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Lauenburg Grüne diskutieren „Zeitbombe Plastik“
Lokales Lauenburg Grüne diskutieren „Zeitbombe Plastik“
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16:40 06.12.2018
Diskutierten vor rund 60 interessierten Besuchern: Marlies Fritzen (Fraktionsvorsitzende der Grünen im Landtag, v. l.), Prof. Dr. Till Requate (Uni Kiel) und AWSH-Geschäftsführer Denis Kissel Quelle: hfr
Ratzeburg

Die geänderten politischen Mehrheitsverhältnisse in Bundesdeutschland machen sich mittlerweile auch vor Ort bemerkbar. Als der Ortsverband von Bündnis 90/Die Grünen jetzt zu einer Diskussionsveranstaltung ins Hansa-Hotel Ratzeburg eingeladen hatte, kamen rund 60 Besucher. Dr. Torsten Walther, Sprecher des Ortsverbandes, und Steffen Regis, Landesvorsitzender, begrüßten die Besucher. Die Landtagsabgeordnete Marlies Fritzen, Sprecherin der Grünen Landtagsfraktion für Umwelt- und Naturschutz, führte durch den Abend.

Gleich zu Beginn wurden die Besucher nach ihren Wünschen und Erwartungen an die Politik befragt, wie zukünftig ein schonenderer Umgang mit den Ressourcen möglich sein könnte. Viele der Anwesenden wünschten sich weniger Verpackungen im Handel, mehr Pfandware sowie Kosmetikartikel ohne Mikroplastik. Vorgeschlagen wurde auch eine Steuer auf Plastikverpackungen und auch strengeres Vorgehen bei unsachgemäßer Vermüllung der Landschaft.

Gefahr für Mensch und Tier

Dies wurde im Verlauf des Abends von den Referenten Denis Kissel, Geschäftsführer der Abfallwirtschaft Südholstein, und Prof. Dr. Till Requate, Dekan der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, in ihren Kurzreferaten aufgegriffen.

Millionen Tonnen Plastikmüll schwimmen in den Ozeanen, landen aber auch auf unseren Äckern und sind weltweit eine große Gefahr für Mensch und Tier. Plastik wird kurzfristig für Verpackungen verschwendet. Gleichzeitig ist es aber auch ein kostbares Produkt im Bau- oder Medizinbereich.

Hersteller haben keinen Anreiz

Denis Kissel verwies auf die Schwierigkeiten, die vielfältige Recyclingsysteme und Kunststoffverbindungen mit sich brächten. Zudem sei auch der von den Verbrauchern entsorgte Müll in den Gelben Säcken oder in der Bio-Tonne nicht einwandfrei wiederverwertbar. Zu oft finde man trotz Trennung noch zu viel Plastik in den Biotonnen und viele Kunststoffe in den Gelben Säcken. Diese jedoch seien ausschließlich für Verpackungen gedacht, so dass nicht jedes Plastikteil dort hineingehöre.

Die Folge? 70 Prozent aus den Gelben Säcken werden verbrannt und der Inhalt der Bio-Tonnen wird mit immer höheren Kosten kompostiert. Da die Hersteller nicht verantwortlich für die Rücknahme ihrer Verpackungen seien, hätten sie auch keinen Anreiz, den anfallenden Müll zu reduzieren. Hier könne für die Politik ein Ansatz sein, Hersteller zur Rücknahme zu bringen und Rohstoffe sortenrein zu produzieren, damit sie gut wiederzuverwerten seien.

Steuer auf Plastik gefordert

Till Requate gab mit seinem Referat einen guten globalen Überblick. Die jüngsten Verbote der EU von Plastikbesteck, Wattestäbchen oder Strohhalmen seien nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, und das weltweite Bewusstsein, Plastik zu vermeiden, sei noch zu wenig ausgeprägt. Auch er vertrat die Ansicht, dass eine Steuer auf Plastik dazu beitragen könne, mit diesem universellen Stoff sorgsamer umzugehen; besonders bei Medizinprodukten oder im Bauhandwerk sei er unschlagbar. Requate sprach sich ebenfalls dafür aus, bis 2030 Kunststoffe so zu produzieren, dass sie zu 100 Prozent wiederverwertet werden könnten.

In einem langen Diskussionsprozess stellt sich die Bundespartei von Bündnis 90/Grüne bis 2020 den neuen und alten, großen und kleinen politischen Fragen unserer Zeit, um sich ein neues Grundsatzprogramm zu geben. Die Ratzeburger Veranstaltung war der Auftakt in Schleswig-Holstein; weitere sechs sollen landesweit folgen, um das Problem anzugehen.

Joachim Strunk

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