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Lauenburg Ehefrau vor Ratzeburger Discounter fast erstochen: Täter zeigt im Gericht Reue
Lokales Lauenburg Ehefrau vor Ratzeburger Discounter fast erstochen: Täter zeigt im Gericht Reue
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16:07 14.08.2019
Am Landgericht Lübeck muss sich seit Mittwoch ein 33-Jähriger wegen versuchten Totschlags in Ratzeburg verantworten. Quelle: Grombein Florian
Lübeck/Ratzeburg

Prozessauftakt am Landgericht Lübeck: Eine blutige Tat vor einem Discounter in der Ratzeburger Vorstadt beschäftigt zurzeit die I. Strafkammer. Dem 33 Jahre alten Angeklagten wird vorgeworfen, seine getrennt lebende Ehefrau im Januar dieses Jahres in der Nähe des Ratzeburger Bahnhofes mit einem Messer attackiert zu haben (die LN berichteten). Sieben Stichverletzungen, vor allem im Gesicht des Opfers, waren lebensgefährlich. Deshalb wird ihm versuchter Totschlag in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung zum Nachteil seiner 30-jährigen Ehefrau zur Last gelegt. Die Eheleute waren aus dem Irak geflüchtet und lebten seit 2016 vor der Trennung in einem kleinen Ort im Amt Sandesneben-Nusse.

Das Gewaltschutzgesetz

Im Rahmen des Gewaltschutzgesetzeskonnte dem Angeklagten der Kontakt zu seiner Ehefrau verboten werden. Eine vorsätzliche Verletzung des Körpers oder der Freiheit des bedrohten Antragstellers muss dafür vorausgehen.

Das zuständige Amtsgericht Ratzeburgkann dem Betroffenen verbieten, die Wohnung der schutzbedürftigen Person zu betreten. Auch kann dem Betroffenen untersagt werden, Orte zu betreten, die die Antragstellerin gewohnheitsmäßig besucht. Auch die Kontaktaufnahme per Telefon, Chats oder soziale Netzwerke kann untersagt werden. All dies ist im vorliegenden Fall erwirkt worden.

In Deutschland trat dieses Gesetz erst 2002 in Kraft. Es wurde 2017 zuletzt modifiziert. Es findet überwiegend bei Fällen von häuslicher Gewalt, überwiegend gegen Frauen, sowie bei Opfern von Stalking Anwendung.

Ehefrau wollte mit Kindern nach England

Die 30-Jährige soll sich laut Staatsanwaltschaft einige Zeit vor der Tat von ihrem Mann getrennt haben, mit den gemeinsamen Kindern ausgezogen sein und eine einstweilige Verfügung nach dem Gewaltschutzgesetz beim Amtsgericht Ratzeburg erwirkt haben. Denn schon vorher soll es zu gewalttätigen Übergriffen und Morddrohungen gegenüber seiner Frau gekommen sein. Von dieser Anordnung soll der Angeklagte einen Tag vor der Tat erfahren haben. Das Paar war seit 2009 verheiratet.

Am späten Nachmittag des Tattages, dem 18. Januar 2019, soll der Angeklagte seiner Ehefrau vor einem Discounter in der Nähe des Bahnhofs in Ratzeburg aufgelauert haben. Er stellte die Frau laut Staatsanwaltschaft zur Rede und habe angekündigt, sie nun zu töten. Vorher werde er ihr aber die Augen ausstechen. Er habe die Geschädigte darauf zu Boden gerissen und dann mit einem Küchenmesser auf sie eingestochen, um sie zu töten.

Fußtritt ins Gesicht – Bruch an Augenhöhle

Ein Zeuge soll den Angeklagten von dem Opfer heruntergestoßen haben. Dennoch soll es dem Täter gelungen sein, seinem Opfer weitere Stiche zu versetzen. Der Zeuge soll in den kommenden Prozesstagen aussagen. Am ersten Prozesstag kamen zunächst vier Polizeibeamte zu Wort. Bei dem Angriff hatten Zeugen beobachtet, dass der Angeklagte seiner Frau mit dem Fuß in das Gesicht trat, bevor er sich vom Tatort entfernte. Dabei kam es zu eine Fraktur an der Augenhöhle. Das Opfer erlitt laut Anklage schwere Stich- und Schnittverletzungen, insbesondere im Bereich des Gesichts.

„Es ist richtig, dass ich meine Frau mit einem Messer angegriffen und verletzt habe. Ich schäme mich für meine Tat und kann meine Frau nur um Vergebung bitten“ – so lautet die Aussage des Mannes auf der Anklagebank am ersten Prozesstag. Er sagte im Gericht nicht selbst aus, sondern ließ gleich nach Verlesung der Anklageschrift eine schriftliche Einlassung von seinem Verteidiger verlesen. Seine Familie sei verstorben und er habe nie eine Schule länger als wenige Tage besucht. Im Irak sei er als ungelernter Hilfsarbeiter tätig gewesen. Er sei des Lesens und Schreibens nicht fähig. Gemeinsam hatten die Eheleute zwei Kinder, eines noch im Vorschulalter.

Angeklagter: „Ich habe schwarz gesehen“

Er hatte am Tag der Tat bei einem Freund in Mölln geschlafen, habe am morgen ein Küchenmesser eingesteckt und sei zum Jugendamt nach Ratzeburg gefahren. Beim Jugendamt hörte er jedoch, dass es derzeit keine Chance darauf gebe, seine Kinder zu sehen. Er gab an, seine Frau am Tag der Tat nur zufällig getroffen zu haben. Seine Frau habe ihm bei der Begegnung am einem Fußgängerüberweg in der Bahnhofsallee/Ecke Matthias-Claudius-Straße erzählt, sie wolle mit den Kindern nach England fliehen. Da habe er „schwarz gesehen“.

Wenn er die Kinder nicht mehr sehen könne, so wolle er auch nicht, dass sie die Kinder jemals wieder sehe. Deshalb habe er versucht, ihr das Augenlicht zu nehmen. „Ich kann selbst nicht verstehen, wie ich mich dazu hinreißen lassen konnte, die Mutter meiner Kinder anzugreifen“, erklärte der Angeklagte über seinen Verteidiger.

Das später in einem Vorgarten gefundene Tatmesser war stark beschädigt. Es sei geradezu im rechten Winkel verbogen gewesen und ein Stück der Spitze habe gefehlt, so ein Polizeibeamter im Zeugenstand. Dass diese Beschädigungen von der Wucht der Angriffe auf seine Frau herrührten, konnten die Polizisten nicht ausschließen.

Der Mann aus dem Irak wurde im Prozess durch einen Dolmetscher begleitet. Das Gericht hat neun Hauptverhandlungstage anberaumt und 23 Zeugen sowie zwei Sachverständige geladen. Der Prozess wird am 21. August fortgesetzt.

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Von Florian Grombein

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