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Lauenburg Ratzeburg baut Bushaltestelle, an der keine Busse halten dürfen
Lokales Lauenburg Ratzeburg baut Bushaltestelle, an der keine Busse halten dürfen
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07:53 30.10.2015
Diese drei Wartehäuschen an der Ratzeburger Riemannstraße warten seit gut eineinhalb Jahren auf Fahrgäste. Der Bau in Eigenleistung hat einschließlich der 50 Meter langen Stützmauer 61000 Euro gekostet.
Ratzeburg

Moderne Wartehäuschen aus Stahl und Glas, ein eigens zur Herstellung der Barrierefreiheit auf mehr als 300 Quadratmetern angehobener und frisch gepflasterter Gehweg und eine 50 Meter lange Stützmauer, die die Gehwegverbreiterung überhaupt erst möglich macht. Die drei Bushaltestellen an der Ratzeburger Gemeinschaftsschule in der Riemannstraße sind wahre Vorzeigeprojekte. Doch die zehntausende Euro teuren Bushaltestellen haben einen Schönheitsfehler. Auch mehr als eineinhalb Jahre nach Fertigstellung hat an den Haltestellen noch kein einziger Bus gehalten. Das Problem: Die Straße ist zu schmal für Begegnungsverkehr von Bussen. Während Ratzeburgs Bürgermeister Rainer Voß (parteilos) das alles halb so schlimm findet, spricht der Steuerzahlerbund von einem „Paradebeispiel für Fehlplanung“ — und auch beim Kreis erntet Ratzeburgs Verwaltung nur Kopfschütteln.

Die Geschichte der Haltestellen ist lang. Nach jahrelanger Diskussion entschied die Stadt Ratzeburg 2010, die einstige Grundschule mit Förderzentrum zur Gemeinschaftsschule auszubauen. Um die durch die Erweiterung zur Gemeinschaftsschule gestiegenen Schülerzahlen besser bewältigen zu können, hat die Stadt Ratzeburg dann vor gut eineinhalb Jahren drei zusätzliche Bushaltestellen gebaut. Was die Ratzeburger Verwaltung dabei ignorierte: Polizei und Verkehrsaufsicht hatten im Vorfeld bei mehreren Ortsterminen Bedenken aus Gründen der Verkehrssicherheit angemeldet und eine Genehmigung versagt.

„Der Straßenbaulastträger braucht keine Genehmigung vom Kreis um Buswartehäuschen aufzustellen“, sagt Kreissprecherin Anne Schetelich. Damit dort aber auch Busse halten dürfen, bedürfe es einer verkehrlichen Anordnung des Kreises. Und eben die könne nach derzeitigem Stand nicht erteilt werden. Um solche Situationen zu vermeiden, gebe es vor Baubeginn solche Ortstermine mit allen Beteiligten. „Bei uns geht der Vorgang bis ins Jahr 2012 zurück“, sagt Schetelich und verweist auf eine inzwischen dicke Akte. Trotz mehrerer Ortstermine und Gespräche konnte in diesem Ratzeburger Fall aber bislang keine einvernehmliche Lösung gefunden werden. Das dauerte den Ratzeburgern offenbar zu lange. Statt auf eine Genehmigung zu warten, wurden 2014 Fakten geschaffen. Seitdem stehen die drei „Soda-Häuschen“ ohne wartende Fahrgäste in der Gegend herum.

„Erst eine Bushaltestelle bauen und sich dann um den Verkehr zu kümmern, ist eindeutig die falsche Reihenfolge. Das erkennt man auch als Laie“, sagt Rainer Kersten vom Bund der Steuerzahler. „Der Steuerzahler muss von einer Stadt der Größe Ratzeburg erwarten können, dass sie in der Lage ist, so etwas zu überblicken“, so Kersten. Wenn man scheibchenweise immer weiter arbeite, treibe das oft die Kosten in die Höhe. Erst Anfang des Jahres hatte die Kommunalaufsicht den Ratzeburgern aufgrund der desolaten Haushaltslage und mangelnden Sparbewusstseins die Rote Karte gezeigt — und beantragte Kreditaufnahmen um die Hälfte gekürzt.

Voß will weiter für seine Buswartehäuschen kämpfen. Der Bürgermeister spricht von „temporären Einfahrverboten“. Eventuell könne man große Verkehrslenktafeln aufstellen, die je nach Situation anzeigen würden, ob die Straße frei sei oder nicht, so Voß. Dabei müsse dann aber auch sichergestellt sein, dass nicht doch ein Auto durchfahre. Außerdem prüfe man, die Riemannstraße zur Einbahnstraße zu machen. Das hätte dann aber auch die Folge, dass davon auch ein in der Gegenrichtung verkehrender Stadtbus betroffen wäre. Er gehe aber davon aus, dass man „baldmöglichst zu einer für alle Seiten guten Lösung“ komme, sagt Voß. Bei der Genehmigungsbehörde ist man nicht ganz so optimistisch.

Immerhin stehen die drei Buswartehäuschen nicht einfach nur so da herum. „Hier kann man in den Pausen ganz gut sitzen“, sagen Justin (15) und Chantal (16).

Holger Marohn