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Lauenburg Prostest gegen Möllner Millionenprojekt
Lokales Lauenburg Prostest gegen Möllner Millionenprojekt
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20:22 27.08.2013
Friedemann Gensel (links) will gegen den Ausbau klagen. Oben der Seniorenruhesitz Landhaus in Mölln. Für den geplanten Ausbau sollen die Rasenflächen genutzt werden. Quelle: Fotos: Martin Stein
Mölln

Der Seniorenruhesitz Landhaus in Mölln will sein Betreuungsangebot kräftig ausbauen und dafür etwa 4,3 Millionen Euro investieren. Was für Heimleiter Oliver Gahl das Projekt seines Lebens ist, löst Protest bei den im Grünen und zugleich in Altstadtnähe lebenden Nachbarn aus. Eine Hürde hat das Vorhaben im städtischen Bauausschuss bereits genommen: Eine Änderung des Flächennutzungsplanes und die Aufstellung eines Bebauungsplanes sind eingeleitet.

Oliver Gahl hat das Alten- und Pflegeheim mit 13 Plätzen in der parkähnlichen Landschaft der Möllner Feldbäckerei vor knapp anderthalb Jahrzehnten übernommen. In Alt-Mölln und in Poggensee betreuen der 49-Jährige und sein Team aus etwa 80 Pflegekräften und anderen Beschäftigen außerdem jeweils 35 weitere Senioren. Weil der Pachtvertrag in Alt-Mölln 2015 ausläuft, die Räumlichkeiten dort nicht mehr auf dem neuesten Stand sind und die Nachfrage nach Heimplätzen hoch ist, will Gahl das Heim in Alt-Mölln schließen und den Möllner Standort auf 70 Plätze erweitern.

Auf der heutigen Rasenfläche hinter den Gebäuden am Mühlenbach sieht die Bauplanung fünf neue zweigeschossige Häuser mit Satteldach und einer maximalen Höhe von zwölf Metern vor, untereinander verbunden mit Bauten mit begrünten Flachdächern. „Das Ganze soll zeitgemäßen Wohngruppencharakter haben, wobei wir nur Einzelzimmer anbieten wollen“, berichtet Heimleiter Gahl. Während im Landhaus in Mölln jetzt zehn Beschäftigte arbeiten, sollen es künftig 40 bis 50 sein. Gahl will sein Personal um 15 bis 20 Personen aufstocken und auch weiterhin Pflegekräfte ausbilden. Die bis zum Jahresende anfallenden Planungskosten beziffert der Heimleiter auf etwa 100 000 Euro.

Während das Projekt in der Möllner Kommunalpolitik mit Ausnahme der Grünen bisher auf allgemeines Wohlwollen gestoßen ist, sind viele der Anwohner in der Feldbäckerei, der Villenstraße oder der Hermannsquelle regelrecht empört über Gahls Erweiterungsvorhaben. Die Nachbarn halten das geplante Gebäudeensemble im naturnahen Möllner Kurgebiet für völlig überdimensioniert und die vorhandenen Nebenstraßen in diesem Ortsteil für zusätzlichen Verkehr nicht ausgelegt. Die Anwohner versichern, dass sie nichts gegen Altersheime hätten, aber dass eine Einrichtung in dieser Größe an dieser Stelle nicht tragbar sei.

Friedemann Gensel (70), Kaufmann aus der Straße Hermannsquelle, ist einer der Betroffenen: „Der Eingriff in die Natur, die Nichtberücksichtigung der Anlieger und die fehlende Infrastruktur sind nicht akzeptabel.“ Ob er deshalb vor Gericht ziehen würde? „Selbstverständlich“, sagt Gensel, der darauf verweist, dass ein geplanter Ausbau an dieser Stelle schon einmal per Gerichtsbescheid gestoppt worden sei. Der Architekt Ralf Brunne (69), ebenfalls Hermannsquelle, stimmt in die Kritik ein: „Die Zuwegung ist völlig ungeklärt. Es wäre enorm, was da auf uns zukäme, weil die Straßen erweitert werden müssten.“ Sonderschullehrer Ekkehard Böttcher (56) wohnt auch in der Hermannsquelle: „Wir sind erst 2012 aus Ratzeburg wegen der Ruhe und der Natur hier her gezogen. Ich habe Angst, dass sich bei einem solchen Bau auf dem moorigen Boden der Grundwasserspiegel ändert und das Vibrationen beim Bau entstehen, die Folgeschäden bei den Nachbarhäusern auslösen.“ Torsten Schulz (45) ist Lehrer und wohnt in der Villenstraße: „Die Zerstörung der Umwelt und des Kleinklimas finde ich nicht akzeptabel. Mölln hat viele freie und verfügbare Flächen, die für ein solches Projekt tatsächlich geeignet sind.“

Etwas anders argumentiert Heino Dörr (72), der seit 1942 in Mölln lebt: „Hier geht es um Mölln und nicht um die Anlieger. Verkehrstechnisch ist das ohne eine Gefährdung des Umfeldes nicht abzuwickeln. Das ist hier das falsche Objekt am falschen Platz.“ Die Lehrerin Anneli Vachek, die unmittelbar neben dem Alten- und Pflegeheim lebt und dort auch Ferienwohnungen anbietet, lehnt den Ausbau ebenfalls ab: „Auch vom Baugrund ist das hier für ein solches Objekt völlig ungeeignet. Und aus stadtplanerischer und architektonischer Sicht ist es völlig absurd, hier einen zwölf Meter hohen Bau zu errichten. Für diesen Standort gibt es überhaupt keine Argumente.“ Die Bürgerinitiative „Bürger für Mölln“ ist ebenfalls alarmiert und will sich umgehend mit dem Bauvorhaben beschäftigen. Dazu gehört Katrin Ledeboer, die vermutet, dass die Planung vor Gericht keinen Bestand haben könne.

Heimleiter Gahl sagt, dass ihm an Konfrontation mit den Anwohnern überhaupt nicht gelegen sei: „Ich möchte keinen Konflikt mit den Nachbarn“, versichert er und hofft, dass sich die unterschiedlichen Interessen und Einschätzungen im Planungsverlauf noch miteinander versöhnen lassen.

Stadtbauamt wertet Stellungnahmen aus
Eine erste Gelegenheit zur öffentlichen Beteiligung an der Bauleitplanung für das Bauprojekt in der Möllner Feldbäckerei endete in der vergangenen Woche. Im Stadtbauamt eingegangen sind dazu ein gutes Dutzend Stellungnahmen. Die Verwaltung wertet die Einlassungen der Bürger jetzt aus und wird dem städtischen Bauausschuss einen Vorschlag zum weiteren Verfahren machen, so dass sich die Kommunalpolitiker voraussichtlich im Herbst wieder mit dem Thema beschäftigen. Was dann beschlossen wird, ist anschließend erneut Gegenstand einer öffentlichen Auslegung.

Martin Stein

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