber ich habe mich in diese Stadt schockverliebt“, erklärte sie den LN. Das Angebot, die traditionsreiche Apotheke zu übernehmen und in ein dazugehöriges Haus mit Seegrundstück zu ziehen, habe sie einfach nicht ablehnen können. Sie freue sich sehr auf die neue Aufgabe, die sie kommende Woche übernehmen wird.

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Mehr zum Thema: Apotheken schließen – Weite Wege für Patienten auf dem Land.

Die Freude über die Übernahme liegt auf beiden Seiten: „Ich bin sicher, dass ich mit Frau Greßmann eine tüchtige Nachfolgerin gefunden habe, die mit guten neuen Ideen diese Apotheke weiter voranbringen wird“, sagt Greve. Immerhin blickt die Löwen-Apotheke auf stolze 382 Jahre zurück.

Zahlreiche Ausstellungsstücke aus längst vergangenen Zeiten

Historisch wertvoll ist dieser Original-Schrank mit allerlei Arznei des Homöopathie-Begründers Samuel Hahnemann. Quelle: Norbert Dreessen

Sie hieß jedoch nicht immer so und war auch nicht immer an der jetzigen Stelle zu finden. Urkundlich verbrieft ist, dass es seit 1637 in der Marktstraße im Herzen Möllns die Rats-Apotheke gab. Ab 1882 trug sie den Namen Löwen-Apotheke. Im Jahr 1892 zog sie in die Bahnhofstraße um, 1936 dann in die Hauptstraße. „In diesem Haus befand sich bis dahin das Hotel Germania“, erzählt Apotheker Greve. Dieses Gebäude wurde von seinem Großvater Wilhelm Greve erworben. Der war es auch, der über dem Eingang den mit echtem Blattgold belegten Löwen anbrachte.

Teile der Apotheken-Einrichtung wurden bei jedem Umzug mitgenommen. So findet man denn auch in der Löwen-Apotheke so manches Stück aus längst vergangenen Zeiten, das heute meist nur Dekorationszwecke erfüllt. Dazu zählt ein historisch bedeutsamer Schrank: Er gehörte Samuel Hahnemann, dem Begründer der Homöopathie. Anfang des 19. Jahrhunderts lebte und arbeitete er in Mölln, damals in der Apotheke an der Marktstraße. Ein paar Dutzend Fläschchen, gefüllt mit Pulvern und kleinen Tabletten, ließ er samt dem Möbelstück zurück.

Ein Service, „den keine Versandapotheke der Welt bietet“

Jünger ist die unverwechselbare halbrunde Holzkonstruktion, an der die Kunden bedient werden. Dies sei nicht irgendein Verkaufstresen, sagt Detlev Greve: „In Apotheken wird nicht nur verkauft, wir sind auch eine Art Sozialstation.“ Hier gebe es eine persönliche Beratung, die vielen Kunden enorm wichtig sei und die keine Versandapotheke der Welt bieten könne. Ein paar tröstende Worte hätten auch noch keinem Kranken geschadet, fügt er hinzu. Marina Greßmann, so hofft Detlev Greve, soll die Löwen-Apotheke mindestens bis zu deren 400-jährigen Bestehen führen – das Jubiläum kann 2037 gefeiert werden.

Lesen Sie auch unsere Reportage zu dem Thema: Apotheken finden kaum noch Fachkräfte.

Er soll Kraft und Stärke ausstrahlen: der goldene Löwe über jener Apotheke, die seinen Namen trägt. Quelle: Norbert Dreessen

Insgesamt sinkt die Zahl der Apotheken in Deutschland allerdings – langsam, aber stetig. Im Jahr 2018 gaben immerhin 325 Betriebe auf, so dass es bundesweit jetzt noch 19 423 sind. In Schleswig-Holstein gibt es noch 650 Apotheken, also eine für jeweils 4446 Einwohner. Mölln ist mit einer Apotheke pro 3806 Bewohnern besser versorgt. Rechnet man jedoch die (apothekenlosen) Umlandgemeinden hinzu, kommt man wieder etwa auf den Landes-Durchschnitt.

Das ehemalige Heim des Begründers der Homöopathie

Samuel Hahnemann (1755 – 1843), der ab dem Jahr 1800 als Arzt und Chemiker für einige Zeit in der Möllner Markt-Apotheke wirkte, wurde als Begründer der Homöopathie bekannt. 1810 veröffentlichte er das „Organon der Heilkunst“, bis heute ein Standardwerk für homöopathische Therapeuten.

Homöopathische Medikamente basieren auf natürlichen Stoffen in extremer Verdünnung und kommen dadurch der Ablehnung mancher Patienten gegenüber chemischen Präparaten entgegen. Die Therapie gilt als „sanfte“ Medizin und hat weltweit eine Menge Anhänger, darunter sind auch einige Ärzte und Apotheker. Viele Experten sehen Hahnemanns Methoden allerdings als völlig wirkungslos an.

Der Wissenschaftsrat der europäischen Akademien fordert sogar, dass homöopathische Mittel keine Genehmigung mehr als Arzneimittel bekommen sollen. Die Wissenschaftler halten die Produkte für gefährlich, denn durch diese alternative Medizin könnten notwendige Therapien verzögert oder unterlassen werden.

Norbert Dreesen