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Lauenburg Paläontologen legen weiteres Wal-Skelett in Groß Pampau frei
Lokales Lauenburg Paläontologen legen weiteres Wal-Skelett in Groß Pampau frei
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12:09 09.07.2019
Gerhard Höpfner (mitte) und Andreas Malchow gehören dem Grabungsteam an. Aktuell werden Rippen und Wirbel eines Bartenwals freigelegt. Daria Carobene dokumentiert die Funde ganz genau. Quelle: TIMO JANN
Groß Pampau

Das Grabungsteam, das in der riesigen Tongrube der Firma Ohle & Lau in Groß Pampau auf den Spuren der Ur-Nordsee forscht, hat aktuell einen Lauf. „Wir legen gerade Wal Nummer 18 frei und haben auch schon erste Teile der Funde 19 und 20 entdeckt“, berichtet Grabungsleiter Gerhard Höpfner. „Wir sind derzeit sehr oberflächennah aktiv, damit dürften diese gehäuft auftretenden Funde zusammenhängen“, erklärt er. Die Paläontologen sind im Auftrag des Lübecker Museums für Natur und Umwelt ehrenamtlich tätig. Schon 1984 hatte man erste Walknochen in Groß Pampau entdeckt. Hintergrund: Einst stand die Nordsee hier 40 Meter hoch. Verendete Wale sanken auf den Grund, Sedimente – der heute abgebaute Ton – bedeckten die Skelette, die übrig blieben, nachdem sich andere Meeresbewohner an den Kadavern satt gegessen hatten, über Millionen Jahre.

Neuer Wal-Fund in Groß Pampau. Quelle: TIMO JANN

„Der Wal, dessen Knochen wir jetzt am Haken haben, hat vor etwa elf Millionen Jahren gelebt“, sagt Höpfner. Es dürfte sich um einen Bartenwal handeln. Etwa sechs Meter groß war das Tier zu Lebzeiten vermutlich, darauf deuten bisher gefundene Wirbel und Rippenknochen hin.

Andreas Malchow mit dem Knochensplitter, den er vom Wal-Skelett Nummer 18 zuerst entdeckt hatte. Quelle: TIMO JANN

Andreas Malchow, der zum Grabungsteam gehört, hatte zunächst bei Baggerarbeiten zum Abbau des Tons nur einen etwa fünf Zentimeter großen Knochensplitter entdeckt. „Wo ein Splitter ist, da ist aber natürlich auch mehr“, schildert er seine Erfahrungen. Er schaute nach und stieß auf weitere Knochen. Der Tonabbau in dem Bereich wurde gestoppt und an einer anderen Stelle fortgesetzt, damit die Paläontologen ihrer Arbeit nachgehen können. Höpfner: „Das alles hier ist nur möglich, weil uns die Grubenbesitzer machen lassen. Da sind wir sehr zum Dank verpflichtet.“

Unterstützung hat das Grabungsteam aktuell auch durch die Italienerin Daria Carobene. Sie schreibt ihre Doktorarbeit über das Lebensumfeld, das sich um verendete Wale gebildet hatte. Ein wichtiger Beitrag für die Wissenschaft, um mehr Erkenntnisse über die in der Ur-Nordsee vorkommenden Arten zu bekommen. Allerdings bremsen die erforderlichen Dokumentationen auch etwas das Tempo der aktuellen Grabung. Unter anderem wird Daria Carobene nach ihrer Rückkehr noch Isotopenuntersuchungen durchführen. „Man kann nachher Rückschlüsse auf das Leben im Meer ziehen“, sagt die Doktorandin. Schon jetzt weiß sie: Die Ur-Nordsee im Bereich des heutigen Groß Pampau war damals vor elf Millionen Jahren sehr sauerstoffarm.

Mit Stahlnadeln wird der Boden sondiert, um beim Abtragen der Tonschicht keine Knochen zu übersehen. Quelle: TIMO JANN

„Wir sind total gespannt, was an neuen Informationen zusammengetragen werden kann. Das sind Dinge, die wir uns gut in einem neuen Museum vorstellen können, für das wir seit einiger Zeit kämpfen“, so Höpfner. Ministerpräsident Daniel Günther und Landtagspräsident Klaus Schlie hatten bei Besuchen in Groß Pampau persönliche Eindrücke gewonnen und schon Unterstützung zugesichert. Jetzt hofft das Grabungsteam auf ein positives Signal aus Lübeck. Bürgermeister Jan Lindenau hat sich schon angekündigt, um sich vor Ort ein Bild zu verschaffen. „Wir könnten in einem geeigneten Museum die Ur-Nordsee wieder lebendig erscheinen lassen“, schwärmt Höpfner. Das Museum für Natur und Umwelt platzt aus allen Nähten und kann die Funde nicht modern darstellen.

Im Auftrag des Lübecker Museums für Natur und Umwelt sind die Ehrenamtlichen in Groß Pampau aktiv. Quelle: TIMO JANN

Wie lange die Skelette der Meeresbewohner einst frei am Grund gelegen hatten, wird deutlich, wenn man weiß, wie sich Sedimente bilden: Ein Zentimeter Höhe bildete sich in 1000 Jahren. Groß Pampau gilt weltweit als die Grabungsstelle mit den meisten Funden. Ein unterirdischer Salzstock drückt den Ton an die Erdoberfläche. Deshalb kann er hier ohne großen Aufwand abgebaut werden, etwa zur Abdichtung von Deponien, aber genau deshalb finden die Paläontologen auch so viele Skelette.

Martin Kupsch sticht Ebene für Ebene Ton mit einem Spaten ab, um den Bereich, in dem noch Knochen liegen, freizulegen. Quelle: TIMO JANN

Timo Jann

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