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Lauenburg Städtebaulicher Vertrag unter Dach und Fach
Lokales Lauenburg Städtebaulicher Vertrag unter Dach und Fach
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17:52 29.01.2019
Unterzeichneten den Städtebaulichen- beziehungsweise den Erschließungsvertrag für das Baugebiet südlich des Friedhofs an der Seedorfer Straße in Ratzeburg: (v. l.) Ratzeburgs Bürgermeister Rainer Voß, Désirée Tummescheit (Vorstand Kreisbaugenossenschaft), Herbert Köster (Vorstandsvorsitzender KBG), Thomas Naß und Kerstin Andresen (Vorstände Raiffeisenbank Ratzeburg). Quelle: Joachim Strunk
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Ratzeburg

Jetzt wird es konkret: Nach dem Aufstellungsbeschluss durch die Ratzeburger Stadtvertretung in ihrer Sitzung kurz vor Weihnachten 2018, kam es am Dienstag, 29. Januar, zur Unterzeichnung des Städtebaulichen- beziehungsweise des Erschließungsvertrages zwischen der Stadt Ratzeburg und den Investoren Kreisbaugenossenschaft (KBG) und Raiffeisenbank (Raiba) Ratzeburg.

Angesichts der geschlossenen Verträge äußerte sich der Vorstandsvorsitzende der KBG, Herbert Köster, zuversichtlich, dass der Bebauungsplan für die knapp zwei Hektar (19.000 Quadratmeter) große Fläche, die bislang als landwirtschaftliche Nutzfläche ausgewiesen war, bis März rechtskräftig sein wird.

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Bis 2023 sind die Wohnungen bezugsfertig

Danach – bis spätestens Anfang 2020 – sollen die Erschließungsarbeiten beginnen. Anschließend erfolgt der Hochbau. „Bis 2022, spätestens 2023 werden die Arbeiten abgeschlossen, die Wohnungen bezugsfertig sein“, so Köster.

Blick von der Seedorfer Straße nach Südosten: Auf dieser Fläche sollen bis 2023 insgesamt 120 Wohnungen gebaut werden. Quelle: Strunk

KBG und Raiffeisenbank investieren gemeinsam rund 23 Millionen Euro, behalten die Wohnungen anschließend im Eigentum und wollen sie selbst vermieten. Für die Arbeiten werden ausschließlich regionale Unternehmen engagiert. Désirée Tummescheit: „Auch in dieser Hinsicht setzen wir bewusst auf Nachhaltigkeit und Qualität!“

Bedarf an 941 Wohnungen in Ratzeburg

Schon vor Jahren hatte sich die Ratzeburger Politik mit dem Wohnungsmarkt in der Kreisstadt beschäftigt und einen Bedarf bis 2030 von 941 Wohnungen festgestellt. Im Sommer 2016 kam es dann zu ersten Gesprächen zwischen Stadt und Kreisbaugenossenschaft, das Möllner Architekturbüro Kienast & Kienast erstellte die ersten Pläne, die ausführlich in den Ausschüssen diskutiert wurden.

Blick vom Friedhof nach Süden. Im Hintergrund der „Lange Jammer“ und rechts die Seedorfer Straße. Quelle: Strunk

Bürgermeister Voß, Ratzeburgs Bauamtsleiter Michael Wolf und KBG-Chef Köster betonten, dass der B-Plan „nach intensiven Diskussionen mit den Bürgern von den politischen Gremien deutlich verändert [wurde], um den berechtigten Belangen nach Lärmschutz, Verkehrssicherheit und den umweltrechtlichen Aspekten Rechnung zu tragen“. „Die Einwendungen der Anwohner waren völlig okay. Wir haben sie ernst genommen und nach Möglichkeit umgesetzt“, betonte Wolf.

„Viele tun sich schwer mit Veränderungen“

Pastorin Wiebke Keller von der Kirchengemeinde St. Petri, die an der Vertragsunterzeichnung aus terminlichen Gründen nicht teilnehmen konnte, bekräftigte im Gespräch mit den LN ihre Meinung, „dass sich viele Menschen zuerst oft schwertun mit Veränderungen“.

Blick von der Seedorfer Straße nach Nordosten. 19.000 Quadratmeter groß ist die Fläche, die Kreisbaugenossenschaft und Raiffeisenbank Ratzeburg von Stadt und Kirchengemeinde kaufen (für 100 Euro/qm abzüglich Erschließungskosten). Quelle: Strunk

Sie selbst könne den geplanten Neubauten, allesamt barrierefrei, alle Gebäude mit Aufzügen versehen, nur Gutes abgewinnen. Darüber hinaus bestätigte sie, dass die Kirchengemeinde wie geplant einen Kita-Neubau für sechs Gruppen, vier Ü3- mit je 20 und zwei U3-Gruppen mit je zehn Kindern, umsetzen wird.

Deutlich unter den Marktpreisen

Auch Köster betonte: „Es wird kein Wohngetto entstehen, sondern ein lebendiges Wohnquartier mit bezahlbaren Mieten zwischen durchschnittlich 8,75 und 9,00 Euro je Quadratmeter. Das ist deutlich unter den Marktpreisen!“ Rund die Hälfte der 120 Wohnungen wird sozial gefördert, hier ist die Investitionsbank des Landes mit im Boot.

Die Wohnungen selbst sind für Single-, Paar- und Familienhaushalte geplant und zwischen 50 und 100 Quadratmeter groß. „Gerade diese Größen sind für Alleinstehende, Beeinträchtigte oder kleine Familien derzeit nur schwer zu bekommen“, sagte Voß.

Zusätzliche Bauflächen

Die 120 Einheiten mit einer Gesamtwohnfläche von 9000 Quadratmetern verteilen sich über neun zwei- und dreigeschossige Gebäude: sieben unter der Trägerschaft der KBG, zwei unter der des „Juniorpartners“ Raiba Ratzeburg. Letztere sollen den aus den 1930er Jahren stammenden Gebäudekomplex „Langer Jammer“ ersetzen.

Und noch einen weiteren Vorteil für direkte Anwohner der Memeler und Königsberger Straße sprach Voß an: „Durch die Erschließung des gesamten Geländes können auf den rückwärtigen Grundstücken der angrenzenden Straßen zusätzliche Bauflächen entstehen“.

Die Verträge unterzeichnete für die Stadt Bürgermeister Voß, für die Gemeinnützige Kreisbaugenossenschaft Lauenburg eG (Mölln) Vorstandsvorsitzender Köster und Vorstandsmitglied Tummescheit und für die Raiffeisenbank Ratzeburg eG deren Vorstände Andresen und Naß.

Joachim Strunk