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Lauenburg Cordula Metzger hütet einen Bohnen-Schatz
Lokales Lauenburg Cordula Metzger hütet einen Bohnen-Schatz
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12:11 16.05.2019
Cordula Metzger mit der größten und der kleinsten Bohne aus ihrer eigenen Sammlung. Die große Schwarze links ist eine Feuerbohne der Sorte „Kollumener Pronkboon“ aus den Niederlanden, rechts die kleine Weiße eine „Blooming Prairie“ aus den USA. Quelle: Joachim Strunk
Labenz

Jeder Mensch hat so sein Hobby. Cordula Metzger sammelt. Allerdings keine Briefmarken, Münzen oder Abziehbilder – sondern Bohnen! Wie sie darauf gekommen ist? „Vor knapp 20 Jahren habe ich mal einen Bericht in der Gartenzeitschrift ,Kraut und Rüben’ gelesen – über peruanische Oca-Knollen, Oxalis tuberosa. Der sieht oberirdisch wie ein riesiger Klee aus und bildet unterirdisch, rote, rosa, gelbe und andere bunte essbare Knollen. Ich mag buntes Gemüse“, erzählt Cordula Metzger.

Und so isti sie dann irgendwann auf die Bohne gekommen. Die seien so schön und bunt und vielfältig. „Bohnen sind meiner Ansicht nach die Edelsteine unter dem Gemüse, weil sie wunderschön sind“, schwärmt sie. „Die muss man nicht mal besonders gießen – wie etwa Tomaten, die viel mehr Pflege verlangen“, sagt sie. Metzger arbeitet als IT-Spezialistin für eine große Krankenkasse in Hamburg. Das Wissen und Können aus ihrem Beruf nutzt sie auch für ihr privates Hobby.

Cordula Metzger sammelt und archiviert alte Bohnensorten

Bohnen-Altlas verzeichnet 3000 Sorten

„Bei den Tausenden von verschiedenen Bohnensorten – eine Datenbank in Südamerika führt etwa 30 000 – herrscht totales Chaos. Und ich kann mit Chaos nicht umgehen, will da eine Ordnung reinbringen.“ Also hat sie sich dazu entschlossen, einen eigenen „Bohnen-Atlas“ zu führen. Im Internet. 2012 hat sie damit begonnen, mittlerweile sind unter www.bohnen-atlas.de fast 3000 verschiedene Sorten registriert. „Diese Datenbank bauen wir aktuell um, weil wir zusammen mit einem Biologen aus Lüneburg die Systematik der Bohne sowohl wissenschaftlich als auch unter gärtnerischem und Küchenaspekt neu strukturiert haben.“

Ihr besonderes Ziel aktuell ist es, „neue“ Sorten zu finden und alte zu bewahren: „Ich betreue etwa 970 Bohnensorten. Betreuen bedeutet, dass mir Gärtner aus Deutschland und weiteren Ländern Saatgut zuschicken, welches sie vermehren oder erhalten – und ich verteile das Saatgut wieder.“

Hilfe gesucht von Gärtnern und Gemüsezüchtern

Für ein norddeutsches Projekt im nächsten Jahr benötigt Cordula Metzger allerdings Hilfe – von hier ansässigen Haus- und Kleingärtnern, Gemüsezüchtern und Hülsenfrüchte-Liebhabern. Seit zwei Jahren ist die Labenzerin in der „Bohnenfachgruppe“ des VEN tätig, des Vereins zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt. Diese baut in Deutschland „Erhalterringe“ auf, um auf diese Weise spezielle Bohnensorten langfristig vor dem Aussterben zu schützen.

Kleine Bohnenkunde

Botanisch unterscheidet man zwischen Gartenbohne, Feuerbohne und Dicker Bohne. Alle drei gehören zu der Familie der Leguminosen, die ihren Stickstoff mit Hilfe von bodenlebenden Knöllchenbakterien aus der Luft holen.

Die große Vielfalt in der Farbgestaltung und Form der Samen ist im Laufe der Jahrhunderte durch Mutation und züchterische Auslese entstanden. Dabei passten sich die Sorten auch an die jeweils vorherrschenden Bedingungen an. Viele dieser alten Sorten sind bereits von wenigen modernen Zuchtsorten verdrängt worden.

Die reifen Bohnensamen sind sehr hart und von Natur aus sehr gut gegen Feuchtigkeit und äußere Einflüsse geschützt. Dadurch eignen sie sich auch gut zur Schmuckgestaltung. In Schmuck verarbeitete Bohnen können ihre ganze Pracht und Schönheit zur Schau stellen.

Die Gartenbohne (Phaseolus vulgaris) kam erst im 16. Jahrhundert mit der Entdeckung Amerikas nach Europa. Dort gehört sie allerdings zu den ältesten Kulturpflanzen. Nur langsam eroberte sie sich die Töpfe und Teller Europas.

Hierzulande kennt man vor allem „Stangen-“ und „Buschbohnen“. Letztere gingen züchterisch aus den Stangenbohnen hervor. Gegessen werden heute in erster Linie die unreifen Hülsen als Bohnengemüse. Bohnen enthalten den Wirkstoff Phaseolin, der die Hülsen in ungekochtem Zustand ungenießbar macht.

Schon seit etwa 6000 Jahren werden aber auch die reifen Samen genutzt (Körner- und Trockenbohnen). Diese sind sehr eiweißreich und haben gegenüber den unreifen Hülsen den Vorteil, dass sie sich ohne technischen Aufwand lange bevorraten lassen.

Feuerbohnen (Phaseolus coccineus L.) werden auch Blumen- oder Prunkbohnen genannt, da sie häufig auffallend leuchtend rote Blüten haben. Ihre Hülsen sind nur in jungem Zustand zart genug zur Verarbeitung. Auch die Feuerbohne kam im 17. Jahrhundert aus der „Neuen Welt“ nach Europa.

Die Dicke Bohne (Vicia faba) erschien als Kulturpflanze erst in der Bronzezeit in Süd- und Ostdeutschland. Zwischen 750 vor und 300 nach Christi Geburt weitete sich der Anbau allmählich bis nach Norddeutschland aus. Sie war und ist eine bedeutende Eiweißquelle für Mensch und Tier.

In der menschlichen Ernährung herrscht heute die Nutzung der unreifen Samen vor. Dabei werden nur grün- und hellbraunsamige Sorten angebaut. Sie werden zu regionaltypischen Gerichten wie etwa „Dicke Bohnen mit Speck“ verarbeitet.

Kaum heimische Sorten

„Im Moment suche ich dringend noch Vermehrer für nordische Bohnen-Sorten. Leider haben wir hier oben kaum ,heimische’ Sorten“, bedauert sie. Aus Schleswig-Holstein hat sie derzeit nur die „Eisbohne Olrogge“ vorzuweisen: eine grüne Buschbohne mit schwarzem, glänzenden Korn. Die stammt von einem privaten Hof, die über Jahre und Jahrzehnte von einer Familie gehegt, gepflegt und immer wieder vermehrt und angebaut wird. Andere „nordische“ Sorten sind Exemplare aus dem Wendland, aus Mecklenburg, Dänemark oder Schweden. Doch überwiegend werden die Hülsenfrüchte in Mittel- und Südeuropa, in Afrika und Amerika angebaut und geerntet.

Ein lauenburgischer Bohnen-Schatz?

„Es wäre super“, sagt Cordula Metzger, „wenn ich noch einige regionale Vermehrer finden könnte. Vielleicht entdecken wir ja sogar noch einen lauenburgischen Bohnen-Schatz, den ein Gärtner hier schon viele Jahre lang hütet.“ Diesen Schatz zu bergen, zu hüten und zu erhalten hat sie sich als Ziel gesetzt.

Info: Wer hier helfen kann und will, kann sich unter der E-Mail-Adresse bohnen@nutzpflanzenvielfalt.de bei Cordula Metzger melden.

Joachim Strunk

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