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Lauenburg Ratzeburg am Tag des Mauerfalls im bundesweiten TV-Fokus
Lokales Lauenburg Ratzeburg am Tag des Mauerfalls im bundesweiten TV-Fokus
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15:21 08.10.2019
Kommen nach Ratzeburg: Manuela Schwesig (SPD), Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, und Daniel Günther (CDU), Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, hier auf einem Archivbild in Hamburg. Quelle: dpa
Ratzeburg

Hoher Besuch hat sich für den Abend des 9. November 2019 in Ratzeburg angesagt: Die Ministerpräsidenten der Bundesländer Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig (SPD), und Schleswig-Holstein, Daniel Günther (CDU), wollen zu einem Gedenkgottesdienst in den Dom zu Ratzeburg kommen. Der ist für 17 Uhr an diesem Tag geplant.

Danach geht es in einer feierlichen Lichterprozession zu Fuß zum Marktplatz, wo zufälligerweise am selben Tag die beliebte Kunsteisbahn vor dem Historischen Kreishaus wieder ihren Betrieb (bis voraussichtlich Ende Januar 2020) aufnimmt. Anschließend gehen die „Landesfürsten“ mit ihren rund 150 geladenen Gästen in die St.-Petri-Stadtkirche.

Der Ratzeburger Dom am Abend von Bäk aus fotografiert. Quelle: LN-Archiv/Leserfoto von Walter Cohrs

Hier planen die Fernsehmacher eine moderierte Gesprächsrunde mit den Gästen, von denen etliche ihre ganz persönliche Wiedervereinigungsgeschichte erzählen werden. Dieses Event wird live bundesweit via Fernsehen und Internet (www.unseregeschichte.bund.de) ab 18.53 Uhr übertragen. Der Live-Stream beginnt also zur selben Zeit, wie vor 30 Jahren das SED-Politbüromitglied Günter Schabowski die Reisefreiheit für alle DDR-Bürger im Fernsehen bestätigte.

Ratzeburg ist der vierte und damit tagesletzter Standort, von dem berichtet wird (von 22.10 bis 23.10 Uhr). Die anderen drei größeren Orte neben 26 kleineren sind Hof in Bayern (18.53 bis 20.10 Uhr), wo sich Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) angemeldet hat, Geisa in Thüringen (20.10-21.10 Uhr) und Böckwitz/Zicherie in Sachsen-Anhalt/Niedersachsen (21.10-22.10 Uhr).

Zeitzeugen erinnern sich an 9. November 1989

In allen vier Live-Standorten entlang der sich über rund 1400 Kilometer erstreckenden ehemaligen Grenze zwischen Ost- und Westdeutschland treffen sich lokale und nationale Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur zu moderierten Gesprächsrunden. Im Publikum befinden sich zudem Bürgerinnen und Bürger sowie Zeitzeugen von damals, die eine besondere Geschichte zum 9. November 1989 zu erzählen haben.

Termine bis zum 9. November

Am 9. November jährt sich der Jahrestag der Grenzöffnung zum 30. Mal. Dem wohl einschneidendsten Ereignis der jüngeren Geschichte wird in unserer Region mit Vorträgen und Diskussionsrunden, in Festveranstaltungen und Schulprojekten, in Wanderungen und Fahrradtouren gedacht.

14. Oktober bis 27. Dezember: Sonderausstellung „Momentaufnahmen – ein Land verschwindet“ im Grenzhus Schlagsdorf, Kunstausstellung zur Grenzöffnung von Uwe Michelsen, 10 bis 16.30 Uhr täglich.

17. Oktober: Vortrag „Der letzte Ballonfluchtversuch aus der DDR“, Autobiografischer Tatsachenbericht von und mit Jan Hübler im Augustinum Mölln um 19.30 Uhr.

19. Oktober: Fotoausstellung um die Zeit der Grenzöffnung und Anschauungsstücke aus der damaligen Zeit. Bundespolizeiabteilung Ratzeburg werktags von 10 bis 13 Uhr.

25. Oktober bis 13. November: Vernissage der Ausstellung der Grenzbilder von Heike Fischer im Foyer der Volks- und Raiffeisenbank Südstormarn-Mölln in Ratzeburg um 11 Uhr.

25. Oktober: „Fluchten und Opfer an der Grenze zum Kreis“, Vortrag von Dr. Sandra Pingel-Schliemann, Beckendorf in der Reihe „30 Jahre Grenzöffnung“, Stiftung Herzogtum Lauenburg in Ratzeburg, Kreismuseum am Domhof, Rokokosaal, 19.30 Uhr.

26. Oktober: Busfahrt mit Lothar Obst zu Fluchtorten an der früheren Grenze. Abfahrt Mölln: 8 Uhr Quellenhof, 8.15 Uhr ZOB; Abfahrt Ratzeburg: 8.45 Uhr Marktplatz. Die Teilnehmer erhalten Handreichungen, Getränke und Imbiss am Bus. Rückkehr gegen 17 Uhr in Mölln, anschließend in Ratzeburg. Wissenschaftliche Begleitung: Dr. Sandra Pingel-Schliemann, Beckendorf. Teilnahme am Einführungsvortrag am Vortag im Kreismuseum empfohlen.

26. Oktober: VHS-Seminar in Ratzeburg: „Das deutsche Dilemma“ mit Dr. Udo Metzinger. Anmeldung erbeten unter 045 41-8000-146 oder volkshochschule@ratzeburg.de.

3. November: Ausstellung zum öffentlichen Fotowettbewerb zwischen 1989 und 1990. Vor 30 Jahren: Die Öffnung der innerdeutschen Grenze im Kreis Herzogtum Lauenburg.

Wissen Sie übrigens noch, was Sie am 9. November 1989 abends kurz vor 19 Uhr gemacht haben? Es gibt seltene Momente im Leben, wo man plötzlich weiß: Hier passiert gerade etwas Historisches – und man ist selbst irgendwie daran beteiligt!

Damals war der Autor dieses Berichtes seit sechs Wochen Volontär bei den Lübecker Nachrichten. Und an jenem Abend schaute er mit Kollegen im Norddeutschland-Ressort kurz vor den Siebenuhrnachrichten (18.53 Uhr) eine Sonder-Live-Schaltung: eine Pressekonferenz mit Günter Schabowski, dem damaligen Sekretär für Informationswesen des Zentralkomitees der SED, Regierungspartei der DDR.

„ . . .  ist das sofort, unverzüglich“

Seine historischen Worte auf die Frage eines Reporters nach der neuen Regelung für die Ausreise von DDR-Bürgern ins westliche Ausland lauteten: „Das tritt nach meiner Kenntnis … ist das sofort, unverzüglich.“ Und mit diesen Worten fiel in den kommenden Stunden der jahrzehntelange „Eiserne Vorhang“ in sich zusammen.

„Die Bundesregierung möchte die 30. Jahrestage von Friedlicher Revolution und Deutscher Einheit als ein für ganz Deutschland einendes Jubiläum begehen, das auch ein Bewusstsein dafür schafft, dass die Deutsche Einheit ein Prozess ist, der noch nicht abgeschlossen ist“, heißt es in einem Informationsblatt der Bundesregierung. Unter dem Motto „Unsere Geschichte schreibt Zukunft“ soll auf die Jahre der Teilung, den Mauerfall und die letzten drei Jahrzehnte zurückgeblickt werden. Und es sollen vor allem jene gewürdigt werden, „die 1989 friedlich auf die Straße gingen und mit Mut und Tatkraft die Zukunft erkämpften, in der wir heute leben“.

Zeitgleich zu den Live-Schaltungen in die jeweiligen Standorte an der ehemaligen Grenze findet der Festakt am Brandenburger Tor in Berlin statt, an dem Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bundeskanzlerin Angela Merkel teilnehmen.

Hunderte Westdeutsche standen Spalier für die Trabis und Wartburgs, die aus dem Osten heranknatterten – wie hier am Grenzübergang Mustin bei Ratzeburg in Schleswig-Holstein. Quelle: dpa

In Ratzeburg selbst ist man begeistert und stolz über die Ehre einer bundesweiten Präsenz im Zusammenhang mit dem 30-jährigen Mauerfall-Jubiläum. Bürgermeister Gunnar Koech erklärte: „Das ist ein riesengroßes Event, in das wir sehr viel Energie stecken. Ich sehe es als Riesenchance für die Stadt, in der Öffentlichkeit wahr genommen zu werden – bundesweit“.

Bundesweite Aufmerksamkeit

Der ehemalige BGS-Beamte Ottfried Feußner fügt hinzu: „Natürlich freue ich mich als Bürgervorsteher über diese große Veranstaltung als Erinnerung zur Grenzöffnung 1989 in unserer Stadt. Und dann noch in allen Medien. Dies gilt aber auch für mich als Privatperson. Erinnert es mich doch an die Ereignisse als Betroffener in den Tagen vor der Grenzöffnung. Die Bundesgrenzschutz-Unterkunft war 1989 erster Anlaufpunkt für Übersiedler aus der DDR für mehrere Wochen.“

Auch Landrat Dr. Christoph Mager freut sich auf das Ereignis: „Es ist eine richtige Entscheidung, dass der einzige Zonengrenzkreis Schleswig-Holsteins, der zudem durch das Barber-Lyaschenko-Abkommen durch die Grenze doppelt betroffen war, eine besondere Rolle bei den Feierlichkeiten spielt. Und gerade in Ratzeburg mit der ursprünglich teils mecklenburgischen Geschichte passt eine bundesweite Aufmerksamkeit sehr gut.“

Besuch von Landesbischöfin und Erzbischof

Für die Kirche äußerte sich Domprobst Gert-Axel Reuß: „Die Domkirchengemeinde freut sich, dass die Nordkirche zusammen mit dem Erzbistum Hamburg den 30. Jahrestag des 9. November 1989 mit einem gemeinsamen Gottesdienst im Dom feiert. Wir gedenken des Leides der Teilung, welches gerade in unserer Region im Alltag vieler Menschen spürbar war, und erinnern uns mit großer Freude an die Öffnung der innerdeutschen Grenze. Für viele von uns ist dies mit ganz konkreten Erinnerungen verbunden in Mustin, in Wietingsbek und anderswo.

Wir freuen uns sehr auf den Besuch von Landesbischöfin Kühnbaum-Schmidt und Erzbischof Heße und sind dankbar, dass Ministerpräsident Günther und die Parlamentspräsidenten der beiden Bundesländer Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein, Birgit Hesse und Klaus Schlie, die Wurzeln der friedlichen Revolution in den Friedensgebeten in den Kirchen, durch ihre Anwesenheit in dieser Gedenkstunde würdigen.“

Von Joachim Strunk

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