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Lauenburg Nina Scheer: Schluss mit Fleischpreisdumping!
Lokales Lauenburg Nina Scheer: Schluss mit Fleischpreisdumping!
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06:00 14.08.2019
Nina Scheer, Bundestagsabgeordnete der SPD aus Geesthacht. Quelle: LN-Archiv
Ratzeburg/Geesthacht

SPD-Kreisvorsitzende Nina Scheer, Bundestagsabgeordnete aus Geesthacht und eine der Kandidatinnen für den Bundesvorsitz ihrer Partei, sieht die Landwirtschaft „fehlgesteuert“: „Die heute gegebenen systemischen Anreize für Gewinne durch Masse müssen dringend beendet werden. Sowohl über Freihandelsabkommen als auch Agrarsubventionen wird heute Masse zu niedrigem Preis belohnt. Das muss sich ändern.“ Scheer will höhere Fleischpreise, Tierwohl, Verbot von Glyphosat und drastische Reduzierung von Düngemittel.

Die Bundestagsabgeordnete bezieht sich in ihrer Forderung auf den Weltklimarat, der in der vergangenen Woche getagt und einen Sonderbericht vorgelegt hat. Als „Weltklimarat“ wird der Zwischenstaatliche Ausschuss für Klimaveränderungen der Uno (englisch: Intergovernmental Panel on Climate Change, kurz IPCC) bezeichnet. Dieses Gremium hat auf die dramatischen Folgen einer weiteren Erderwärmung hingewiesen. Eine große Mitverantwortung trage dabei die weltweite Viehwirtschaft.

Schnelle Gegenmaßnahmen der Konsumenten sollten sein: prinzipiell weniger Fleischkonsum und nur wegwerfen, was schlecht ist und weg muss. Das würde den Ausstoß an Kohlendioxid aus der Land- beziehungsweise Viehwirtschaft stark mindern, die Atmosphäre schonen, und auch die Gesundheit der Menschen durch weniger kalorienreichen Fleischkonsum stärken.

Weniger Fleischkonsum sowie die Vermeidung von Nahrungsmittelvernichtung

Wenn ein Großteil der Klimabelastung in der oder durch die Landwirtschaft entstehe und nur durch weniger Fleischkonsum sowie die Vermeidung von Nahrungsmittelvernichtung möglich sei, müsse „die Werthaltigkeit von Fleisch neu bewertet werden. Es kann nicht sein, dass Produkte, die mit Dumping zulasten von Sozialstandards, Boden-, Gewässer- und Tierschutz sowie zulasten von Artenvielfalt hergestellt werden, durch einen niedrigen Preis marktwirtschaftlich bevorteilt werden“, sagt Nina Scheer.

Verpflichtende Standards für Tierwohl und zur Vermeidung von gefährlichen Dünge- und Pflanzenschutzmitteln (Herbiziden) müssten dem Preisdumping entgegenwirken, der Nitrateinsatz durch ein wirksames Düngeschutzsystem drastisch reduziert werden.

Und was freiwillig oder anreizorientiert nicht erreicht werden könne, „muss durch klare Rahmengesetzgebung erfolgen“: etwa durch das Verbot von Glyphosat und ähnlich gefährdender Wirkstoffe. „Standards im Umgang mit Tieren müssen verpflichtend in Orientierung am Tierwohl erfolgen und nicht nach dem Prinzip der Wirtschaftlichkeit“, fordert Scheer. Und finanzielle Förderungen dürfe es „nur unter Erfüllung von ökologischen Standards, auch für Tierschutz und Tarifgebundenheit“ geben.

„Leute an der Diskussion beteiligt ohne echte Ahnung“

Für Landwirt Johannes Langhans aus Behlendorf ist es klar, dass es immer wieder zu Veränderungen in Natur und Gesellschaft komme: „Ich bin für Veränderungen und auch für höhere Standards etwa beim Tierwohl offen. Aber sie müssen fundiert umsetzbar sein.“

Der Behlendorfer Landwirt Johannes Langhans. Quelle: LN-Archiv

Ihm missfalle, dass sich oft „Leute an der Diskussion beteiligen ohne echte Ahnung“. In den Forderungen von Nina Scheer sehe er lediglich politische Floskeln. Zudem erkenne er einen „Zielkonflikt zwischen ihrem Wunschdenken und der Realität“: Wenn die hiesigen Landwirte nicht mehr so wirtschaften dürften wie bislang, „machen das Landwirte in anderen Staaten“. Insofern müsse man – auch als Politiker – immer „über den Tellerrand schauen, wie es anderswo zugeht“.

Alfons Wiesler-Trapp, Landwirt der ökologisch betriebenen Domäne Fredeburg, erklärte dagegen: „Im Großen und Ganzen kann ich Frau Dr. Scheer nur zustimmen. Allerdings fehlt mir der Aspekt des Konsumentenverhaltens und der Mitverantwortung von uns allen.“

Alfons Wiesler-Trapp von der Domäne Fredeburg. Quelle: LN-Archiv

„Wenn wir als Gesellschaft, als Weltgemeinschaft unsere Erde und damit unsere Lebensgrundlage retten wollen“, so Wiesler-Trapp, „dann muss jeder bereit sein, sein Konsumverhalten zu verändern. Da spielt die Wahl der Lebensmittel und unter welchen Bedingungen sie produziert werden, eine große Rolle. Der Fleischkonsum ist dabei sicher eine relevante Größe. Veränderung kann Verzicht bedeuten, eröffnet aber auch neue Möglichkeiten und Chancen.“

Deutsche Bauern wirtschaften nachhaltig

Hans-Peter Grell, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes und Landwirt in Duvensee, betont: „Deutsche Bauern wirtschaften nachhaltig. Wir exportieren unseren Bedarf, wenn wir hier auf Produktion verzichten. Dann werden nicht nachhaltige Landnutzungen, gerade in Entwicklungs- und Schwellenländern mit Waldrodung gefördert.“

Kreisbauernchef Hans-Peter Grell aus Duvensee. Quelle: LN-Archiv

Seine Zunft dagegen pflege die Landschaft: „Wir Bauern wissen um unsere Verantwortung, weil wir hauptsächlich betroffen sind. Wir passen unsere Wirtschaftsweise seit jeher den natürlichen Bedingungen und Veränderungen an. Aber wir müssen die Anpassungen auch tragen können und benötigen Unterstützung dazu.“ Die Landwirte dürften nicht zu den „Sündenböcken für den Klimawandel“ gemacht werden.

Der Geschäftsführer der Kreisbauernverbände Herzogtum Lauenburg und Stormarn, Peter Koll, erklärte ergänzend: „Frau Scheer hat Recht, wir müssen an den wirksamen Hebeln ansetzen. Die deutsche Landwirtschaft ist da mit einem Treibhausgas-Anteil von acht statt 25 Prozent schon vorbildlich unterwegs.“

Peter Koll, Geschäftsführer des Kreisbauerverbandes. Quelle: LN-Archiv

Allerdings mache Scheer einen Denkfehler: „Klimaschutz ist nur nachhaltig, wenn die Ernährung der Menschen gewährleistet bleibt. Dazu bleibt die Tierhaltung notwendig, denn zwei Drittel der Nutzfläche ist Dauergrünland.“ Zudem komme Dumping-Fleisch gar nicht aus Deutschland. Bei den Standards seien die deutschen Landwirte ohnehin „weltweit am oberen Ende angesiedelt“.

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