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Lauenburg Bei Hitze weniger Milch und kleinere Eier
Lokales Lauenburg Bei Hitze weniger Milch und kleinere Eier
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11:23 26.06.2019
Abkühlung im Kuhstall: Hochdruck-Vernebelungsanlagen sorgen für ein erträgliches Klima für die Rindviecher bei Landwirt Stefan Bandholz in Lübeck-Vorrade. Quelle: Joachim Strunk
Lübeck/Rondeshagen/Mechow

„Schwitzen wie die Schweine“, sagt man gerne. Aber mal ehrlich: Haben Sie schon mal ein Schwein schwitzen sehen? Wahrscheinlich nicht. Allerdings leiden auch die Tiere unter der Hitze. Schweine sind da noch am robustesten, können Temperaturen bis 30 Grad einigermaßen ertragen, so der Landwirt Peter Kreimer aus Rondeshagen.

Kühe dagegen fühlen sich am wohlsten bei Temperaturen zwischen minus fünf und plus 15 Grad. Für sie beginnt der „Hitzestress“ bei plus 20 Grad, erklärt Milchviehhalter Stefan Bandholz aus Lübeck-Vorrade. Die Lübecker Nachrichten haben sich auf beiden Betrieben umgesehen, wie die Bauern gerade jetzt bei Sommerhitze ihren Tieren das Leben erleichtern können.

Luftdurchlässige Seitenwände

Der Kuhstall von Bandholz ist relativ neu, 2015 erbaut. Ein 85 Meter langes Gebäude, licht- und luftdurchlässig: Die Seitenwände sind gewissermaßen offen – die westliche Seite besteht aus einer Lamellenwand mit größeren „Luftlöchern“ zwischen jedem vertikalen Brett. Auf der östlichen Seite kann Bandholz eine „Jalousie“ hoch- und niederfahren.

Was tun Landwirte gegen die Hitze im Stall?

Im Moment ist sie oben. Ein Netz verhindert, dass Vögel ungehindert ein- und ausfliegen. Über den Futtertrögen zur Stallmitte ist ein Rohrsystem angebracht, das sensorgesteuert etwa vier Grad kühles Brunnenwasser in einem feinen Nebel über den Tieren versprüht. Diese „Klimaanlage“ springt ab einer Temperatur von 25 Grad an, sorgt eine Viertelstunde lang für Kühlung, pausiert 20 Minuten, um dann erneut zu arbeiten.

Stoffwechsel wie Hochleistungssportler

„Wichtig ist es auch, dass ausreichend Tränken vorhanden sind“, erklärt Bandholz. Denn Kühe wollen bei dieser Hitze möglichst viel und schnell trinken, um ihren Kreislauf in Gang zu halten. „Kühe haben einen Stoffwechsel wie Hochleistungssportler“, so der Milchbauer. Aber man merke schon, dass „alle viel träger und ruhiger werden“, so der Milchbauer. Auch auf die „Leistung“, also die Abgabe von Milch, wirken sich die hohen Temperaturen mindernd aus.

140 Milchkühe tummeln sich in Bandholz’ Stall, der sogar für die doppelte Menge ausgelegt ist. Sie laufen frei herum, können bei Bedarf auch „vor die Tür“: Das Tor an der Nordseite ist geöffnet, dort können sie sich außerhalb im Schatten bewegen oder hinlegen.

Ventilator in der Melkbox

Der Stall selbst ist hoch und weit. Das Dach besteht aus Faserzementplatten, auf denen eine Fotovoltaikanlage angebracht ist, sowie lichtdurchlässigen Kunststoffplatten, die die Sonnenstrahlen angenehm streuen und keine „Hotspots“, also krasse Licht- und Schattenfelder, zulassen.

Über den drei Boxen des Melkroboters, den die Kühe selbstständig und regelmäßig „besuchen“ (weil es dort leckeres Kraftfutter gibt), ist je ein Ventilator angebracht, der den „Damen“ zusätzlich frische Luft zufächelt. Ein weiterer, gern genutzter Service im Stall ist eine rotierende Bürste, an der sich die Kühe (schlangestehend!) massieren lassen. Alles in allem geht es Bandholz’ Milchkühen augenscheinlich gut, sie wirken frisch und fit.

Gefahr von Lungenentzündung

So auch die Schweine in Peter Kreimers Maststall in Rondeshagen. Eine Beregnungsanlage mit Sprühnebel hat er nicht, aber die sei auch nicht notwendig, eher hinderlich. Weil die Feuchtigkeit für zu viel rutschige Schmiere auf den Spaltenböden sorgen würde.

Zudem sind Schweine anfällig für Krankheiten. Bei „Beregnung“ und zeitgleicher Belüftung besteht die Gefahr von Lungenentzündungen. So bleibt es bei der Belüftung, ungekühlt, aber auf Hochleistung. „Dabei ist die Innen- gleich der Außentemperatur“, sagt Kreimer.

Flüssigfutter – wie Müsli mit Milch

„Schweine ähneln in vielerlei Dingen uns Menschen. Sie können auch tatsächlich schwitzen“, erklärt der Tierwirt, der in einem Stall 600 Zuchtsauen hat, davon aktuell etwa 120 Milch gebende Tiere mit rund 1000 Ferkeln. In einem räumlich entfernt stehenden weiteren Stall hält er derzeit 1900 Mastschweine.

Tränken sind ebenfalls ausreichend in den „Gemeinschaftsställen“ vorhanden, allerdings nicht häufig genutzt. „Wir geben derzeit Flüssigfutter, also 25 Prozent Futter mit 75 Prozent Wasser vermischt. Ähnlich wie Müsli mit Milch“, veranschaulicht Kreimer.

Klüger als Menschen

Und wie sieht es bei den Geflügelzüchtern aus? Uwe Janssen betreibt einen Geflügelhof mit 14 000 Legehennen, 8000 in Freiland- und 6000 in Bodenhaltung. „Die sind klüger als Menschen und legen sich nicht in die Sonne, sondern verziehen sich lieber in die schattigen Ställe“, sagt der Mechower.

Janssen spritzt Boden und Wände seiner Hühnerställe regelmäßig mit dem Schlauch ab, um für Verdunstungskühle zu sorgen. Sprinkleranlagen haben sich auch bei Geflügel als nicht sinnvoll erwiesen. „Wichtig ist es, dass man keinen unnötigen Stress aufkommen lässt. Die Tiere sind jetzt eben ruhiger. Auch die Eier sind kleiner als zu normalen Zeiten.“

Joachim Strunk

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