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Lauenburg Imbiss-Explosion in Schwarzenbek: Täter benutzte Grillanzünder
Lokales Lauenburg Imbiss-Explosion in Schwarzenbek: Täter benutzte Grillanzünder
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18:58 21.08.2019
Erst gab es eine Explosion, dann brannte es: Am 10. August 2018 sind Feuerwehrleute am Kiosk und Imbiss „Hevi's“ in Schwarzenbek im Einsatz. Quelle: TIMO JANN
Lübeck/Schwarzenbek

Hat der Wirt den Brand in seinem Schnellrestaurant selbst gelegt? Das zumindest glauben Polizei und Staatsanwaltschaft. Nach monatelangen Ermittlungen war der Gastwirt, der den Kiosk und Imbiss „Hevi’s“ in Schwarzenbek geführt hatte, festgenommen worden. Auch sein 24-jähriger Sohn, auf dessen Namen das Geschäft lief, sitzt nun auf der Anklagebank. Das Landgericht Lübeck hatte bereits im Mai auf Antrag der Staatsanwaltschaft gegen den heute 54 Jahre alten Mann aus Hamburg Untersuchungshaftbefehl wegen des Verdachts der besonders schweren Brandstiftung sowie des versuchten besonders schweren Betruges erlassen. Am Mittwochmorgen hat der Prozess gegen die beiden Verwandten planmäßig begonnen.

Der Täter benutzte Grillanzünder

Das „Hevi’s“ an der Hamburger Straße war am 10. August 2018 gegen 22 Uhr nach einer Explosion in Flammen aufgegangen. „Der 54-jährige ist dringend verdächtig, das Feuer in der Küche des Imbiss‘ und in dem angrenzenden Pausenraum gezielt gelegt zu haben, um die Räumlichkeiten und die Betriebseinrichtung zu zerstören und anschließend den Schaden gemeinsam mit seinem Sohn gegenüber der Versicherung betrügerisch geltend zu machen“, erklärte die Staatsanwaltschaft. In der Küche und im Pausenraum sei dazu laut Staatsanwaltschaft „eine Konstruktion aus Textilien und Flaschen zum Einsatz gekommen“. Die brennenden Textilien hätten erst nach und nach den Grillanzünder in Brand gesetzt und die Flammen hätten sich dann großflächig auch auf die Ausgabe und den Lagerraum ausgebreitet.

Am 10. August brannte der Kiosk mit Imbiss in der Hamburger Straße in Schwarzenbek aus. Die Polizei setzte unter anderem auf Hinweise aus der Bevölkerung. Später gab es Ermittlungen und schließlich die Festnahme des verdächtigen Gastwirtes.

Der 25-jährige soll nur knapp zwei Monate vor dem Feuer im Betrieb einen Versicherungsvertrag für das Inventar abgeschlossen haben. Feuerwehrleute waren im Großeinsatz, die Familie, die über dem Schnellrestaurant mit Kiosk im ersten Obergeschoss lebte, konnte sich gerade noch retten. Sie wurde vorübergehend obdachlos. Das Haus galt hinterher als einsturzgefährdet.

Sohn bestreitet Schuld des Vaters

Am ersten Prozesstag erklärte der Verteidiger des Angeklagten, sein Mandant werde aussagen. Doch diese Einlassung solle zunächst in Schriftform gebracht werden. Somit ist erst beim nächsten Verhandlungstermin am 30. August mit einer Aussage des 54-Jährigen zu rechnen. Sein Sohn, der ebenfalls angeklagt ist, sagte jedoch aus. Der 25-Jährige erklärte, dass sein Vater den Betrieb zur Zeit des Brandes faktisch geführt habe. Er jedoch habe die Miete für die Räumlichkeiten bezahlt. In seinem Kulturkreis, sein Vater und er haben türkische Wurzeln, sei das ganz normal. „Insgesamt sollen die Angeschuldigten die Regulierung eines Schadens in Höhe von 172 000 Euro angestrebt haben“, so die Staatsanwaltschaft. Die Versicherung „AachenMünchener“ hatte den eingeforderten Schaden jedoch nicht beglichen. Im Gebäude selbst sei ein Schaden von 192 000 Euro entstanden, so die Staatsanwaltschaft.

„Ich war an dem katastrophalen Abend in Hamburg-Bergedorf. Mein Vater hörte telefonisch von dem Brand und fuhr sofort los“, erklärte der Sohn des Hauptangeklagten. Er verstehe nicht, warum sein Vater dafür nun vor Gericht stehe. Das Geschehene und der Prozess belaste ihn, hieß es. Ihm wurde vor allem vorgeworfen, am Betrugsversuch gegenüber der Versicherung maßgeblich beteiligt gewesen zu sein. Erst 2018 habe er eine Versicherung für das Geschäft abgeschlossen. Er hatte jedoch verschwiegen, dass sein Vater den Betrieb führe, was nach geltendem Recht unzulässig sei. „Ich hatte nicht vor, die Versicherung zu betrügen“, so der 25-Jährige. Sein Vater habe häufig von „seinem Laden“ gesprochen, was ja nicht unüblich sei, weil er sich um das Geschäft gekümmert habe.

Haftstrafe zwischen sieben und zehn Jahren

Die Staatsanwaltschaft hält selbst bei einem Geständnis des Angeklagten, das unter Umständen strafmildernd wirken könnte, eine Haftstrafe von sieben Jahren für angemessen. Das teilte der Vorsitzende Richter Kai Schröder am ersten Prozesstag mit. Es habe vorher Gespräche mit allen Prozessbeteiligten über eine Strafmilderung im Falle eines Geständnisses gegeben. Ursprünglich hatte der Verteidiger des 54-Jährigen signalisiert, sein Mandant werde vor Gericht schweigen. Am ersten Verhandlungstag nun kündigte er an, dass sein Mandant sich schriftlich einlassen werde.

Die Polizei hatte viel unternommen, um die Brandstiftung, auf die es schnell Hinweise gab, aufzuklären. Im Stadtgebiet wurden Plakate aufgehängt und Flyer verteilt, es wurde ein Hinweisportalim Internet freigeschaltet. Die Kripo rief Zeugen auf, Videomaterial vom Brandzur Verfügung zu stellen. Türblätter und Türzargen wurden sichergestellt, um ein mögliches Hebelwerkzeug zuordnen zu können. Lange wurde in der Stadt spekuliert, ob die Brandstiftung möglicherweise mit der Brandstiftung in einer Autowerkstatt nur 20 Meter entferntan der Hamburger Straße zusammenhängen könnte. Beide Immobilien gehören einer Familie. Außerdem hatte gegenüber vom „Hevi’s“ das ehemalige China-Restaurant gebrannt.

Der Prozessauftakt wurde von diversen Medienvertretern von TV und Tageszeitungen beobachtet. Das Gericht hat zwölf Hauptverhandlungstermine anberaumt und 14 Zeugen sowie fünf Sachverständige geladen.

Von Florian Grombein

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