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Lauenburg Politik streitet um richtigen Kurs
Lokales Lauenburg Politik streitet um richtigen Kurs
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20:10 28.04.2018
Hauke Christiansen (rechts oben) moderierte die Podiumsdiskussion mit Vertretern von Wählergemeinschaften und Parteien zur Kommunalwahl im Ratssaal. Quelle: Fotos: Wr
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Ratzeburg

Die politisch aktiven Ehrenamtler sind eine Woche vor der Kommunalwahl voll auf Betriebstemperatur, manche noch in der Warmlaufphase, einige schon im roten Bereich. Sieben Männer vertraten die Parteien und Wählergemeinschaften auf dem Podium und arbeiteten bei dieser von der Volkshochschule Ratzeburg veranstalteten Diskussion einen umfassenden Ratzeburg-Themenkatalog ab. Bürger konnten Fragen stellen. Das Motto der Palette von Bildung über Infrastruktur, Versorgungsqualität, Soziales, Freizeit bis Wirtschaft und Bürgerbeteiligung lautetet: „Wer steht wofür?“. Schon bald wurde deutlich: So weit liegen die politischen Gruppierungen Ratzeburgs in der Sache gar nicht auseinander. Aber im Detail liegt offensichtlich das Konfliktpotenzial. Dabei wurden die deutlichsten Unterschiede zwischen den Freien Ratzeburger Wählern und der CDU deutlich. Etwa in Fragen der Weiterentwicklung des als nicht optimal empfundenen Marktplatzes oder der Ansiedlung von Verbrauchermärkten und Geschäften. Da wurde von FRW-Mann Jürgen Hentschel deutlich eine Attacke gegen CDU-Kandidat Wilhelm Thiele gefahren.

Welche Politik ist die beste für Ratzeburg? Um diese Frage rankte sich Freitagabend eine zweieinhalbstündige Podiumsdiskussion im vollbesetzten Ratzeburger Ratssaal. Sieben Kandidaten wetteiferten um die Stimmengunst der Wähler. Mit unterschiedlicher Überzeugungskraft.

Wortgewaltig, aber stets an der Sache orientiert gab sich auch Sami El Basiouni, der für die Ziele seiner jungen Wählergemeinschaft Bürger für Ratzeburg wie ein Löwe kämpfte und gefühlt den Redezeitrekord einfuhr.

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Die deutlichsten inhaltlichen Unterschiede zwischen den bei der Kommunalwahl am 6. Mai konkurrierenden Parteien traten erwartungsgemäß beim Thema Umgehungsstraße zu Tage. Die Stadt ist nach rund 25 Jahren Planung in Richtung Entlastung der Insel vom Durchgangsverkehr heillos zerstritten. Da schlugen sich die Kandidaten unterschiedliche Lesarten von Zahlen und völlig verschiedene Bewertungen des Iststandes gegenseitig um die Ohren. Und in dieser Frage zogen CDU und FRW wieder an einem Strang: Die Umgehung müsse wie geplant realisiert werden. SPD und Grüne (Torsten Walther: „Wir waren die Ersten dagegen.“) reklamierten hingegen die größere Weitsicht für sich: Die innerörtliche Umgehung habe das Problem der Hauptverkehrsbelastung nach der Wende gelöst, eine Umgehung bringe eine unvertretbare Belastung der Natur mit sich.

Stärkere Konturen zeigten sich auch beim Themenkomplex Wirtschaft. Wie kann die „Betonwüste“ Marktplatz attraktiver gestaltet werden? Und wie kann der notleidende Einzelhandel auf der Insel gestärkt werden? Während die CDU die Verkaufsflächen auf der grünen Wiese beschränken will, warnte der Grüne Torsten Walther vor einer Innenstadt „als übergroßer Parkplatz“. FDP-Kandidat Thomas Kühn hält freies Internet für wichtig, und die SPD sieht zu teure Mieten als Grund für das Ladensterben. Michael Schröder von den Linken plädierte für kostenlosen ÖPNV bei Veranstaltungen als Belebungsmittel für die Insel.

Insgesamt waren die Parteienvertreter irgendwo zwischen kämpferisch, kenntnisreich bis wenig informiert einzuordnen. Die Zuhörer dürften um einige Erkenntnisse reicher sein für ihr Kreuzchen auf dem Wahlzettel in einer Woche.

 Von Matthias Wiemer