Ratzeburg: Feuerwehr-Tauchergruppe wird nicht aufgelöst
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Ratzeburg: Feuerwehr-Tauchergruppe wird nicht aufgelöst

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17:02 26.03.2021
Taucher der Freiwilligen Feuerwehr Ratzeburg, hier beim „Frühjahrsputz sauberes Lübeck“ vor vier Jahren im Mühlenteich.
Taucher der Freiwilligen Feuerwehr Ratzeburg, hier beim „Frühjahrsputz sauberes Lübeck“ vor vier Jahren im Mühlenteich. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
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Ratzeburg

In Zeiten von Corona ist überall das Geld knapp und alle Stellen sind gehalten, sorgsam zu haushalten und möglichst unnötige oder freiwillige Ausgaben einzusparen. Unter diesem Druck kam Ratzeburgs Bürgermeister Gunnar Koech auf die Idee, die Tauchergruppe der Freiwilligen Feuerwehr aufzulösen. Nach dem Brandschutzgesetz sei man dazu gar nicht verpflichtet, eigentlich sei es eher eine Art Hobby der Feuerwehr, 1994 nach einem tödlichen Badeunfall gegründet, ein kostspieliges dazu.

Das sollte auch eine Kostenauflistung für das Jahr 2019 verdeutlichen, als die Stadt etwas mehr als 25 000 Euro zahlen musste. Nachdem der Finanzausschuss in der vergangenen Woche diesen Punkt von der Tagesordnung genommen hatte, lehnte auch der Hauptausschuss den Antrag der Verwaltung zur Auflösung ab.

Kostenliste von 2019 „zu punktuell“

Uwe Martens von der SPD erklärte, der Bürgermeister habe im vergangenen Jahr ursprünglich vorgeschlagen, Synergien und Kooperationen zu suchen. Nun aber laufe es auf eine Zerschlagung der Truppe hinaus. Martens und auch andere Ausschussmitglieder sehen zwar die Problematik, dass eine solche Tauchergruppe bei der Feuerwehr nicht absolut erforderlich sei – für die Wasserrettung gibt es in Ratzeburg eine starke DLRG –, eine Auflösung allerdings auch zu einer Demotivierung der ansonsten recht stark belasteten ehrenamtlichen Retter führen könne.

Der Hauptausschuss der Stadt Ratzeburg tagte am Donnerstag zum zweiten Mal in dieser Woche. Der Verwaltungsvorschlag von Bürgermeister Gunnar Koech (re.) zur Auflösung der Feuerwehr-Tauchergruppe wurde einstimmig abgelehnt. Quelle: Joachim Strunk

Ähnlich argumentiert auch die CDU. Deren Fraktionsvorsitzender Dr. Ralf Röger ließ sich von Kämmerer Axel Koop einmal die Kosten der letzten sechs Jahre aufzeigen, weil ihm die vorgelegten Daten „zu punktuell“ waren. Dabei wurde deutlich, dass das Jahr 2019 mit den 25 000 Euro Beschaffungs-, Unterhaltungs- und Fortbildungskosten ein Ausreißer nach oben war.

„Andere Hausnummer“

Tatsächlich beliefen sich die Kosten folgendermaßen: 2014 – 22 000 Euro; 2015 – 2600 Euro; 2016 – 5600 Euro; 2017 – 13 500 Euro; 2018 – 14 700 Euro und 2019 – 25 296 Euro. Das macht einen Mittelwert von nur noch 13 947 Euro. Das sei „eine andere Hausnummer als die besagten 25 000 Euro“, so Röger.

Hinzu käme, dass sich bei ihm ein anonym bleiben wollender Unternehmer aus Ratzeburg in Folge der Berichterstattung über die mögliche Auflösung der Gruppe gemeldet und eine Unterstützung der Taucher für die nächsten drei Jahre mit jeweils 5000 Euro angeboten hätte.

„Das bedeutet nicht, dass die CDU jetzt vorbehaltlos für den Erhalt der Tauchergruppe wäre“, so Röger. „Aber aufgrund dieser realistischeren Zahlen und Möglichkeiten müsste man dann nur noch über eine jährliche Summe von rund 8000 Euro nachdenken.“

Bessere Kommunikation angemahnt

Insofern einigte sich der Ausschuss einstimmig darauf, den Beschlussvorschlag abzulehnen und die Verwaltung aufzufordern, gemeinsam mit der Politik, der Feuerwehr und der DLRG Gespräche aufzunehmen und ein neues Konzept zu erarbeiten. Dieses soll danach wieder im Finanzausschuss behandelt werden.

Ebenfalls einstimmig votierten die Mitglieder des Hauptausschusses nach langer Erörterung und Anhörung von IT-Experten auf eine schnelle Umsetzung des Digitalpaktes für die Lauenburgische Gelehrtenschule. Wie auch schon der zuständige Fachausschuss ASJS mahnte der Hauptausschuss eine bessere Kommunikation des Bürgermeisters mit der Schulleitung der LG in Person von Thomas Engelbrecht an.

Rückgabe der Haushaltskompetenz

Dieser las aus mehreren Schreiben an den Bürgermeister vor, in denen er um entsprechende Kontaktaufnahme bezüglich der IT-Problematik an der Schule bat. Koech hatte in der HA-Sitzung am Montag suggeriert, dass Engelbrecht sich nicht im Rathaus gemeldet habe, insofern sei auch keine Kommunikation zustande gekommen.

Anhand der vorgelegten beziehungsweise vorgelesenen Anschreiben Engelbrechts bekam die Behauptung Koechs nun eine andere Wahrnehmungsdimension.

Jedenfalls beschloss der Ausschuss ebenfalls einstimmig, dass der Bürgermeister die von ihm entzogene Haushaltskompetenz zurückgeben müsse: „Um der Schulleitung eine effiziente Aufgabenerfüllung zu ermöglichen, sollen die zur Bestellung von beweglichen Sachen erforderlichen Haushaltsmittel, wie im bisher bis Ende 2020 üblichen Umfang, auch zukünftig zur Verfügung gestellt werden.“

Der Digital Pakt an der LG soll „zeitnah und zügig“ bis Ende 2022 umgesetzt werden, dabei werde „auf das Einrichten eines Arbeitskreises oder Hinzuziehen von Planungsbüros (...) aus sachlichen, zeitlichen und finanziellen Gründen verzichtet“. Die Schulleitung sei „in den gesamten Prozess maßgeblich und vertrauensvoll einzubinden“.

Von Joachim Strunk