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Lauenburg Noch mehr Natur pur
Lokales Lauenburg Noch mehr Natur pur
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16:23 29.05.2017
Teilüberflutete Wiesen, Waldränder, hohes Gras, Büsche und Knicks, einzelne Bäume – das jetzt neu ausgewiesene Naturschutzgebiet Hakendorfer Wälder nahe des ehemaligen DDR-Grenzstreifens bietet seltenen Tieren hervorragende Lebensbedingungen. FOTOS (6): WOLFGANG BUCHHORN/WR
Hollenbek/Klein Zecher

Der Kreis Herzogtum Lauenburg ist um eine Naturattraktion reicher geworden. Genau genommen war der Reichtum schon immer da, jetzt aber hat die Natur im Lauenburgischen ein Etikett mehr aufzuweisen: Die Hakendorfer Wälder, ein Gebiet zwischen den Gemeinden Hollenbek und Klein Zecher, sind durch das Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume zum Naturschutzgebiet erklärt worden – das mittlerweile 30. im Kreis.

Eine der jüngsten Neuausweisungen von Naturschutzgebieten ist im Lauenburgischen angesiedelt – Hakendorfer Wälder nahe der einstigen Grenze tragen jetzt den Titel NSG.

Direkt an der Grenze zu Mecklenburg-Vorpommern liegen zwischen Hollenbek und Klein Zecher die Hakendorfer Wälder. Das neue Naturschutzgebiet ist Bestandteil des „Grünen Bandes“ an der innerdeutschen Grenze. Zu großen Teilen ist es auch Flora-Fauna-Habitat und Europäisches Vogelschutzgebiet. „Ziel bei der Ausweisung von Naturschutzgebieten im Bereich des „Grünen Bandes“ ist es, den besonderen Artenreichtum dieser teils jahrzehntelang extensiv genutzten Wälder, Gewässer und landwirtschaftlichen Flächen in ihrer Bedeutung für den Schutz von Arten und Lebensräumen auch für künftige Generationen zu sichern“, betont Umweltminister Robert Habeck.

Der größte Teil des neuen Naturschutzgebietes wird bereits naturnah oder gar nicht mehr genutzt. Wegen der besonderen Standortverhältnisse konnten sich Eichen-Hainbuchenwälder von landesweiter Bedeutung erhalten. In ihnen brüten regelmäßig Vogelarten wie Kranich, Hohltaube, Rotmilan, mehrere Spechtarten. Zudem gedeihen hier typische oder seltene Pflanzen. Wichtig ist das Naturschutzgebiet auch für mehrere Amphibienarten, wie zum Beispiel den Laubfrosch. Rund 5,3 Prozent der Kreisfläche sind geschützt. Das ist deutlich mehr als im Landesschnitt.

Klingt abgegriffen, stimmt aber sprichtwörtlich: Hier sagen sich Fuchs und Hase wirklich Gute Nacht. Selbst manchen Einheimischen hat es noch nicht in diese Gegend verschlagen, und vor knapp 30 Jahren konnte dort niemand hin außer Grenzsoldaten der ehemaligen DDR. Teile des etwa 122 Hektar großen neuausgewiesenen Gebietes werden von der Grenze nach Mecklenburg-Vorpommern durchzogen.

Was auf den ersten oberflächlichen Blick wie eine ganz normale norddeutsche Landschaft anmutet, ist bei näherem Hinsehen – und das ist wörtlich zu nehmen – ein echtes Kleinod für Hase, Rotfuchs, Wiesenweihe, Waldlaubsänger, Dachs und Co. Bei der Aufzählung dieser und vieler weiterer seltener Tierarten macht sich Wolfgang Buchhorn fertig zur „Jagd“. Nein, mit der Jägerei hat er nichts am Hut;

wenn er abdrückt, erwachen die Tiere zu neuem Leben in faszinierenden Bildern. Der Möllner Fotograf und Naturkundler kennt sich im Lauenburgischen bestens aus, natürlich auch hier. „Gestern habe ich bei bestem Licht eine Wiesenweihe im Anflug erwischt“, schwärmt Buchhorn und nimmt die Kamera mit dem schweren „Ofenrohr“ vom Stativ – einem lichtstarken 500 Millimeter-Objektiv. Damit kann er Vögel und Vierbeiner so nah heranholen, wie die meisten Wanderer es nur mit einem guten Fernglas könnten. Aber nur theoretisch, da Wanderer die Tiere in einem NSG eher ungewollt verscheuchen. Buchhorn indes wird quasi eins mit ihnen, mit Tarnzelt, unauffälliger Kleidung und sogar einer Gesichtsmaske. Wofür? „Wegen der Augen. Augen sind immer ein Symbol für Gefahr – und weg sind die Tiere.“ Der naturbegeisterte Ruheständler muss die Tierwelt dort schon oft überlistet haben, denn sein reicher Fotofundus weist eine Menge Bilder aus dem neuen NSG Hakendorfer Wälder auf. Wie den Waldlaubsänger, ein „Anzeiger“ für gesunde natürliche Bedingungen. „Wo der ist, da ist die Natur noch intakt“, sagt Buchhorn.

 Matthias Wiemer

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