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Lauenburg Ein Schiff für die Gastro-Azubis am BBZ
Lokales Lauenburg Ein Schiff für die Gastro-Azubis am BBZ
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15:54 13.09.2019
Der BBZ-eigene Frachter soll zu einem Schulungsschiff für angehende Gastronomen umgebaut werden. André Weidemann leitet das Projekt. Quelle: Holger Marohn
Mölln

Ruhig liegt die „Geeste“ an ihrem Liegeplatz auf dem Möllner Ziegelsee. Einst hatten Schüler des BBZ in einem Projekt mit ihren Lehrern den heruntergekommenen Binnenfrachter wieder fit und seetüchtig gemacht. Sogar auf Klassenfahrt ging es mit der „Geeste“. Nun soll das Schiff erneut eine neue Aufgabe bekommen: als Ausbildungsschiff für Restaurant- und Hotelfachleute. Denn diese sollen ab dem kommenden Schuljahr erstmals in Mölln ausgebildet werden. Die „Geeste“ wird zur schwimmenden Werkstatt. Bereits seit fünf Jahren bietet das BBZ eine Kochausbildung an.

Einmalige Einrichtung

„So etwas gibt es in ganz Schleswig-Holstein nicht“, schwärmt André Weidemann. Der 48-Jährige ist seit diesem Schuljahr bereits als Ausbilder am BBZ in Mölln und wird den neuen Ausbildungsgang aufbauen – mit allem, was dazu gehört. Vor allem gehört dazu, die vor 30 Jahren einst hergerichtete „Geeste“ für die neue Aufgabe fit zu machen. Und das machen die Lehrer in Eigenarbeit in ihrer Freizeit.

Für die neue Nutzung muss der einst in einem Projekt von Schülern umgebaute Kahn aber erst einmal entkernt werden. Quelle: Holger Marohn

Kabinen, Küche, Sanitäranlagen, Elektrogeräte und jede Menge Dämmung – Stück für Stück wird der damals für die einstigen Zwecke umgebaute Laderaum des Frachters entkernt. Nur die damals über die Luken geschweiste Stahldecke mit der Wärmedämmung bleibt erhalten. „Ansonsten kommt hier alles raus“, sagt Weidemann und skizziert wo später was entstehen soll.

Dazu gehören ein nachgebautes Hotelzimmer mit Nasszelle genauso wie ein Bartresen mit Zapfanlage und soweit es passen sollte einem Cocktailbereich oder ein Hotelempfangstresen. In einer Regenerierungsküche sollen die im BBZ zubereiteten Speisen mit einem Konvektomaten, einem Kombidämpfer, zu- oder aufbereitet und dann vollendet werden können. Außerdem entsteht ein Restaurant mit bis zu 40 Plätzen. Doch die „Geeste“ soll nicht nur die Möglichkeit zum „Trockentraining“ bieten, sondern die angehenden Fachkräfte auch im Realbetrieb üben lassen. „Das Manifestieren des Wissens funktioniert immer im Echtbetrieb“, sagt Weidemann.

Gastro-Karriere

André Weidemann leitet künftig die Ausbildung der Hotel- und Restaurantfachleute am BBZ in Mölln. Seine eigene Ausbildung machte der 48-Jährige einst im Hotel Jensen in Lübeck. In dieser Zeit lernte er übrigens auch einen anderen Möllner Auszubildenden kennen: Sönke Schlie, den Betreiber des Möllner Restaurants „Zum Weißen Ross“.

Sein gastronomischer Weg führte ihn anschließend unter anderem in die Schweiz, nach Italien und Frankreich. Später ging er noch einmal zur Hotelfachschule, machte seinen Restaurantmeister, wurde staatlich geprüfter Gastronom. Weidemann arbeitete als Restaurantleiter im Yachtzimmer Lübeck, als F ’n’ B-Assistant-Manager im Carlton in St. Moritz und war ebenfalls in St. Moritz Restaurantleiter.

An der Gewerbeschule Lübeck wurde er später Fachlehrer und studierte parallel Ernährungswissenschaften, Hauswirtschaft, Pädagogik und Betriebswirtschaft. Seit 1. August diesen Jahres ist er am Berufsbildungszentrum Mölln für die im Sommer 2020 beginnende Ausbildung der Hotel- und Restaurantfachleute zuständig.

Lehrer bauen Schiff in ihrer Freizeit um

Gemeinsam mit Schulleiter Ulrich Keller könnte sich Weidemann vorstellen, dass auf dem ehemaligen Frachter auch Tagungen, Leseabende, Kino- und Musikveranstaltungen stattfinden - immer betreut von den angehenden Restaurant- und Hotelfachleuten. Auch könnte die „Geeste“ dann für Ausschusssitzungen und andere Veranstaltungen genutzt werden. Um dafür fit zu werden, wird das Schulschiff derzeit unter Weidemanns gastronomischer Leitung komplett entkernt und entsprechend umgebaut. „Alles muss so real wie möglich sein“, sagt Weidemann.

Der BBZ-eigene Frachter soll zu einem Schulungsschiff für angehende Gastronomen umgebaut werden. André Weidemann leitet das Projekt. Quelle: Holger Marohn

Der Vorteil des Schulschiffes ist die Lage. So soll das Gelände um den Anleger herum, derzeit noch gespickt mit Baracken und heruntergekommenen Lagerhallen, Möllns Vorzeigeprojekt Hafencity werden. Und die Geeste ist mit ihrem Liegeplatz Teil des Konzeptes.

Im Mittelpunkt steht bei der neuen Ausbildung allerdings nicht die „Geeste“, sondern die Tatsache, dass der Gastronomie-Nachwuchs aus dem Kreis künftig nicht mehr bis nach Lübeck zur Berufsschule fahren müssen. „Wie bei den Köchen, wollen wir auch hier die Ausbildung langsam aufbauen“, sagt Schulleiter Ulrich Keller. Vor sechs Jahren wurde die berufschulische Kochausbildung am BBZ eingerichtet. Etwa 50 Jungköche haben ihre dreijährige Ausbildung seitdem in Mölln beendet.

„Es geht uns dabei allerdings nicht in erster Linie um die Masse, sondern vor allem um Qualität“, sagt Schulleiter Keller. Nur damit seien letztlich auch die Betriebe zu überzeugen. Und bei der Qualität konnte der junge Ausbildungsgang in Mölln gleich einen großen Erfolg feiern. Ein Auszubildender der Möllner Betriebes „Zum Weißen Ross“ wurde Landessieger und erreichte auf Bundesebene den dritten Platz.

Das sind die frisch ausgebildeten Jungköche im Lauenburgischen. Quelle: Holger Teegen/hfr

„Das war für uns natürlich Klasse und hat dem gesamten Ausbildungszweig einen großen Schub gegeben“, sagt Keller. Letztlich sei auch die Rechnung aufgegangen, den Zweig Schritt für Schritt langsam aufzubauen und die Betriebe zufriedenzustellen. Diese seien es dann auch gewesen, die aufs BBZ zugekommen seien und eine Erweiterung der örtlichen Ausbildung auf die Bereiche Restaurant- und Hotelfach auszuweiten forciert hätten.

Das Binnenschiff Geeste wird derzeit von den Lehrern in deren Freizeit zum schwimmenden Klassenzimmer für den Gastronomie-Nachwuchs umgebaut.

Letztlich gehe es bei dem Angebot vor allem darum, durch die kürzeren Wege bislang nicht ausbildende Betriebe zu motivieren, Jugendliche für das Berufsbild zu gewinnen, die bislang vielleicht etwas anderes hätten erlernen wollen und nicht zuletzt aufzuzeigen, welche vielfältigen Aufstiegschancen es durch eine Ausbildung in der Gastronomie gebe. „Wir müssen den Nachwuchs für unser Fach wieder mobilisieren“, ergänzt Weidemann. Derzeit werden mit den Betrieben Einzelheiten zu der Ausbildung besprochen. Dabei geht es auch darum, ob der überbetriebliche Teil als Blockunterricht oder mit ein oder zwei Unterrichtstagen in der Woche stattfinden soll.

Erster Erfolg für neue Dehoga-Vorsitzende

Anke Asmus, Inhaberin der Gaststätte Hans Heitmann von 1897 in Wotersen, ist neue Vorsitzende des Dehoga-Kreisverbandes Herzogtum Lauenburg. Quelle: Holger Marohn

Froh, dass es mit der Ausbildung in Mölln geklappt hat, ist auch die neue Dehoga-Kreisvorsitzende Anke Asmus aus Wotersen. „Für uns ist das ein ganz wichtiger Schritt, dass nach den Köchen jetzt auch die Hofs und Refas hier im Kreis ausgebildet werden. Beides gehört einfach zusammen“, sagt Asmus. Die Ausbildung nach Mölln zu holen war ein Ziel, das Asmus bei ihrem Amtsantritt genannt hatte. Und auch von anderen Betrieben kommt Erleichterung.

„Ich befürworte das ausdrücklich. Die Köche sind ja schon da“, sagt Heinz Tofelde vom Möllner Quellenhof. Für die aus Mölln kommenden Auszubildenden sei der Fahrtweg aufgrund der guten Bahnverbindung nicht das ganz große Problem. Aber wenn die jungen Menschen von Stadtrand oder den Dörfern im Umland kommen, sehe das schon anders aus. Derzeit habe er drei Auszubildende in der Küche. Für den Ausbildungsplatz im Bereich Restaurantfach habe es einfach keinen passenden Bewerber gegeben. Zum nächsten Lehrjahr wolle er aber erneut einen Ausbildungsplatz anbieten – dann hoffentlich mit der Berufsschule am Ort.

Und auch Günter Schmidt, Geschäftsführer der kreiseigenen Tourismusgesellschaft HLMS lobt der Schritt. „Diese Entwicklung war absolut erstrebenswert“, sagt Schmidt. Der Beruf werde im Kreis dadurch attraktiver und auch für die Betriebe werde es einfacher Auszubildende zu bekommen, weil die langen Fahrtzeiten entfallen. Für die touristische Entwicklung im Kreis sei der Fachkräftemangel ein sehr großes Thema. Welchen Schub so etwas geben könne, habe die Verlagerung der Ausbildung der Köche nach Mölln gezeigt.

Klassen müssen voll werden

Aus Sicht der kreiseigenen Wirtschaftsförderungsgesellschaft WfL ist die Ausbildung vor Ort auch ein wichtiger Schritt, um die Ansiedlung dringend benötigter Hotels im Kreis voranzutreiben. „Der Kreis wird in den kommenden Jahren an mehreren Stellen größere Hotelanlagen hinzubekommen“, beschreibt Hahn den zunehmenden Fachkräftebedarf. Außerdem nehme die Qualität der Restaurants ebenfalls beständig zu. Beides gelte es auch in der Ausbildung zu flankieren, denn der Tourismus spiele aus Sicht der Wirtschaftsförderung einen zunehmend wichtigeren Part.

Die Ausbildung der Hofas und Refas ist zunächst allerdings erst einmal nur vorläufig in Mölln und auf fünf Jahre befristet. Ob aus der Vorläufigkeit eine dauerhafte Einrichtung wird, hängt nun auch von den Betrieben im Kreis ab. Nur wenn sie auch Ausbildungsplätze anbieten, besteht die Chance, dass auch die vorgeschriebenen 15 Plätze besetzt werden. Und darum kümmern, dass auch die Qualität der Ausbildung stimmt, will sich das BBZ.

Das Berufsbildungszentrum Mölln hat derzeit 235 Lehrkräfte. Davon sind 20 im sogenannten Vorbereitungsdienst, einer Art Referendariat. Schulleiter Ulrich Keller bezeichnet das als eine „gute Ausstattung insgesamt bei gleichzeitigen Mangelsituationen in den beruflichen Fachrichtungen und Fächern“.

Das BBZ setzt nach eigenen Angaben ihr Konzept zur „Stabilisierung der dualen Ausbildung“ fort. Dazu wurde das Angebot um Ausbildungsberufe wie Mechatroniker und Notarfachangestellte „bereinigt“, heißt es. Gleichzeitig verstärke das BBZ die Aufklärungsarbeit darin, die Attraktivität der Ausbildung für den beruflichen Weg der jungen Menschen deutlich zu machen. „Auch über den Weg Ausbildung und Meisterschule lässt sich später im Management gutes Geld verdienen“, sagt Schulleiter Keller. Doch dieser Weg sei vielfach zu unbekannt.

Wichtig sei es aus seiner Sicht, die jungen Leute über „pädagogische Erfolge“ aufzubauen. Dazu biete das BBZ den Schulen für die Schüler der 8. Klassen an, das BBZ für zwei Wochen „zu buchen“. Bei diesen Werkstatttagen könnten die Schüler dann die Berufe und die Ausbildung kennenlernen, um für die spätere Berufswahl eine passende Entscheidung zu treffen. „Und die Jugendlichen sind stolz wie Bolle, wenn sie am Ende so eines Moduls gemeinsam ihre Eltern bekochen können – und das am besten mit Burgern. Die sind ja total angesagt“, sagt Keller. Der derzeit laufende Werkstattneubau eröffne dabei „ganz neue Möglichkeiten“.

Weiter ausgebaut werde auch das Netzwerk an Kooperationen mit verschiedenen Partnern auf unterschiedlichen Arbeitsfeldern, insbesondere in der Berufsorientierung. Gerade mit den allgemeinbildenden Schulen „läuft das gut“, sagt Keller.

Von Holger Marohn

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